Das zweite Leben alter Gardinen aus dem Keller

Soziales Umweltprojekt aus Trudering

Plastik ist in aller Munde. Im wahrsten Sinne des Wortes, weil kleinste Plastikteilchen über die Meere zurück in die Nahrungskette gelangen. Die Folge sind viele Berichte, die vor allem Rat- und Machtlosigkeit hervorrufen. Doch die Truderingerin Jutta Esser beweist seit knapp einem Jahr mit ihrer Freundin Waltraud Stitzl, dass mit gar nicht so viel Aufwand etwas getan werden kann. Zum Beispiel gegen Plastikbeutel.

„Es gibt ja schon einige andere Möglichkeiten für umweltbewusste Beutel. Wir wollten aber etwas aus einem Material, das gar nicht erst neu hergestellt werden muss. Etwas, das leicht, durchsichtig und schön ist. So kamen wir auf alte Gardinen. Die liegen oft in Kellern herum – wir führen sie einem neuen Sinn zu“, erklärt Jutta Esser.

Doch die Idee von Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Engagement zeigt sich nicht nur im verwendeten Material. Auch die Fertigung der in drei Größen erhältlichen Beutel ist speziell: Sie werden in sozialen Einrichtungen genäht, die sich der psychiatrischen Integration ihrer Patienten widmen. „Jeder Beutel ist anders und individuell. Da muss dann auch nicht jede Naht ganz perfekt sitzen. Dem Apfel ist das egal“, lacht die Truderingerin, die eigentlich als Lerncoach arbeitet und das Geschäft mit den besonderen Beuteln nebenher aufbaut. Mit sieben sozialen Einrichtungen arbeitet „Rebeutel“ eng zusammen, das Netzwerk wird aber ständig ausgebaut. Ohne Druck. Darauf legt Jutta Esser wert: „Wenn eine soziale Einrichtung im einen Monat 500 Beutel näht und im nächsten dann gar keinen, ist das vollkommen in Ordnung. Umso schöner ist es dann, wenn wir sehen, mit wie viel Freude unsere Beutel genäht werden. Und wie stolz die Teilnehmer dann sind, wenn sie verkauft und im Alltag benutzt werden.“

Wie viele Rebeutel mittlerweile im Umlauf sind, weiß Esser gar nicht. Um die 5000, schätzt sie. In und um München gibt es sie bei rund 20 Händlern, die auf der Homepage der Zwei-Frauen-Firma (www.rebeutel.de) aufgelistet sind. Zwischen 8 und 9 Euro kostet das Dreierpack in verschiedenen Größen. Drei Kilo können problemlos transportiert werden, ohne dass der Stoff reißt. Das feine Design der Gardinen macht die Beutel aber auch zu schönen Verpackungen für Geschenke – Weihnachten steht ja fast schon vor der Tür. „Für uns ist es vor allem ein Herzensprojekt. Es kann unser Hauptjob werden, aber das Hauptziel ist das nicht. Das soziale Engagement und ein kleiner Beitrag für den Umweltschutz stehen im Vordergrund“, erklärt Esser. „Es macht Spaß zu sehen, was man im Kleinen so alles bewegen kann.“ Ganz bewusst verzichten die Macherinnen von Rebeutel auf einen eigenen Online-Shop – der alltägliche Päckchen-Wahnsinn steht zu sehr im Widerspruch zum nachhaltigen Grundgedanken.

Wer das Projekt unterstützen will, kann das übrigens nicht nur durch den Kauf tun, auch alte Gardinen werden immer benötigt. Am besten ist es, wenn sie direkt bei den sozialen Einrichtungen abgegeben werden, die auf der Homepage aufgelistet sind.

Marco Heinrich

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