Von der großen Utopie zur möglichen Realität

Truderinger entwickelt Konzept für die Tribüne des alten Flughafens Riem

Peter Ruch vor der Mauer an der Tribüne des ehemaligen Flughafens Riem.
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Peter Ruch vor der Mauer an der Tribüne des ehemaligen Flughafens Riem.

Ein Hotel im Untergrund, mit Licht von oben. Das sieht das visionäre Konzept des Truderingers Peter Ruch für die Tribüne des ehemaligen Flughafens Riem vor. Ob die Vision je zur Realität wird, steht noch in den Sternen. Aber das Interesse der Politik ist da. Denn eines ist klar: Irgendetwas muss endlich mit der einsturzgefährdeten Tribüne passieren.

Trudering – Als der Truderinger Peter Ruch vor einigen Wochen einen Artikel im HALLO las, fühlte er sich sofort angesprochen. In diesem Artikel ging es um die Sanierung und Nutzung des Kopfbaus des ehemaligen Flughafens Riem. Im letzten Satz kam die etwa 530 meterlange Tribüne zur Sprache, die sich an den Kopfbau anschließt — und bisher noch ein ungelöstes Problem für Stadtverwaltung und Bezirks­ausschuss darstellt. „Dieser Satz war mein Stichwort“, sagt Ruch, der sich daraufhin in der Redaktion meldet. Er arbeitet bereits seit Sommer 2019 an einem Nutzungskonzept für die ehemalige Zuschauertribüne. Dieses ist, wie er selbst sagt, im Moment noch reine Utopie. Denn ausgerechnet ein Hotel soll dort entstehen. Im Untergrund.

Bei einem Spaziergang im Buga-Park ist Ruch vor einigen Jahren zum ersten Mal das Gelände rund um den Kopfbau und der Tribüne des ehemaligen Flughafens aufgefallen. „Gerade als alteingesessener Truderinger hat es mich sehr überrascht, dass ich diesen Ort vorher noch gar nicht auf dem Schirm hatte“, sagt er. In der Tat befindet sich das Gelände im Moment noch in einer Art Niemandsland. Auf weiter Flur nur freie Fläche, ein Bauzaun umschließt das Biotop, das mittlerweile auf den Stufen der Tribüne entstanden ist. Darunter befinden sich die alten Abfertigungshallen des ehemaligen Flughafens. Auf der anderen Seite geht es über weite Strecke an einer einsamen Mauer entlang, die durchaus historischen Charme haben kann, wenn die Fantasie dafür aufgebracht wird. Ruch möchte. Ihn interessiert dieser seltsame, verlassenen Ort, der seit Jahren vor sich hinrottet. Das Betreten der Stufen ist verboten, da sie mittlerweile einsturzgefährdet sind. Eine Sanierung ist aufwendig und vor allem sehr teuer. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und mittlerweile ist auch das Biotop schützenswert. Hier etwas Neues entstehen zu lassen, ist eine schwierige Aufgabe — und Ruch mag es schwierig. „Wenn es einfach wäre, dann würde mich das ja gar nicht interessieren“, sagt er und lacht.

Als erstes grünes BA-Mitglied war der ehemalige Berufsschullehrer bereits Ende der 80er Jahre ein umtriebiger Bürger, der sich für den Münchner Osten einsetzte. „Damals fühlte ich mich als einziger Grüner im BA noch ziemlich alleine auf weiter Flur“, erinnert er sich. Hauptsächlich war der BA geprägt von der CSU und ein paar wenigen SPDlern. „Daher war ich es gewohnt, mit einem eher konservativen Gegenüber zusammenzuarbeiten.“ Ruch sieht sich als jemand, der es schafft, viele Interessen zusammenzubringen. Das sehen nun auch seine Pläne für die Tribüne vor. 

„Wenn man dieses Denkmal erhalten will, kostet es Unsummen“, sagt Ruch. Also hat er überlegt, wie sich dieser Bau in Zukunft besonders gut selbst finanzieren könnte und kam auf die Idee mit dem Hotel. „Gerade mit der Nähe zur Messe, hätte man da auch schon genügend Abnehmer“, glaubt er. Bei einem Hotel im Untergrund kommen einem allerdings sofort zwei Dinge in die Gedanken: Licht und Luft. Wie sollen diese die dicken Mauern des denkmalgeschützten Gebäudes durchdringen?

Ruch redet mit Statikern, Architekten, setzt sich mit Denkmal- und Naturschützern auseinander. Das Konzept entwickelt sich immer mehr, bekommt Hand und Fuß. Ein Lüftungssystem sowie Glasfenster an der Decke könnten die Lösung sein. Das Hotel würde das Licht einfach von oben bekommen. „Außerdem ist das ganze Gebäude ein einziger, massiver Schallschutzwall“, sagt Ruch. Und so entsteht die Idee, zusätzlich zum Hotel auch ein Tanzlokal für vorwiegend älteres Klientel und ein Kino einzubauen. Hierbei denkt Ruch an ein kleines Programmkino, das auch alte Filme aus den 40ern oder 60ern zeigen könnte. In einer Art Zeitschiene könnte so jeder Raum sein eigenes Jahrzehnt bekommen. Außerdem könnten zusätzlich Räume für Vereine, Tanzschulen und den Schulcampus geschaffen werden, der gegenüber der Tribüne entsteht. Der Platz ist schließlich da und die Anwohner würden nicht gestört werden. Ist ja alles im schallgeschützten Untergrund.

Stellt sich nur die Frage, wie es nun von der Utopie zur Realisierung kommen soll? Ein weiteres Vorwärtskommen der Idee hängt Ruch zufolge davon ab, ob sich die Politik dafür interessiert und die Mittel für eine professionelle Prüfung des Konzepts bereitstellt. Sowohl dem Bezirksausschussmitglied Herbert Danner (Grüne) sowie dem Stadtrat Christian Smolka (Grüne) liegen die Pläne bereits vor. Auch der Vorsitzende des Bezirksausschusses Stefan Ziegler (CSU) zeigt sich auf HALLO-Anfrage interessiert. „Derzeit bin ich gerade am Suchen von Konzepten für die Tribüne und würde mir diese Pläne gerne näher ansehen“, so der Vorsitzende. 

Lydia Wünsch 

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