Großer Bahnhof für Söder und große Freude für die Veranstalter

Das war die Truderinger Festwoche

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Die Politprominenz der CSU lauscht den Böllerschüssen.

Sonnenschein, blauer Himmel, gutgelaunte Besucher und ein Ausklang mit Blitz, Donner und Hagel – die Truderinger Festwoche 2018 hatte einiges zu bieten. Und auch die politischen Veranstaltungen von CSU und SPD locken viele Menschen ins Festzelt.

Zufrieden mit dem Verlauf der Truderinger Festwoche ist Franz Risch, der Vorsitzende des Truderinger Buam Festrings, der die Gaudi alljährlich organisiert. „Es fühlt sich sehr gut an, vor allem wird das Fest jetzt von den jungen Leuten angenommen“, so Risch zu HALLO. Einen Kassensturz allerdings hat der Verein noch nicht gemacht, doch Risch ist zuversichtlich, dass genügend Geld ins Vereinssäckl geflossen ist, um weitere Veranstaltungen durchführen zu können. 

Es war fast ein Déjà vu des vergangenen Jahres, als Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Truderinger Festzelt kam – der Besuch von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und CSU-Generalsekretär Markus Blume am 8. Mai. Ein mit 1500 Leuten berstend volles Zelt, Polizeifahrzeuge und uniformierte Beamte im weiten Umkreis des Festplatzes, Einlasskontrollen und Sicherheitschecks bei den Gästen. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch, voller Erwartung harrten die Besucher auf das Eintreffen des bayerischen Ministerpräsidenten. Als dann endlich dessen Limousine an der Feldbergstraße vorfuhr, standen die Original Truderinger Böllerschützen zwischen Kulturzentrum und Festring-Stadl sozusagen schon Gewehr bei Fuß.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (links) und der Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher von der SPD.

Mit ohrenbetäubendem Ehrensalut wurde Söder begrüßt, zwei mal luden die Schützen nach. Der Ministerpräsident dankte und schüttelte Hände, auch die der vielen Fahnenträger von Truderinger Vereinen. Als er dann durch den Haupteingang ins Festzelt schritt, brandete Applaus auf. Söder fragte schon mal nach, ob das Hendl schmecke. Neben Generalsekretär Markus Blume war auch die neue bayerische Wissenschaftsministerin Marion Kiechle gekommen und Ludwig Spaenle, dessen Amt sie vor Kurzem übernommen hatte, und der das Grußwort sprach. „Trudering ist im Mai kein Ort, sondern ein politischer Zustand bester Güte. Von hier kommen Sieger!“, erklärte Spaenle in Anspielung auf den Merkel-Besuch. Markus Blume blies ins gleich Horn: „Diese Traditionsveranstaltung ist eine der besten, die der Münchner Osten politisch zu bieten hat.“ 2017 sei ein Signal aus Trudering um die Welt gegangen, heuer finde man hier wieder Brauchtum und damit echte Lebensfreude. „In Bayern werden die Kreuze nicht ab- sondern aufgehängt!“, griff der Generalsekretär die von Söder angestoßene Kreuz-Diskussion auf. Nach der Bundestagswahl habe die CSU verstanden: „Wir denken an andere, haben geholfen. Jetzt ist es an der Zeit, wieder an die einheimische Bevölkerung zu denken! Wir in Bayern stehen für Heimat, wie kein anderes Land. In Bayern gehört unser Bekenntnis zum Kreuz dazu“, so Blume.

Ein leidenschaftliches Statement zu Bayern legte Markus Söder ab und sorgte mit seinem bekannt kabarettistischen Talent für viele Lacher. Zuerst einmal verteilte der Ministerpräsident aber reichlich Lob, wie die Vorredner es zuvor ebenso reichlich für Söder ausgeschüttelt hatten. Für Ludwig Spaenle, der trotz der „schweren Kabinettsentscheidung“ mit Leidenschaft für die CSU und Bayern eintrete, für Markus Blume mit seiner besonderen Eigenschaft: „Er kann mit Seehofer und mit mir. Er ist der Beste!“ Dann rügte er noch die „schlecht eingeschenkte“ Maß, die Truderings Oberbua Franz Risch ihm ans Rednerpult brachte und teilte Richtung SPD aus: „Einmal Zwerg, immer Zwerg, besonders in Bayern.“

