Antrag im Gemeinderat Haar: Ein Spiegel, der das Sichtfeld von Lkw-Fahrer erweitert

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Truderings Mitte rund um die Eisinsel

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Zu viel Ordnung, zu wenig Leben 

Stadtspaziergang zeigt Hotspots und tote Räume der Messestadt Riem 

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Ein paar bunte Liegen sorgen seit Kurzem dafür, dass der Willy-Brandt-Platz vor den Riem Arcaden zum Verweilen einlädt.

Bei der Planung der Messestadt Riem vor fast 30 Jahren gab es viele gute Ansätze für ein innovatives und urbanes Stadtviertel. Aber nicht alles ist gelungen. Ein Stadteilspaziergang mit Herbert Gerhard Schön vom Münchner Forum gibt Einblicke in Hotspots, aber zeigt auch tote Räume des Viertels.

Das Leben in der Messestadt konzentriert sich auf die Riem Arcaden und den See. In die Wohnviertel hingegen traut es sich noch nicht so richtig. Dort gleicht das Viertel immer noch der Geisterstadt, die Mitte der 90er-Jahre aus dem Boden gestampft wurde. Aber warum? Ein Stadtteilspaziergang mit Herbert Gerhard Schön vom Verein Münchner Forum zeigt: Die Messestadt hat viel Potential. Nur muss das auch genutzt werden.

Herbert Gerhard Schön vor der sogenannten "Kartoffelreibe" am Treppenaufgang zu den Riem Arcaden. 

Damals sollte zunächst nichts mehr an den alten Flughafen erinnern, der 1939 unter der Herrschaft des Nationalsozialismus erbaut und 1992 stillgelegt wurde. „Alle Erinnerungsrelikte der Nazis sollten dem Erdboden gleichgemacht werden und die Messestadt unbelastet in ihre Zukunft gehen. Das war das Anliegen der damaligen Stadtbaurätin Christiane Thalgott“, erzählt Messestadtexperte Herbert Gerhard Schön. Und doch gleicht die Planstadt heute mit ihren geraden Straßen und konformen Häuserzeilen der Gleichförmigkeit des dritten Reichs. Übrig blieben letztlich die Landebahn, die die heutige Promenade des Landschaftsparks entlang der Stadtgrenze darstellt. An dessen Ende befindet sich noch der Kopfbau und die Abfertigungshalle samt Zuschauertribüne des alten Flughafens. Was damit passieren soll, ist unklar. Seit Jahren verwittert das Gebäude. Teuer sanieren oder abreißen? Das ist die Frage, die im Bezirks- ausschuss lange diskutiert wurde. „Eigentlich wäre der Kopfbau gut geeignet für ein Restaurant mit einem großen Außenbereich“, sagt Schön. Mit seiner Lage zwischen dem Riemer Park und dem Beginn der Wohnzeilen wäre das ein schöner Ort der Begegnung außerhalb der bisherigen Hotspots. Denn genau das fehlt der Reißbrettstadt bislang noch: Restaurants, Bars, Cafés, vielleicht ein Kino? Auf jeden Fall Orte, die zum Verweilen einladen und nicht um 20 Uhr mit den Geschäften der Riem Arcaden schließen. Die ursprüngliche Planung der Messestadt hat die Bereiche Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Leben nebeneinander vorgesehen, statt alles ineinander zu verzahnen. So gibt es keine Ladenzeilen in den Erdgeschossen, wie man das etwa vom Münchner Stadtteil Schwabing kennt. Und für die er so beliebt ist. Abends noch Schaufenster anschauen, wenn man auf dem Weg zur Eisdiele ist? Fehlanzeige in der Messestadt.

Dabei gab es bei der Stadtviertelplanung gute Ideen. So gelangt man durch den viereckigen Bau der Stadt von jeder Straße aus zum Riemer Park. Grüne Finger nennen sich die Straßen. Selbst die Menschen, die an der hintersten Stelle der Willy-Brandt-Allee wohnen, können durch diese innerhalb kurzer Zeit zum Park gelangen. Dieser erscheint für heutige Verhältnisse überdimensional groß. „Die Weite des Riemer Parks ist ein Luxus, den man sich heute angesichts der starken Wohnungsknappheit nicht mehr leisten würde“, sagt Schön.

