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Plastikfasten – wie schwierig ist es wirklich, nachhaltig zu leben?

Junge Truderingerin machte den Selbstversuch

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Was nicht recycelt wird, landet in den Weltmeeren – und stellt damit ein großes Problem für die Menschen dar.

Schnee fällt vor dem Fenster des Geschäfts in dicken Flocken vom Himmel. Kunden, die den Laden betreten, schütteln den Schnee von ihren Wintermänteln und Mützen, bevor sie mit ihrem Einkauf beginnen. Besonders ins Auge fallen die Rucksäcke und Beutel, die jeder mitbringt. Anni Zhang, 18, sitzt auf einer Bank im Cafébereich des verpackungsfreien Ladens und sieht den Kunden interessiert dabei zu, wie sie ihre Einkäufe erledigen. Für sie ist dieser Anblick vertraut. Anni achtet selbst darauf, möglichst wenig Müll zu produzieren. „Vor zwei Jahren habe ich beim Lesen einer Zeitung zufällig einen Artikel über das Plastikfasten entdeckt. Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, wollte ich das unbedingt selbst ausprobieren.“

Fasten. Da klingelt etwas. Das hat etwas mit Religion zu tun. Robert Zajonz, Pastoralreferent, erklärt: „Fasten ist der freiwillige Verzicht auf etwas. Jeder Fastende prüft sein Leben und schaut, wo es ein Zuviel oder auch ein Zuwenig gibt und setzt dementsprechend Akzente.“ Nachdem Anni festgestellt hatte, dass es zu viel Plastik in ihrem Leben gibt, fastete sie im Jahr 2017 für vier Wochen Plastik. Die Frage, ob das Plastikfasten einen religiösen Hintergrund für sie gehabt hat, verneint sie. Sie wollte auf Plastik verzichten, weil es schädlich für die Umwelt und Tiere ist.

Der Plastikmüll im Meer 

Das bestätigt auch Markus Guddat, der Leiter der Meeres- und Arktisschutzgruppe von Greenpeace in München ist. Im Meer befinden sich gigantische Mengen an Plastik. Vor allem Fischereiabfälle wie Netze, die die Fischer im Meer verlieren oder entsorgen, werden Tieren wie Robben, Schildkröten, aber auch Fischen zum Verhängnis. „Tiere neigen auch dazu, Plastik mit Nahrung zu verwechseln und sterben teilweise mit vollem Magen. Einem Magen voller Plastik, nicht voller Futter. Es gibt auch Fälle, bei denen Pottwale wegen des Plastiks in ihrem Magen verenden“, erklärt er. Nicht nur für Umwelt und Tiere, auch für den Menschen ist Plastik gefährlich. Wie und in welchem Ausmaß ist allerdings schwer erforschbar. „Schließlich kann man Menschen nicht über Jahre hinweg bewusst Plastik zuführen und die Ergebnisse abwarten.“

Da Anni noch bei ihrer Familie wohnt, gestaltete sich das Fasten manchmal etwas schwierig. Es ist kompliziert, die Vorstellungen unterschiedlicher Personen unter einen Hut zu bringen. Während ihres Projekts ging sie allerdings auch selbst einkaufen und dabei fiel ihr auf, welche Mengen an unnötigen Plastikverpackungen es gibt und wie leicht sich diese vermeiden ließen. Obst und Gemüse konnte sie ohne Probleme plastikfrei einkaufen. An anderen Stellen gestaltete es sich hingegen schwieriger, plastikfrei einzukaufen. Aus hygienischen Gründen ist es beispielsweise nicht erlaubt, eine Dose über die Fleisch- theke zu reichen, in die Wurst gefüllt werden kann. Da hilft manchmal nur die Nutzung von „Grauzonen“. „Bei manchen Metzgern kann man die Dose auf die Fleischtheke stellen und bekommt da dann die Einkäufe rein“, berichtet Markus Guddat, der selbst darauf achtet, verpackungsfrei einzukaufen.

Nicht alles wegwerfen 

Produkte aus Plastik, die Anni bereits besaß, behielt sie allerdings. „Es macht keinen Sinn, einfach alles, was aus Plastik ist, wegzuschmeißen. Das wäre auch nicht besonders umweltfreundlich“, sagt sie. Marianne Wolff, die Projektleiterin der Umweltabteilung des Verbraucherservices Bayern, sieht das ähnlich. Ihr Credo lautet: „Vermeiden – Verwenden – Verwerten“. Das heißt, man sollte darauf achten, nicht zu viel einzukaufen, und das, was man einkauft, so lange zu verwenden, wie es geht. Wenn dann auch noch recycelt wird, ist laut Wolff schon viel gewonnen. Es gilt also erstmal das aufzubrauchen, was noch da ist. „Eine Plastikzahnbürste habe ich zum Beispiel, als sie abgenutzt war, gegen eine Bambuszahnbürste ersetzt“, erzählt Anni.

Zwar hat sie das aktive Plastikfasten nach den vier Wochen wieder aufgegeben, doch sie berichtet, dass sie ein ganz neues Bewusstsein für den Umgang mit Plastik entwickelt hat. Auch wenn sie nicht gefastet hat, um Gott näherzukommen, ist es doch genau das, was Fasten im kirchlichen Sinn schaffen soll. Bewusstsein. „Fasten ist eine gute Trainingszeit für einen bewussteren Umgang mit uns und unserer Umwelt“, sagt Robert Zajonz. 

Einfach aufpassen 

Anni nutzt seither Bambuszahnbürsten und achtet so gut es geht darauf, Plastik zu meiden. Sie sieht nach wie vor viele Vorteile im Plastikfasten. „Abgesehen davon, dass man ein gutes Gewissen hat“, lacht sie, „vermeidet man natürlich, dass Schadstoffe in die Umwelt geraten und man tut seiner Gesundheit etwas Gutes.“ Aber das Plastikfasten hat nicht nur Vorteile. „Die Auswahl an Produkten ohne Plastik ist eingeschränkt und teilweise sind die Produkte teurer. Die Planung und die Zeit, welche für das Einkaufen vonnöten sind, sind auch wichtige Faktoren. Das zu koordinieren, ist in einem Einpersonenhaushalt sicher einfacher.“ Wenn sie dann erstmal zuhause auszieht, erzählt sie, will sie noch weniger Plastik verbrauchen.

Barbara Manhart

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