Dessen Zahlen seien perfekt, Bayern extrem erfolgreich. Auch der EU gehe es gut, weil es Deutschland gut gehe – und Deutschland gehe es gut, weil es Bayern gut gehe. „Denn wir in Bayern schauen nicht nur auf Zahlen, sondern halten unser Land zusammen.“ Politik in Bayern sei für die Menschen da und heiße „Machen statt nur reden“. „Wir sind ein Familien- und Generationenland“, so Söder, dafür führe man Familien- und Pflegegeld ein.

Zu teuer, wie die Opposition kritisiere, sei das nicht. „Der Freistaat gibt mehr Geld pro Jahr für Asyl und Integration aus, als die Etats des Gesundheits-, Umwelt- und Wirtschaftsministeriums zusammen ausmachen. Das kann auf Dauer nicht so bleiben“, erklärte Söder und bekam großen Applaus. Natürlich war auch das Kreuz, das Söder in allen Amtsstuben aufhängen will, ein Thema. „In Kreuz und Christentum bündeln sich Akzeptanz, Respekt, Toleranz. Ich möchte, dass wir uns in Bayern zum Kreuz bekennen und es auf- und nicht abhängen!“ Mit einem brennenden Bekenntnis zum Freistaat endet der Ministerpräsident und erklärte: „Wir wollen nicht nur Filiale von Berlin sein, sondern eigenständig bleiben.“ Dann ehrte Söder die Original Truderinger Böllerschützen, den Truderinger Musikverein und den Truderinger Buam Festring mit einem Fahnenband. Die CSU München Ost überreichte ihm als Gastgeschenk ein Plakat frei nach AfD-Vorbild: „Strauß würde Söder wählen.“

Anders als noch vor einem Jahr hatte zuvor auch die SPD einen großen Abend während der Festwoche organisiert. Landtagsabgeordneter Markus Rinderspacher hatte Spitzenkandidatin Natascha Kohnen und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mitgebracht. Viel Applaus bekam auch Hermann Memmel zu seinem 79. Geburtstag. Überhaupt war es ein warmherziger Abend im Zeichen des sozialen Zusammenhalts. Bezirksrätin Hiltrud Broschei bekam für ihr langjähriges Engagement in der Kommunalpolitik die höchsten Auszeichnung der Bayern-SPD, die Helmut-Rothemund- Medaille.

Gabriele Mühlthaler

Kommentar

Die Welt ist kein Song Contest, und das ist nicht gut so

Einmal im Jahr, für ein paar Abendstunden, funktioniert Europa. Jeder darf ein belangloses Liedchen mitbringen, auch Peinliches wird beklatscht, alle feiern eine große Party und am Ende gibt es noch ein bisschen undurchschaubare twelve-points-Demokratie und Siegertränen. Warum funktioniert die Welt nicht wie der Eurovision Song Contest?

Statt im Parlament seine Ideen für ein neues Europa zu verschwenden (dafür gibt es höchstens den Karlspreis) gießt er das Ganze künftig in Liedform, zwängt sich in ein hautenges Stretchkostüm und stellt sich dem Publikum. Selbst die geteilte Entscheidung aus Jury und Volk käme modern-direktdemokratisch daher. Was wären das für Lieder, wenn Sahra Wagenknecht über das bedingungslose Grundeinkommen singt – oder Christian Lindner über die Digitalisierung.

In Bayern hat der Wahlkampf längst begonnen. Doch die CSU hat sich leider darauf festgelegt, ein ganz anderes Spiel zu spielen als der ESC es vorlebt. Angeführt von Markus Blume rufen die Christsozialen um Markus Söder den Wettbewerb aus, wer in den kommenden Monaten auf der Toilette den größten Haufen hinterlässt. Obwohl darin die AfD kaum zu schlagen ist.

Marco Heinrich

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