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Sogar das Unkraut gehört zum Gesamtplan

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Gefällt nicht jedem: die Pergola an der Magdalena-Schwarz-Straße in der Messestadt. Die Anlage wird aber auch in Zukunft ohne Bepflanzung auskommen müssen, sagt das Baureferat. © gm

Obwohl sie viele als hässlich empfinden, will das Baureferat einige Plätze in der Messestadt nicht aufwerten. Grund: Die Plätze wurden von namhaften Architekten gestaltet. Der Truderinger Bezirksausschuss (BA) allerdings will sich damit nicht zufrieden geben und im Frühjahr mit Experten der Stadt die Plätze vor Ort in Augenschein nehmen.

Messestädterin Irene Ferraris findet, dass manche „Aufenthaltsorte“ im neuen Viertel ungepflegt wirken und eben gerade nicht zum Aufenthalt einladen. Eindrucksvoll hatte sie dies auch schon während der jüngsten Bürgerversammlung im Oktober vorgetragen und per Fotos den Zustand etwa des Taschenparks an der Magdalena-Schwarz-Straße und anderer Orte belegt. Ferraris forderte, die Plätze aufzuwerten – und angesichts der Bilder stimmte die Bürgerversammlung mit großer Mehrheit zu!

Nun hat das Baureferat-Gartenbau die Bürgerversammlungs-Empfehlung behandelt und kommt zu einem völlig anderen Schluss: „Der aktuelle Zustand der Plätze in der Messestadt Riem ist das gestalterische Ergebnis aufwändiger Planungsprozesse. Ein Umbau oder deutliche Veränderungen einzelner Plätze muss unterbleiben, denn dadurch würde deren ursprüngliche Gestaltung zerstört werden und Konflikte mit dem Urheberrecht der jeweiligen Architekten wären programmiert.“ Sämtliche Plätze im neuen Viertel seien im Rahmen umfassender Planungsprozesse von renommierten Architekten und Landschaftsplanern bis ins Detail gestaltet worden. Betonquader, die Ferraris gerne durch Bänke ersetzt sähe, „dienen als Sitzelemente und sind genauso bewusst eingesetzte Gestaltungselemente wie die Pergola an der Magdalena-Schwarz-Straße, die keine Bepflanzung erhalten hat“, schreibt das Baureferat dem BA. Sogar das auf Wegen und Plätzen sprießende Unkraut sei ebenfalls Ergebnis bewusster Planung: „Die wassergebundenen Beläge auf Wegen und Plätzen wurden in dem Wissen verwendet, dass sich dort im Laufe der Jahre eine natürliche Vegetation ansiedeln wird“, so das Baureferat. Zweimal jährlich werde gemäht, eine regelmäßige Entfernung des Bewuchses allerdings sei nie vorgesehen gewesen und nur sehr aufwändig durchführbar.

Der Truderinger Bezirksausschuss, der die Plätze trotz seiner renommierten Planer auch nicht ansprechend findet, will sich mit der Auskunft des Baureferats nicht zufrieden geben. Magdalena Miehle (CSU) regte einen runden Tisch mit Irene Ferraris und der Verwaltung an, Herbert Danner (Grüne) plädierte für einen Ortstermin im Frühjahr. „Nach 20 Jahren könnte man schon mal so Einiges optimieren“, so Danner.

Der BA stimmte dem Ortstermin zu, will zuvor aber von der Stadt wissen, welche Eingriffe die Urheberrechte der Architekten zulassen und ob die Nutzungsrechte für die Plätze auf die Stadt übertragen wurden.

Was die Stadt sonst noch ablehnt

• Weißstrahlende Leuchten für die Selma-Lagerlöf-Straße baut die Stadt nicht ein. Aktuell leuchten in dieser Straße – entsprechend dem Lichtkonzept der Messestadt – gelb strahlende Natriumdampf-Hochdrucklampen. Oftmals werde dieses gelbe Licht weniger hell empfunden als weißes, schreibt das Baureferat dem Truderinger Bezirksausschuss. „Tatsächlich ist jedoch in der Messestadt das Beleuchtungsniveau in Straßen mit gelbem Licht deutlich höher, als in denjenigen mit weißem Licht“, so das Baureferat. Messungen vor Ort hätten das erforderliche Beleuchtungsniveau bestätigt, „einer Umrüstung auf weißstrahlende Leuchtmittel kann deshalb nicht entsprochen werden“.

• Sorge ums Schilf am Riemer See muss man sich laut Baureferat nicht machen: „Unsere Beobachtungen geben aktuell keinen Anlass zur Befürchtung, das Verhalten der Menschen würde sich derart ins Negative wandeln, dass der Fortbestand der schützenswerten Flora und Fauna in Gefahr wäre“. Schilder zum Schutz des Schilfs, die aufwändig im Seegrund verankert werden müssten, seien daher nicht gerechtfertigt.

• Mehr Radlständer am Südufer des Riemer Sees sind nach Ansicht des Baureferats nicht nötig, denn die vorhandenen an Nord- und Ostufer würden nur wenig genutzt. „Unsere Beobachtungen zeigen, dass die meisten Badegäste ihr Fahrrad ganz bewusst mit zu ihrem Liegeplatz nehmen, anstatt es unbeobachtet an einem Fahrradständer zurückzulassen“, teilte das Baureferat dem Bezirksausschuss mit.

• Eine Aufteilung der jährlichen Bürgerversammlung für die Bereiche Trudering-Riem sowie Messestadt wird es nicht geben. Aufwand und Kosten und die tatsächliche Beteiligung stünden nicht in einem angemessenen Verhältnis, meinen Bezirksausschuss und Direktorium. Künftig sollen die Bürgerversammlungen aber im jährlichen Wechsel in Trudering und der Messestadt abgehalten werden.

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