„Im Moment hat keiner den Nerv für Kunst“

Truderinger Autorin über die Sorgen von Freischaffenden

+
Karin Biela mit ihrem neusten Werk „Märchenland und Zauberwald“.

Gerade hat die Truderinger Autorin Karin Biela ihr neues Buch „Märchenland und Zauberwald“ herausgebracht. Aber so richtig freuen kann sie sich darüber nicht. „Momentan hat keiner den Nerv für Kunst“, sagt sie. Wie Kulturschaffende und Freiberufler mit der Situation ringen, erzählt sie in HALLO.

Truderinge – Sämtliche Buch-Messen und Lesungen sind abgesagt worden, Buchläden wurden geschlossen. Das trifft Kulturschaffende gerade hart. Die Truderinger Autorin und Verlegerin, Karin Biela, kann ein Lied davon singen. Ihre aktuelle Anthologie „Märchenland und Zauberwald“ hat sie gerade in ihrem eigenen „Apollon Tempel Verlag“ herausgebracht. Ein Märchenbuch für Jung und Alt, geschrieben von 20 Autor*innen, mit Illustrationen von Andrea Jansen. Nun würde sie es gerne bewerben, doch von einem Tag auf den anderen ist ihr berufliches Leben komplett eingebrochen. „Eigentlich wollte ich mein neues Märchenbuch auf der Leipziger Buchmesse, auf der Leif Messe sowie auf einigen Lesungen vorstellen, aber es ist alles abgesagt worden“, sagt sie.–

Das ist aber nicht das einzige Problem, das Biela derzeit hat. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und Verlegerin ist sie freiberufliche Dozentin für Betreuungsassistenz sowie Seniorenbetreuerin. Auch diese Aufträge fallen aber derzeit alle komplett weg. Es gibt also im Moment keinerlei Einnahmequellen mehr für Biela. „Das ist wirklich bitter“, sagt die 60-Jährige. „Ich verdiene im Moment kein Geld, weil ich von einem auf den anderen Tag nirgends mehr hin kann.“

Ihre Anfrage für die Soforthilfe, die im Freistaat Bayern auch für Kleingewerbe und Freiberufler gezahlt werden soll, läuft derzeit noch. Bis dahin heißt es abwarten, wie es nun weiter geht.

Trotzdem will Biela nicht im Selbstmitleid baden. Sie macht weiter Werbung auf Facebook und hofft, dass die Menschen wenigstens online fleißig Bücher bestellen — und so auch ihre lokalen Buchhändler unterstützen. Lesen ist ja ohnehin eine der wenigen Tätigkeiten, die man derzeit noch straffrei ausüben kann. „Allerdings muss man auch beachten, dass die Menschen gerade ganz andere Sorgen haben“, gibt sie zu bedenken. Da falle es schwer, sich der Poesie hinzugeben. „Das geht mir selbst ja gar nicht anders“, gibt sie zu.

Dennoch hofft Biela, dass sich die Gemüter mit der Zeit beruhigen und die Menschen in ein paar Wochen wieder eine Art Normalität leben können, die es ihnen ermöglicht, auch mal an etwas anderes als das Corona-Virus zu denken. Dann finden einige es vielleicht sogar schön, sich wieder in Märchenwälder entführen zu lassen und so den Kopf frei zu bekommen. „Gerade mein Buch ist ja aus meiner Tätigkeit als Seniorenbetreuerin entstanden“, erklärt sie. Es ist also perfekt geeignet, um es alten Menschen, etwa in Seniorenheimen, vorzulesen. Sobald diese wieder für Besuch geöffnet sind natürlich. Aber auch für Kinder ist das liebevoll gestaltete Buch passend — übrigens gehen 1,50 Euro pro verkauftem Buch als Spende an ein soziales Senioren-Projekt.

Lydia Wünsch

Online auf www.apollontempelverlag.com können die Bücher von Karin Biela bestellt werden.

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook. 

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mutter und Tochter Pouvreau im Bezirksausschuss Trudering-Riem
Mutter und Tochter Pouvreau im Bezirksausschuss Trudering-Riem
Haar: Erste reguläre Gemeinderatssitzung verlief harmonisch
Haar: Erste reguläre Gemeinderatssitzung verlief harmonisch

Kommentare