Geht es bald hoch hinaus in der Messestadt?

Stadtbaurätin Elisabeth Merk möchte eine Machbarkeitsstudie für elf Holz-Hochhäuser in Auftrag geben

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Entlang der Willy-Brandt-Allee in der Messestadt soll ein Hochhaus-Boulevard mit elf Häusern in Holzbauweise entstehen. Das ist die Vision von Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Landschaftsarchitektin Andreas Gebhard. Der Boulevard soll zwischen den Ausstellungshallen der Messe und dem Wohngebiet entstehen.

Elf Hochhäuser sollen in der Messestadt entstehen. Die Süddeutsche Zeitung hatte darüber berichtet. Demnach sollen sich die Hochhäuser in Holzbauweise entlang der Willy-Brandt-Allee erstrecken. Durch Cafés und Gemeinschaftsräume in den Erdgeschossen soll die Straße einen Boulevardcharakter erhalten. So die Vision.

Das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton hat bereits ein Konzept für die Hochhaus-Allee entwickelt. Die Höhe der Gebäude sollen zwischen 45 und 60 Meter liegen. Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der anderen Häuser in der Messestadt. So will man unter anderem der wachsenden Wohnungsnot in München begegnen. Die Mietpreise sollen entsprechend erschwinglich sein.

Das Konzept stammt von der Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin Andrea Gebhard. Diese hat zum Beispiel auch das Neubauviertel Baumkirchen Mitte in Berg am Laim realisiert. Auch die Entwicklung der Messestadt begleitet sie schon lange. Gerade hat das junge Stadtviertel sein zwanzigjähriges Bestehen gefeiert, der fünfte und letzte Bauabschnitt ist derzeit in Planung. Und schon wird nachverdichtet, denn „so großzügig, wie die Messestadt vor fast 30 Jahren geplant wurde, würde sie heute nicht mehr gedacht werden“, weiß Herbert Gerhard Schön vom Münchner Forum (HALLO berichtete). Die breite Willy-Brand-Allee bietet dafür den Platz. Sie erstreckt sich südlich des Messegeländes zwischen den U-Bahnhöfen Messestadt West und Messestadt Ost. Auf diesem Areal könnten laut der SZ bis zu 800 Mietwohnungen in Verbindung mit sozialen Einrichtungen und Kindertagesstätten im Erdgeschoss gebaut werden. Auch Verwaltungs- und Büroräume sowie Cafés seien denkbar. „Das Riemer Rückgrat ist ein Experiment im Hinblick auf die essentiellen Fragen des Städtebaus nach Lösungen zu neuen Wohnformen und als Beitrag zum Mietwohnungsbau“, heißt es dazu auf der Webseite von Andrea Gebhard. „Die Willy-Brandt-Allee sei eine ausgesprochen breite Verkehrsachse, die keinerlei Aufenthaltsqualität biete. Ein Hochhaus-Boulevard könne einen attraktiven städtebaulichen Akzent setzten.

Voraussetzung für dieses innovative Bauprojekt ist allerdings zunächst eine Machbarkeitsstudie. Diese will Stadtbaurätin Elisabeth Merk im Herbst in Auftrag geben. Bei der Beurteilung wird voraussichtlich auch der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem hinzugezogen werden. Georg Kronawitter, der für die CSU im BA ist, steht dem Projekt offen gegenüber, auch wenn er infrage stellt, ob sich der gewünschte Boulevardcharakter mittels Kindertagesstätten in den Erdgeschossen umsetzten lassen wird. „Und dass sich der Restaurantbetrieb in der Messestadt abseits des Willy-Brandt-Platzes nur schwer halten kann, haben wir ja schon erlebt“, gibt er zu bedenken. Spannende Fragen würden dann auch sein, wie es um die Stellplätze für Autos bestellt sein wird. Schließlich werden die Häuser auf dem U-Bahn-Deckel entstehen, sodass keine Tiefgaragen gebaut werden könnten. Was die Höhen der geplanten Häuser angeht, zitiert Georg Kronawitter einen Satz der ehemaligen Stadtbaurätin Christiane Thalgott, die für die Realisierung der Messestadt verantwortlich ist. Sie habe nach dem Grundsatz geplant, dass Wohnhäuser, in denen Kinder wohnen, nicht höher als fünf Stockwerke sein sollen, da sie sonst den Kontakt zum Boden verlieren. Darum habe man sich bei der ursprünglichen Planung der Messestadt an diese Grenze gehalten. Doch vor zwanzig Jahren wusste man auch noch nichts von der heutigen Wohnungsnot und der Dringlichkeit der Nachverdichtung.

„Deswegen ist die Machbarkeitsstudie auch gut“, sagt Kronawitter. Er ist der Meinung, dass man der Idee auf jeden Fall eine Chance geben sollte. Wie die Details gelöst werden, wird sich im Herbst zeigen. 

Lydia Wünsch

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