Fliegt die Landshut wieder nach Hause?

BA Trudering will Entführungsflugzeug "Landshut" in die Messestadt holen

Die am 13. Oktober 1977 entführte „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine wollten palästinensische Terroristen ihre deutschen Gesinnungsgenossen unterstützen, die zuvor Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer entführten. Eine Gruppe der GSG 9, Antiterroreinheit des Bundesgrenzschutzes, stürmte später das Flugzeug auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt und befreite die Insassen.
+
Die am 13. Oktober 1977 entführte „Landshut“ nach der Landung in Mogadischu (Somalia). Mit der Entführung der Lufthansa-Maschine wollten palästinensische Terroristen ihre deutschen Gesinnungsgenossen unterstützen, die zuvor Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer entführten.

Das alte Lufthansa-Flugzeug „Landshut“ soll wieder nach Hause, in den alten Flughafen Riem und die heutige Messestadt geholt werden. Das sieht ein Antrag der Truderinger CSU vor, der im Bezirksausschuss eine breite Mehrheit fand. Denn die Landshut ist nicht nur ein äußerst geschichtsträchtiges Flugzeug, einst wurde sie am Flughafen Riem aus der Taufe gehoben.

Messestadt – In Bezirksausschüssen (BA) gibt es oft Streitthemen zwischen den einzelnen Parteien. Doch mache Anträge finden alle einfach nur charmant. So auch der Antrag der CSU in der jüngsten Sitzung des BA Truderings, das alte Lufthansa-Flugzeug, die „Landshut“, wieder zurück an ihren „Geburtsort“ zu holen. Denn das Flugzeug wurde am 7. August 1970 am Flughafen Riem feierlich aus der Taufe gehoben. Mit der Ausstellung des alten Flugzeuges in der Messestadt würde sich nicht nur ein Kreis schließen, man könnte auch die Geschichte des Ortes und des Flugzeugs wieder stärker beleuchten. Und die hat es wirklich in sich.

Die Landshut erlangte vor allem große Bekanntheit, als sie im sogenannten „Deutschen Herbst“ am 13. Oktober 1977 von vier palästinensischen Terroristen entführt wurde. Die Entführung stand damals in engem Zusammenhang mit den Aktivitäten der Roten Armee Fraktion (RAF) und der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten, Hanns Martin Schleyer. So sollte mit der Flugzeugentführung der Druck der RAF noch weiter erhöht werden, die damit die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus deutschen Gefängnissen forderte. Nach der Ermordung des Flugkapitäns landete die Maschine in Mogadischu in Somalia, wo sie am 18. Oktober 1977 von der GSG 9, einer Spezialeinheit des deutschen Bundesgrenzschutzes, erstürmt und die Geiseln befreit wurden. Zuletzt flog die Landshut für eine brasilianische Airline und wurde schließlich an einem Flughafen in Fortaleza (Brasilien) auf einem Flugfriedhof gelagert. Dort lag sie bis vor einigen Jahren weitgehend unbemerkt.

Anfang August diesen Jahres wurde BA-Mitglied Michael Weinzierl durch die Presse wieder auf die Landshut aufmerksam. Zum 50. Jubiläum der Taufe in Riem rekapitulierten verschiedene Zeitungen den spektakulären Werdegang des Flugzeuges. Weinzierl erfuhr, dass sich die Landshut mittlerweile wieder in Deutschland befindet. Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel holte sie 2017 auf eigene Faust und gegen den Rat von Experten an einem Stück zurück. Ursprünglich plante die Bundesregierung, nur einzelne Teile der Landshut, wie etwa eine Tür und eines der Leitwerke zu holen. Diese sollten an verschiedenen Ausstellungsorten in Deutschland verteilt werden. Als Grund dafür wurde die ungeklärte Finanzierung des kompletten Flugzeugwracks angegeben. Doch Ex-Außenminister Gabriel gefiel die Vorstellung einer zerstückelten Landshut ganz und gar nicht. Dem Spiegel soll Gabriel damals mitgeteilt haben: „Weil ich fand (und finde), dass die ‚Landshut‘ für einen dramatischen und einschneidenden Teil der bundesrepublikanischen Geschichte steht.“ Die Landshut kam also zurück nach Deutschland und befindet sich derzeit im Dornier-Museum in Friedrichshafen. Dort soll sie aber nicht bleiben. Auf der Website der Dornier-Stiftung heißt es, die Bundesregierung sucht derzeit neue Standorte für das Flugzeug — und damit kommt München ins Spiel.

Einstimmig sprach sich der BA Trudering-Riem dafür aus, dass die Stadt München sich bei der Bundesregierung als Standort für die Landshut bewerben soll. „Dem Gedenken an die Geschichte des Riemer Flughafens wird aktuell zu wenig Platz eingeräumt“, heißt es im Antrag der CSU. Auch über mögliche Standorte hat sich der BA schon Gedanken gemacht. Die CSU könnte sich einen Standort in der Nähe des Kopfbaus vorstellen. Die Grünen brachten den Platz vor der Wappenhalle ins Gespräch.

Aber zunächst muss der BA auf eine Antwort von der Stadtverwaltung warten. Diese prüft den Antrag derzeit. „Jetzt heißt es hoffen, dass es unter den Entscheidungsträgern den ein oder anderen gibt, der sich ebenso für das Thema begeistern kann“, sagt Weinzierl: „Dann kann das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes Flügel bekommen.“

Lydia Wünsch

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Per Atemtechnik in die Seele und in ein früheres Leben – ein Selbstversuch von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich
Per Atemtechnik in die Seele und in ein früheres Leben – ein Selbstversuch von HALLO-Chefredakteur Marco Heinrich

Kommentare