Standort am Truderinger Bahnhof: Stadtrat entscheidet endlich gemäß der eigenen Zusage

Neues Sozialbürgerhaus wird nun doch gebaut

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Endlich ist klar: Das Sozialbürgerhaus Berg am Laim/Trudering wird am Bahnhof Trudering gebaut. Dies hat der Stadtrat jetzt beschlossen. Schnell dürfte die Einrichtung, die seit 2005 in der Warteschleife hängt und kurz vor dem Aus stand, dennoch nicht fertig werden. Jetzt soll nämlich auf Antrag von CSU und SPD erst mal geprüft werden, ob auch die Freiwillige Feuerwehr auf dem Gelände untergebracht werden kann.

Noch im Oktober sah es so aus, als könnte der Stadtrat sein Votum von 2005 kippen, das Sozialbürgerhaus von den angemieteten Räumen an der Berg am Laimer Streitfeldstraße nach Trudering zu verlegen. Dort sollen auch Zweigstellen von Volkshochschule und Stadtbibliothek einziehen. Eigentlich sollte das Haus im vergangenen Jahr fertig werden, doch 2015 kam die damalige Sozialreferentin Brigitte Meier zum Schluss, dass mieten wirtschaftlicher sei als selbst zu bauen. Das Projekt stand auf der Kippe. Die Truderinger Stadtteilpolitiker liefen Sturm und forderten vehement, an den ursprünglichen Plänen festzuhalten. Der Truderinger Standort liege zentral in der Mitte der Sozialregion, sei mit S- und U-Bahn sowie mehreren Buslinien bestens erreichbar und barrierefrei, waren die wichtigsten Argumente. Eine Wirtschaftlichkeits-Rechnung des Kommunalreferats allerdings zeigte, dass der Verbleib in der Streitfeldstraße kostengünstiger wäre. Der Kommunalausschuss verwies die endgültige Entscheidung über den künftigen Bürgerhaus-Standort Ende 2017 in die Stadtrats-Vollversammlung. Die tagte vergangene Woche und hatte die Angelegenheit auf der öffentlichen und nichtöffentlichen Tagesordnung. Den Antrag der Grünen-Fraktion, das Projekt so schnell wie möglich zu realisieren, lehnten SPD und CSU jedoch ab und nahmen nur die Wirtschaftlichkeits-Rechnung zur Kenntnis. In der nichtöffentlichen Sitzung stimmten die beiden Fraktionen dem Standort Trudering jedoch zu mit der Ergänzung, in einer Machbarkeitsstudie zu prüfen, ob auch die Freiwillige Feuerwehr auf dem Areal unterkommen könne. Das wiederum lehnten die Grünen ab. „Kindergarten!“, schimpfte der Grünen-Stadtrat Herbert Danner im HALLO-Gespräch und erklärte, die Feuerwehr sei nicht auf den zentralen Standort am ÖPNV-Knotenpunkt Bahnhof angewiesen.

Bisher ist nicht klar, ob die Feuerwehr überhaupt aus ihrer Wache an der Truderinger Straße 290 ausziehen muss, denn die Verhandlungen der Stadt über einen Grundstückstausch mit einem Areal am Rappenweg ziehen sich seit Jahren hin. Dennoch hatte das Kommunalreferat nach Ersatzflächen für die Floriansjünger Ausschau gehalten und war an der Bajuwarenstraße 138/139 fündig geworden. Doch die acht Mietparteien der beiden städtischen Häuser neben der ehemaligen Polizeiwachstation liefen Sturm gegen diese Pläne und der Bezirksausschuss (BA) reagierte. Auf Antrag von CSU und SPD beantragte der BA im Sommer, das künftige Sozialbürgerhaus-Grundstück als Interimslösung für die Feuerwehr zu prüfen. Herbert Danner warnte damals: „Wir blockieren uns selbst, wenn es mit dem Sozialbürgerhaus endlich vorangeht!“ Nun ist es so weit.

Gabriele Mühlthaler

Kommentar

Ein faules Ei im Nest des Bezirksausschusses. Eine richtige Entscheidung bedeutet noch keine schnelle Umsetzung – auch Anwohner tragen Schuld

Fatal, dass der Truderinger Bezirksausschuss, der vehement und erfolgreich fürs Sozialbürgerhaus am Truderinger Bahnhof gekämpft hat, sich nun die Verzögerung der Realisierung auf die Fahnen schreiben muss. Denn mit dem Antrag, den Standort am Truderinger Bahnhof auf seine Tauglichkeit als „Interimslösung“ für die Wache der Freiwilligen Feuerwehr zu prüfen, hat sich das Gremium ein faules Ei ins Nest gelegt. Zwar hat der Stadtrat endlich grünes Licht fürs Sozialbürgerhaus gegeben, doch erstmal liegen die Planungen auf Eis. Denn auch den Antrag des BA für die Feuerwache hat der Stadtrat aufgegriffen und jetzt steht erst mal die Machbarkeitsstudie auf dem Programm. Das dauert. Und Herbert Danners Prophezeiung ist eingetroffen, man werde sich mit der Feuerwachen-Idee selbst blockieren. Und weshalb das alles? Nur wegen acht Mietparteien in zwei städtischen Häusern auf dem großen Grundstück an der Bajuwarenstraße 138, von denen einige umziehen müssten, würde die Feuerwache gebaut. Verständlich, dass die Bewohner sich wünschen, es möge alles beim alten bleiben, auch wenn die Stadt ihnen möglicherweise modernere Ersatzwohnungen angeboten hätte. Doch wird alles so bleiben wie es ist? Damit kann kaum gerechnet werden, denn eigene Flächen, auf denen dringend benötigte Wohnungen entstehen könnten, wird die Stadt nicht ewig brach liegen lassen. So ist es sicher nur eine Frage der Zeit, wann auf dem Areal an der Bajuwarenstraße gebaut wird. Dann werden es Mehrfamilienhäuser statt der Feuerwache sein. Vielleicht kommen die Bewohner zu spät zur Einsicht, dass sie sich mit ihrem Protest einen Bärendienst erwiesen haben.

Gabriele Mühlthaler

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