Truderinger Gebrauchtwagenhandel erfährt im Streit mit der Stadt Welle der Unterstützung

„Der kleine Irrsinn des Alltags“

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Autoverkäufer Taner Demiroglu erzählt einem Fernsehteam aus Norddeutschland, dass er seinen Gebrauchtwagenhandel in Trudering wohl bald schließen muss. Für viele ist die Entscheidung der Stadt schlicht „absurd“.

Noch immer kämpfen der Truderinger Henning Rehmer und seine vier Mitarbeiter unermüdlich um ihren Gebrauchtwagenhandel „Autoland-Kurt“ an der Heinrich-Wieland-Straße. Nun bekommen sie prominente Unterstützung – aus ganz Deutschland.

Seit mehr als 40 Jahren schon befindet sich auf dem Grundstück an der Heinrich-Wieland-Straße 101 ein Gebrauchtwagenhandel. Nie gab es ein Problem – bis jetzt. Wie HALLO berichtete, hatte die Stadt München die Existenz der Firma in den vergangenen Jahren nach eigener Aussage schlicht übersehen; nun möchte sie den Gebrauchtwagenhandel schließen. Der Grund: Im Bebauungsplan gelte das Gebiet als reines Wohngebiet, nur nicht-störendes Gewerbe könne in Ausnahmefällen zugelassen werden, so Thorsten Vogel vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Da zähle ein Gebrauchtwagenhandel aufgrund des für einen Kfz-Betrieb typischen Lärms nicht dazu.

„Die Stadt sagt, das ständige Zuschlagen der Türen, die quietschenden Reifen, das Aufheulen der Motoren – all diese Geräusche seien für ein Wohngebiet nicht tragbar“, berichtet Taner Demiroglu, der das Grundstück von Henning Rehmer gepachtet hat und darauf nun seine Autos verkauft. Dabei würden Autotüren stets normal geöffnet und wieder geschlossen, und dies auch nur, wenn Kunden das Auto von Innen sehen möchten. Dies komme vielleicht zwei bis drei Mal täglich vor. „Und Reifen quietschen und Motoren aufheulen lassen, gibt es bei uns sowieso nicht“, empört sich Demiroglu.

Wenig Verständnis für das Handeln der Stadt zeigt auch der Landtagsabgeordnete Peter Paul Gantzer (SPD). „Wie kann man denn 40 Jahre einen Gebrauchtwagenhandel übersehen“, schreibt er in seinem Brief an den Oberbürgermeister Dieter Reiter und fragt, ob es – in Anbetracht dessen, dass es vorher keinerlei Beschwerden wegen Lärms oder Ähnlichem gab – nicht „vernünftiger wäre, von einer Schließung des Gebrauchtwagenshandels abzusehen“. Auch der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Otto Steinberger, stattete dem Autohandel einen Besuch ab, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. „Auch er sagte, dass er keinen Grund sieht, unseren Laden dicht zu machen“, berichtet Demiroglu. Die Welle der Solidarität für Rehmer und seine Mitarbeiter schwappte sogar bis nach Hamburg über. Daniel Sprenger und sein Fernsehteam vom NDR machten sich in der vergangenen Woche extra aus Hamburg auf den Weg nach Trudering, um über das Schicksal der Autohändler zu berichten. „Wir behandeln absurde, reale Themen; den kleinen Irrsinn im Alltag sozusagen“, sagt Reporter Sprenger. Auf den Fall „Auto-Kurt“ seien sie aufmerksam geworden, nachdem sich ein Truderinger mit dem HALLO-Artikel an den Sender gewandt und damit von Rehmers Streit mit der Stadt berichtet hatte.

Die jedoch bleibt hart: „Wir haben alles noch einmal geprüft, aber eine Genehmigung im Nachhinein ist leider nicht möglich“, betont Sprecher Vogel. Derzeit verhandeln beide Parteien über eine sogenannte Auslauffrist. Heißt: Der Autohandel darf noch zwei Jahre bleiben, dafür zieht Rehmer seine Klage gegen die Stadt zurück. Ob sie sich einig werden, bleibt abzuwarten. „Wir hoffen jedenfalls immer noch auf das Beste“, sagt Autoverkäufer Demiroglu.

Tanja Buchka

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