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180 Flüchtlinge neben jüdischem Sportverein

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Auf diese Wiese an der Leibengerstraße vor der neuen Riemer Grundschule soll eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden. © Mühlthaler

Noch gibt es keine Flüchtlingsunterkünfte in Riem, doch die Sorgen der Bürger sind groß: Stadt und Regierung von Oberbayern planen, im kleinen Dorf nördlich der Autobahn 650 Asylbewerber unterzubringen.

300 Flüchtlings-Unterkunftsplätze in der Pferdeklinik an der Graf-Lehndorff-Straße, 180 Plätze in der ehemaligen Autobahnmeisterei an der Riemer Straße und bis zu 170 gegenüber der neuen Grundschule an der Leibengerstraße – das planen Stadt und Regierung von Oberbayern für Riem. Die Bürger des ehemaligen Dorfs nördlich der Autobahn A94, das gerade mal 2500 Einwohner, eine Filialkirche, ein städtisches Hofgut, eine Reitanlage und seit kurzem eine Grundschule hat, sind besorgt. Während des Bürgerdialogs vergangene Woche, bei dem Landtagsabgeordneter Markus Blume eigentlich nur den barrierefreien Umbau des S-Bahnhofs vorstellen wollte, machten die Riemer ihre Sorgen über die künftigen Mitbürger zum Thema „Die Lasten müssen gerecht verteilt werden! 650 Flüchtlinge überfordern uns“, hieß es.

Auch die geplanten Standorte finden die Bürger problematisch: „Wie kann man 180 Flüchtlinge in der Autobahnmeisterei, direkt neben dem TSV Maccabi – einem jüdischen Sportclub – unterbringen“ fragten die Riemer. Am heftigsten stößt ihnen die geplante Unterkunft an der Leibengerstraße auf, denn die liegt genau gegenüber der neuen Grundschule. „Das ist der schlimmste Standort in ganz München“, schimpfte ein Mann – und die Riemer applaudierten. Er schlug vor, doch lieber Flüchtlingsunterkünfte in Schrebergärten, im wilden Gewerbegebiet Rappenweg oder auf dem Wiesncamp zu bauen. Eine Riemerin erinnerte sich: „Sozialreferentin Brigitte Meier hat im vergangenen Jahr erklärt, Altriem komme wegen des Brennpunkts Sozialsiedlung Widmannstraße nicht für Flüchtlinge in Frage“. Die Frau, die ehrenamtlich in der Wohnungslosen-Unterkunft an der Joseph-Wild-Straße tätig ist, in der auch Flüchtlinge mit Duldung leben, meinte: „Die Leute bedürfen der Integration! Wir sind umgeben von Menschen, die integriert werden müssen!“ Betroffen sind die Riemer auch von Asylbewerbern aus der nahen Unterkunft in Dornach, wo aktuell 450 Asylbewerber leben. „Täglich gehen hunderte Flüchtlinge auf dem Weg in die Riem-Arcaden bei mir vorbei. Ich traue mich nicht mehr, meine kleinen Mädchen allein herumlaufen zu lassen.“ Eine andere Frau berichtete von Sorgen auf ihrem Fünf-Minuten-Fußweg zum Sport: „Ich werde angesprochen, man will mir die Hand schütteln, ich fühle mich einfach nicht mehr wohl dabei!“

Markus Blume zeigte Verständnis, dass „viele von Ihnen abstrakte Besorgnisse haben. Ich möchte Ihnen gerne etwas Mut zusprechen – belegte Unterkünfte sind meist völlig problemfreie Zonen. Etwas nachdenklich macht mich der Standort neben dem TSV Maccabi“. Durch den anhaltenden Zuzug sei der Druck auf die Verwaltung jedoch massiv, jeder nur mögliche Platz werde genommen. Das abzuwenden sei fast aussichtslos. „Ich verhehle nicht, dass es Probleme gibt und offenbar auch Leute nach Deutschland kommen, die mit Freiheit keine Übung haben“, so Blume. Beruhigt waren die Riemer dennoch nicht und klatschten Beifall als ein Mann vorschlug: „Wir sollten uns überlegen, ob wir nicht einen Eingemeindungs-Antrag in Aschheim stellen!“

Gabriele Mühlthaler

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