Stadt sucht neue Unterkünfte für Truderinger Feuerwehr und BRK

„Das kann es nicht sein!“

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Seit 55 Jahren wohnt Helga Rutsch an der Bajuwarenstraße 138. Zuletzt fürchtete sie jedoch, dass sie ausziehen muss. Grund dafür ist ein Grundstücksgeschäft der Stadt München.

Der Tausch des städtischen Grundstücks an der Truderinger Straße 288 mit einer Fläche im Gewerbegebiet Rappenweg hat eigentlich nur Vorteile: Endlich kann die Stadt die Erschließungsstraße nach Haar bauen; und aus dem schmucklosen Truderinger Rathaus wird eine schicke Immobilie. Einziger Haken: Feuerwehr und BRK verlieren durch den Tausch ihre Diensträume. Dies versetzt die Nachbarschaft in Angst und Schrecken.

Am Anfang waren es nur Gerüchte, auf die sie nichts gegeben hat, erzählt Helga Rutsch. Doch dann mehrten sich die Anzeichen: Eine Wohnung in ihrem, von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag verwalteten Gebäude an der Bajuwarenstraße 138 steht seit Monaten leer und wird auch nicht mehr vermietet. Und der Verein „ABBA – Arbeit für Behinderte, Benachteiligte und Arbeitslose“, der bislang im ebenfalls der Stadt gehörenden Nachbarhaus an der Bajuwarenstraße 136 untergebracht war, erhielt die Kündigung; im Juni muss der Verein raus. Helga Rutsch wollte es daher doch wissen und schrieb einen Brief ans Kommunalreferat mit der Frage: „Was passiert mit unserem Wohnhaus? Müssen wir auch ausziehen?“

Die Antwort, verschickt im Namen von Kommunalreferent Axel Markwardt, lässt zumindest den Schluss zu: Es gebe tatsächlich Planungen, die Freiwillige Feuerwehr und das BRK „interimsweise“ in der Bajuwarenstraße 136 und 138 unterzubringen. Eine Bauvoranfrage sei gestellt. Dies könne, so Markwardt, „zu größeren Veränderungen Ihrer derzeitigen Wohnsituation führen“.

Für Helga Rutsch ist diese Antwort blanker Hohn. Die 73-Jährige wohnt seit 55 Jahren in dem Haus an der Bajuwarenstraße 138, das noch dazu vor zehn Jahren erst saniert worden sei. Zudem habe sie dort eine Aufgabe, sie kümmert sich als Hausmeisterin um das Anwesen. „Wollen die unser Haus abreißen, nur weil sie sonst nicht wissen, wo sie Feuerwehr und BRK unterbringen sollen? Das kann es doch nicht sein!“

Tatsächlich ist es so, dass die Stadt das Grundstück an der Truderinger Straße 288, auf dem im Moment noch Feuerwehr und BRK untergebracht sind, gegen ein Schlüsselgrundstück im Gewerbegebiet Rappenweg tauschen will (HALLO berichtete). Die Stadt könnte damit die sogenannte Nordtangente entlang der Bahn nach Haar bauen – wobei diese Straße auch Voraussetzung dafür ist, dass ein städtisches Grundstück an der Schneiderhofstraße in Gronsdorf mit Wohnungen und Schulen bebaut werden kann. Im Gegenzug sollen die neuen Eigentümer das Grundstück an der Truderinger Straße 288, das früher Rathaus war und zuletzt ein eher schmuckloses Dasein fristete, zu einer schicken Immobilie machen: mit einem Café, Einzelhandel und damit ganz im Sinne des Städtebauförderprojekts „Aktive Zentren“ Trudering.

So weit, so gut. Doch die Frage, wohin Feuerwehr und Rettungsdienste dann ausweichen sollen, ist nach wie vor ungeklärt. Eine Idee schien daher zu sein, die Rettungsdienste einfach in das dahinter liegende Grundstück umzuziehen – an die Bajuwarenstraße 136 und 138. Während das Objekt an der Hausnummer 136, das bis 2008 die Polizeiinspektion Trudering beheimatete und im Anschluss dem Verein ABBA zur Zwischennutzung diente, schnell verfügbar wäre, sieht es mit dem Wohnhaus an der Hausnummer 138 anders aus. Acht Parteien leben dort, teilweise seit Jahrzehnten. Kommunalreferent Markwardts Ankündigung, sich in den nächsten Monaten gezielt an die Mieter wenden zu wollen, „um sie über die Einzelheiten zu informieren und Angebote zu unterbreiten“, beruhigt daher niemanden.

Auf HALLO-Nachfrage gibt Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferats, jedoch vorerst Entwarnung. Für das BRK zeichne sich „eine verträgliche anderweitige Lösung“ ab, lediglich die Feuerwehr soll nun an die Bajuwarenstraße 136/138 ziehen. Hierfür werde das Gebäude an der Hausnummer 136 abgerissen und durch einen Interimsbau ersetzt. Das danebenliegende Wohnhaus bleibe dagegen unberührt. Bislang, erklärt Plank, rede man aber ohnehin über ungelegte Eier: Die Stadt und die Eigentümer des Rappenweg-Grundstücks haben sich nach wie vor nicht auf den Tausch ihrer Grundstücke einigen können.

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