Zwei Plätze, eine Meinung: „So kann es nicht weitergehen!“

Oberbürgermeister Dieter Reiter auf Stadtviertel-Tour in Trudering-Riem

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Ein Oberbürgermeister – und sonst nur Leere. Dieter Reiter findet den Willy-Brandt-Platz vor der Riem Arcaden schrecklich. Die lauten Rufe nach einer Umgestaltung unterstützt er.

Die Geste wirkte gekonnt. Dieter Reiter stellte sich fest verankert in den Raum, breitete die Arme leicht aus und ließ die offenen Handflächen gen Himmel offen. Und so stand er dann und ließ sich fotografieren. Erst am S-Bahnhof Trudering inmitten von Fahrrädern; dann kurze Zeit später am Willy-Brandt-Platz in Riem. Münchens Oberbürgermeister war im Rahmen seiner Stadtviertel-Tour im Münchner Osten. An Orten, über die schon lange diskutiert wird – allerdings ohne die ganz große Leidenschaft. Reiter selbst hatte für beide Probleme Lösungsansätze, aber den großen Wurf hatte er nicht im Gepäck.

Am S-Bahnhof Trudering ging es zunächst um Fahrräder. Ein Lieblingsthema der Münchner Politik, liefert es doch für gleich zwei Problemfelder der Stadt Chancen: Umwelt und Verkehr. In Trudering wird die Situation mit steigenden Temperaturen auch in naher Zukunft wieder chaotisch werden. Gleich eine Handvoll Abstellmöglichkeiten für Fahrräder gibt es rund um den Bahnhof. Überfüllt sind sie meist allesamt. Und gut geschützt sind die Fahrräder nur selten. „Heute kosten die Räder oft mehr als mein erstes Auto. Natürlich kann ich es verstehen, wenn die Leute sie dann auch vor Wetter und Dieben schützen wollen“, erklärte Reiter. Langfristig soll eine große Fahrrad-Parkgarage unter dem noch zu bauenden Sozialbürgerhaus das Problem lösen (HALLO berichtete). Ein Plan, für den Reiter Sympathien hegt. Aber auch kurzfristig soll etwas passieren.

Die städtische Park&Ride GmbH plant, auf einem Teil der bestehenden Park&Ride-Anlage Trudering-Süd eine Fahrradabstellanlage mit 200 neuen Abstellmöglichkeiten zu errichten. Dies ist jedoch nicht möglich, da das Grundstück im Eigentum der Deutschen Bahn AG steht. Ankaufversuche der Landeshauptstadt München waren in der Vergangenheit gescheitert.

„Unabhängig davon, ob das Grundstück der Landeshauptstadt oder der Deutschen Bahn gehört, muss es doch im Interesse aller sein, dass hier Fahrradabstellplätze geschaffen werden können. Die Abstellsituation ist für die Münchnerinnen und Münchner, die auf das Auto verzichten und die S-Bahn nehmen möchten, nicht hinnehmbar. Ich werde mich daher an das Bundesverkehrsministerium und den Bahnchef wenden und darauf drängen, dass hier dauerhaft Fahrradabstellplätze geschaffen werden“, sagte Reiter.

Hintergrund des Vetos der Bahn ist bislang die Tatsache, dass auf dieser Fläche irgendwann im Zuge des Brennertunnel-Projekts gebaut werden soll. Wenn das bisherige Tempo in dieser Angelegenheit fortgesetzt wird, vergehen allerdings noch Jahre bis Jahrzehnte, bis tatsächlich Bagger rollen. „Und wenn es dann passiert, bauen wir die Fahrradanlage selbstverständlich wieder ab“, will Reiter Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schon bald überzeugen. „So kann es nicht weitergehen!“, sagte Reiter – und fuhr ein paar Kilometer weiter, wo dieser Satz ebenso gut passte.

Denn zahlreiche Bürger und auch der Bezirksausschuss Trudering-Riem wünschen sich schon lange mehr Aufenthaltsqualität und eine neue Gestaltung des Willy-Brandt-Platzes (HALLO berichtete). „Dem Wunsch der Bevölkerung kann ich mich nur anschließen. Auf dem Willy-Brandt-Platz bieten die Stadtwerke kostenloses WLAN an, aber der Platz selbst lädt nicht zum Verweilen ein und bietet keinerlei Aufenthaltsqualität. Ich werde daher die Verwaltung beauftragen, den Willy-Brandt-Platz unter Beteiligung aller interessierten Bürgerinnen und Bürger zu verschönern und zu einem attraktiven Zentrum zu machen.“ Neu war das allerdings nicht. Der Bezirksausschuss entschied bereits, einen Runden Tisch und Workshops abzuhalten, um Ideen für eine Neugestaltung zu sammeln. Schaden kann der Rückenwind durch den Bürgermeister aber natürlich nicht. Die Plätze sind insgesamt ein Anliegen Reiters. Gleich fünf von ihnen will er jedes Jahr ins Visier nehmen, um München noch schöner und lebenswerter zu machen.

Auch zur großen und durchaus umstrittenen Stadtentwicklungsmaßnahme (SEM Nordost) stellte er noch einmal seinen Ansatz klar: „Wir wollen hier ein attraktives neues Stadtquartier entwickeln, das sich weniger durch höchste Dichte, sondern vielmehr durch höchste Lebensqualität auszeichnet. Ein Stadtquartier, das sich harmonisch in seine Umgebung einfügt. Eine zukunftsorientierte und nachhaltige Planung der verkehrlichen Infrastruktur hat für mich dabei oberste Priorität.“

Überhaupt soll der Verkehr weiter ins Zentrum seiner Arbeit rücken. Ab kommendem Jahr plant Reiter daher ein eigenes Verkehrsreferat für die Münchner Verwaltung. 

Marco Heinrich

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