Casting-Direktor will in der Politik selbst größere Rollen spielen

Stephen Sikder vom Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem zwischen Kommunalpolitik und der großen Filmwelt

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Stephen Sikder in seiner ganz privaten Hauptrolle an der Seite von Ehefrau Kerstin.

Stephen Sikder vom BA Trudering ist es gewohnt, gleichzeitig in verschiedenen Welten zu leben. Irgendwo zwischen Indien und Deutschland, zwischen Kommunal- und Kulturpolitik, zwischen Öffentlichkeit und Privatem.

Trudering – Schon seit fast 30 Jahren nutzt Stephen Sikder als Casting-Direktor seinen geschulten Blick, um für Film, Fernsehen und Werbung die richtigen Menschen für die entsprechenden Rollen zu finden. Manchmal wird eine große Karriere daraus – wie bei Hannah Herzsprung, die er in jungen Jahren entdeckte. Manchmal muss er auch mit einem von ihm ausgesuchten Cast durch schwere Zeiten gehen – wie gerade mit den Rosenheim Cops nach dem Tod von Schauspieler Joseph Hannesschläger. Und manchmal gibt es auch im ganz realen Leben Rollen, für die er einfach keinen Besseren findet als sich selbst.

Der 53-Jährige meistert viele Aufgaben. Als Inhaber der Castingagentur DreamTeam Munich. Als Schauspieler und Moderator. Als Ehemann und Vater eines zehnjährigen Sohnes. Und seit sieben Jahren auch als Kommunal- und Kulturpolitiker. Im Bezirksausschuss Trudering-Riem sammelte er als Mitglied der CSU erste politische Erfahrungen, jetzt bewirbt er sich zusätzlich um einen Sitz im Münchner Stadtrat. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich mich wirklich politisch engagieren will. Letztendlich war mein Sohn ein großer Teil der Antriebsfeder. Ich wollte nicht nur als Vater helfen, seine Zukunft zu gestalten“, erzählt Sikder. Keine leeren Worthülsen. Der Deutsch-Inder hat längst bewiesen, dass er auch für scheinbar kleine politische Fragen Zeit und Energie investiert.

Als BA-Mitglied war er Pate zweier Schülerprojekte von Klassen der Turnerschule im Rahmen des Projekts „Stadtteilkoffer“. Kinder formulieren dabei eigene Wünsche zur Verbesserung und Verschönerung ihres Stadtteils. Konkret wurde auf Initiative der Schüler beschlossen, auf dem Graf-Spee-Spielplatz eine Seilbahn zu errichten. Mit einem anderen Projekt scheiterte Sikder. Der AWM gab den Spielverderber für ein Projekt der Schüler, die schönere und bessere Mülleimer für München designt hatten. Nicht das einzige Frusterlebnis, das Sikder in seiner politischen Laufbahn sammelte.

„Frust gibt es nicht im BA oder im Dialog mit den Bürgern, sondern eher wegen Antworten aus der Stadtverwaltung, die manchmal einfach falsch sind. Und dann dauert es ewig, bis sich die politischen Institutionen gegenseitig Briefe schreiben“, erzählt er. „Meinen Optimismus habe ich aber immer noch“, fügt Sikder nach einer kurzen Pause lachend hinzu. Auch deshalb hat er noch viel vor. Für den nächsten Bezirksausschuss kandidiert der Ortsvorsitzende der CSU Waldtrudering erneut, außerdem steht er auf der Liste der CSU für die Stadtratswahl. Der Casting-Direktor will sozusagen künftig selbst eine größere Rolle spielen.

Mit großen Themen und Summen hat Sikder schon jetzt als stellvertretender Vorsitzender der CSU-Filmkommission Erfahrung. Aufgrund ihrer Expertise werden jährlich Millionen an Fördermitteln für Filme am Standort Bayern bewegt. Womit die Frage nahe liegt, ob Sikder nicht Bauchschmerzen dabei hat, wenn zum Beispiel Filme von Til Schweiger gefördert werden. „Für mich ist das ein unglaublich engagierter und kreativer Mann. Viele seiner Filme behandeln das Thema, wie wir Menschen miteinander umgehen. Ohne moralischen Zeigefinger, sondern durch wunderbare Geschichten. Und er kriegt die Leute ins Kino“, sagt Sikder. Genau das gelingt leider nicht allen Filmemachern. Seiner Meinung nach muss der Filme anderthalb Mal so viele Zuschauer ins Kino locken wie momentan, um dauerhaft bestehen zu können: „Es ist eine stürmische Zeit für den bayerischen Film!“

Doch die nächste große Entscheidung fällt nicht an der Kinokasse, sondern im Wahllokal. Wen der CSU-Politiker gerne als nächste Oberbürgermeisterin sehen würde, erklärt sich von selbst. Aber wie sieht Sikder das Rennen als Casting-Direktor? Eine Frage, die er diplomatisch beantwortet: „Jeder Kandidat hat seine Qualitäten. Ich würde sie gerne einmal zu dritt auf einer Bühne sehen. Beide Damen sind kompetent, charmant und besitzen eine Strahlkraft, die Dieter Reiter vielleicht ein wenig abgeht. Dass ich persönlich Kristina Frank vor Katrin Habenschaden sehe, überrascht aber sicher niemanden“.

Marco Heinrich

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