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Chronist von Münchens „fernem Osten“

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Xaver Erlacher im Truderinger Bajuwarenpark. Der gebürtige Allgäuer war Gründungsmitglied der AG Stadtteilgeschichte. Außerdem schrieb er am Buch „Münchens ferner Osten – Trudering, Waldtrudering, Riem“ mit. Am Dienstag feierte der Hobby-Chronist seinen 90. Geburtstag.

Xaver Erlacher, der vielen Truderingern als Stadtteilchronist und Zeitungssammler bekannt ist, hat jetzt seinen 90. Geburtstag gefeiert.

90 Jahre ist ein stolzes Alter. Xaver Erlacher hat es am 27. Dezember erreicht und obwohl der rüstige Jubilar seit drei Jahren im Wohnstift Entenbach in München lebt, besucht er seine Truderinger Heimat immer wieder.

Über diese Heimat hat Xaver Erlacher über Jahrzehnte hinweg Material zusammen getragen und den Truderingern sein Wissen zugänglich gemacht. Akribisch archivierte Erlacher beispielsweise Artikel aus dem HALLO und anderen Zeitungen, die Stadtteilberichte druckten. Rund 3000 Einträge hat er inzwischen gesammelt.

Begonnen hat seine Liebe zur Truderinger Stadtteilgeschichte im Herbst 1997, als der spätere Stadtrat und Bezirksausschuss-Vorsitzende Georg Kronawitter, damals im BA noch zuständig für Kultur, dazu aufgerufen hatte, die legendäre Truderinger „Brückl-Chronik“ fortzuschreiben. Interessierte, die 25 Jahre nach Erscheinen des Werks an der Fortsetzung mitwirken wollten, sollten sich melden. Xaver Erlacher aus Michaeliburg – einem Viertel zwischen Trudering-Süd und dem östlichen Berg am Laim – war beim Starttreffen am 23. Oktober 1997 ebenso dabei wie Peter Wagner aus Waldtrudering und Karl Bachmair aus Straßtrudering. Schnell fand sich die Arbeitsgruppe Stadtteilgeschichte zusammen und es zeigten sich bald Kostproben der Erlacher‘schen Präzision: Nicht nur das Erscheinungsjahr der neuen Chronik sagte er voraus, sondern sogar Datum und Uhrzeit! Doch ganz traf Erlacher damals nicht auf den Punkt, denn das Standardwerk „Münchens ferner Osten – Trudering, Waldtrudering, Riem“ erschien doch früher, nämlich kurz vor Weihnachten 2000.

Dies ist umso bemerkenswerter, da sich Erlacher tatsächlich auch mit den kleinsten Details des Werks beschäftigte: Allein über die Frage, welcher Schrifttyp verwendet werden sollte, diskutierten Wagner und Erlacher lange – am Ende wurde es eine 11,5-Punkt-Schrift.

Truderinger Stadtteilgeschichte hat Xaver Erlacher geschrieben, indem er diese beschrieben hat. Beim Stadtteilkalender, der seit 2000 alljährlich erscheint, ist Xaver Erlacher als Autor ebenso gefragt wie bei den Geschichtsausstellungen des Truderinger Kulturkreises. Den hat er inhaltlich entscheidend mitgeprägt seit der ersten Ausstellung „Abschied vom Dorf“ im Jahr 1999, auch bei der Ausstellung zur 75. Wiederkehr der Eingemeindung Truderings nach München wirkte Erlacher mit.

Geboren wurde Xaver Erlacher in Opfenbach, Kreis Lindau, und besuchte nach der Volksschule die Oberschule in Wangen im Allgäu. 1944 musste der junge Mann noch als Soldat am Krieg teilnehmen und geriet in Gefangenschaft. Ab 1947 machte Erlacher ein Lehre zum Schriftsetzer. Zuvor hatte er, der Not gehorchend, ein Jahr lang als Hilfskraft in der Landwirtschaft gearbeitet.

1979 zog Erlacher mit seiner Frau Helga in die Michaeliburg. In seine Rolle als „Rechtschreib-Guru“ wuchs der gelernte Schriftsetzer hinein, als er in den 1950er-Jahren bei einigen Druckereien auch die Korrektor-Funktion übernahm. Von 1957 bis 1989 schaute er dabei den Redakteuren der Süddeutschen Zeitung auf die Finger.

Nebenbei widmete sich Erlacher nicht nur ehrenamtlich der berufsständischen Weiterbildung und Nachwuchsförderung – etwa im Rahmen der typographischen Gesellschaft München (TGM), für die er drei Chroniken verfasste. Die Faszination Zeitung ließ Erlacher niemals los – seit 1969 sammelte er in- und ausländische Exemplare, weit über 1500 Titel umfasst sein Archiv inzwischen. Gabriele Mühlthaler

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