Auf 560 Hektar hat man in der Messestadt Riem ein Viertel für ursprünglich 12.000 bis 14.000 Menschen geplant. Später wurden daraus 18.000. Würde man das Viertel heute planen, wäre das für nicht weniger als 40.000 bis 60.000 Menschen. Aber wird der viele Platz richtig genutzt? Die Bäume im 200 Hektar großen Landschaftspark spenden wenig Schatten, der Spaziergänger wandelt in der prallen Sonne. Kulturelle Veranstaltungen und Festivals mit Musik finden dort auch nicht statt. Viel Raum und wenig Leben. Das zeigt sich auch am Willy-Brandt-Platz vor den Riem Arcaden, der Schön zufolge sogar größer als der Marienplatz ist. Nur ist er lange nicht so belebt. Immerhin zieren seit einiger Zeit ein paar bunte Plastikliegen den Platz und werden dankbar von den Besuchern angenommen. Ein Quellstein, aus dem Wasser sprudelt, sorgt für Erfrischung. Auch wenn der sogenannte Überlaufbrunnen, der einen Großteil des Platzes mit Wasser bedeckt, ein wenig so aussieht, als wäre irgendwo eine Leitung kaputt gegangen. Immerhin: Der Wille ist da.

Der Platz der Menschenrechte zwischen Riem Arcaden und Landschaftspark ist ein beliebter Ort zum Entspannen für die Messestädter

Auch an Kunst hat man bei der Planung der Messestadt gedacht. Im Rahmen der Kunst-am-Bau-Projekte der Stadt München wurden Kunstwerke für Riem geplant. So entstand am Platz der Menschenrechte ein experimenteller grüner Tisch, auf dessen miteinander vernetzten Ringen alle 30 Menschenrechte geschrieben stehen. Leider haben die Bürger diesen Tisch anfangs als Fahrradgestell gesehen, und so trägt das Kunstwerk ein paar Schram- men mit sich. Auch die sogenannte Kartoffelreibe am Treppenaufgang von der U-Bahn zu den Riem Arcaden ist aus diesem Projekt entstanden. Sie soll an den bekannten Satz „Nicht mit uns“ von Altbundeskanzler Willy Brandt erinnern. Die Frage ist nur: Was machen Menschen mit toten Kunstwerken, wenn sie doch einfach nur eine Café bräuchten? Haben die Planer sich im wahrsten Sinne des Wortes verkünstelt? An Motivation für ein schönes Stadtviertel hat es offensichtlich nicht gemangelt. Das zeigt auch der See am Messegelände. Mit seinen hohen Springbrunnen ist er architektonisch durchaus gelungen. Nur fehlt auch am Messe-See das Leben. Ein Café direkt am U-Bahnhof Messestadt West steht schon lange leer. Dabei ist der Bau innovativ. Zur einen Seite ragt er in den U-Bahnhof hinein und gibt den Blick auf die ein- und ausfahrenden U-Bahnen frei, zur anderen Seite hätte der Besucher den Blick auf den See. „Im Sommer könnte man dort wunderbar einen Biergarten einrichten“, sagt Schön. „Das ist auch der ideale Ort für junge Leute. Hier würden sie niemanden stören.“

Im Moment sitzen die Jugendlichen mangels Alternativen abends am Platz der Menschenrechte. Dies stört wiederum die Anwohner, die auch schon mal die Polizei rufen. Freilich ist da ja auch noch der Wunsch nach Ruhe in den Wohngebieten. Aber so ein paar lebendige Stellen mehr wären dennoch schön. Aber vielleicht braucht das Leben auch einfach mehr als 25 Jahre — bis es sich traut, in ein neues Viertel einzuziehen.

Lydia Wünsch

Stadtteil- Führungen

Das Münchner Forum ist ein bürgerschaftlicher Verein, der sich mit Fragen der Münchner Stadtentwicklung beschäftigt und Bürgern eine Diskussionsplattform bietet. Regelmäßig bietet das Münchner Forum auch Stadtspaziergänge an. Dabei haben Interessierte die Möglichkeit, hinter die Kulissen städtebaulicher Planungen zu blicken sowie Hintergründe und Entscheidungen der Münchner Stadtentwicklung nachzuvollziehen. Alle Infos findet man unter muenchner-forum.de/tag/stadtspaziergang.

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