Mit Kunst und Kultur das Viertel erspüren

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Wie der Nachwuchs das Leben in seinem Stadtteil verbessern will

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Konzertbesuch für die ganze Familie — samt Baby und Kleinkind

Wer nicht sitzen will, darf sausen!

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Ringel, Ringel, Reihe — bei den Konzerten speziell für Zwei- bis Vierjährige ist das Tanzen keineswegs untersagt. Die jungen Besucher dürfen jederzeit ihren Platz verlassen.

Bei Konzerten, die Saskia Dürr veranstaltet, darf der Besucher seinen Stuhl verlassen und bei den Musikern tanzen. Saskia Dürr organisiert Konzerte für kleinen Kinder, wie jetzt in Trudering. Aus nächster Nähe ein Instrument  begutachten können kleine Kinder auch bei den neuen „MukL“-Konzerten in Perlach.

Klassische Musik kommt bei Kindern an. Doch ein kleines Kind in ein Konzert mitnehmen? Niemals, denken sich die meisten Eltern. Denn: Der Nachwuchs wird kaum längere Zeit still auf seinem Platz sitzen. Beginnt die Zappelei, werden die Sitznachbarn bestimmt genervt die Augen verdrehen. Zudem ist ein gewöhnliches Konzert meist viel zu lang. Und was ist, wenn das Kind mittendrin plötzlich ganz dringend auf die Toilette muss? Nicht auszudenken, wie viele strafende Blicke die Eltern und ihr Kind treffen würden, wenn sie sich während des Konzertes ihren Weg nach draußen durch die engen Stuhlreihen bahnen müssten. Also beschließen Eltern, lieber daheim zu bleiben oder, wenn überhaupt, alleine ins Konzert zu gehen, sofern daheim ein teurer Babysitter die Kleinen hütet. Saskia Dürr, Mutter eines mittlerweile vierjährigen Sohnes, sieht das anders: Sie lädt seit drei Jahren Eltern mit ihren Kleinkindern zu Konzerten ein! Wenn das klassische Ensemble „Scherzo-Musik“ Johann Pachelbels Kanon in D-Dur anstimmt, wie jetzt am Sonntag, 15. Januar, im Kulturzentrum Trudering, dann hat die Konzert-Veranstalterin überhaupt nichts dagegen, wenn die Besucher von ihren Stühlen aufspringen und sich den Musikern nähern. „Bei uns darf jeder tanzen und sausen“, sagt Dürr. Die Starnbergerin organisiert Baby-Konzerte, seit sie selbst Mutter geworden ist und schnell erkannt hat, wie sehr ihr Sohn die Musik liebt. „Und ich konnte mich erinnern, wie ich als Kind auch zu Konzerten mitgenommen wurde, bei denen ich aber sitzen musste“, sagt Dürr. So entstand schnell die Idee, Konzerte zu veranstalten, bei denen es etwas anders zugeht als gewöhnlich: „Eltern müssen sich bei uns keinen Kopf machen, dass ihr Kind stört“, betont die Veranstalterin. So manches Kind käme gleich beim aller- ersten Stück nach vorne zu den Musikern gerannt. Stillsitzen müsse kein Kind, aber auch kein Erwachsener! „Jedes Mal bei unseren Konzerten stehen irgendwann auch die Großen und tanzen.“ Wenn die anfängliche Befangenheit gewichen und die Anspannung, wie alles abläuft und das mit den Kindern auch klappe, von ihnen abgefallen sei. Angefangen hat Dürr mit Konzerten für Familien mit ihren Babys. Seit ihr eigener Sohn älter als diese Zielgruppe ist, organisiert sie zudem Konzerte für Zwei- bis Sechsjährige. Höchstens eine Stunde dauern diese. „Bei den Minikonzerten bekommt zwar auch jedes Kind seinen eigenen Sitzplatz und kann das Stillsitzen üben, wenn es will.“ Doch ebenso erlaubt seien Kreistänze und das Herumlaufen vor der Bühne. „Ich erinnere mich da an zwei kleine Mädchen, die zu dem Konzert bereits in ihren Ballett-Kostümen kamen“, erzählt Dürr. Bei den Babykonzerten für unter Zweijährige dürfen die Allerkleinsten nicht nur zur Musik den Raum erkunden, ihnen werde es sogar verziehen, wenn sie einschlafen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Babys eher Action als die ganz ruhige Musik mögen. Viele schlafen dann zufrieden ein“, sagt Dürr. Zu den Favoriten ihres jungen Publikums gehöre die Ouvertüre aus Georges Bizets Oper „Carmen“, Mozarts „Kleine Nachtmusik“ oder auch Filmmusik, zum Beispiel aus „Forrest Gump“. Auf Stühle wird bei den Babykonzerten von vornherein verzichtet. Familien bringen Krabbeldecken mit und legen diese rund um die Musiker aus. Doch der Applaus am Ende des Konzertes bleibt aus: „Damit die entspannten Babys nicht geweckt werden, klatschen die Zuhörer nicht, sondern winken, das ergibt eine ganz eigene, zauberhafte Stimmung“, so Dürr.

Musik für kleine Leute

In kleinerem Rahmen lädt Christina Schütze, Leiterin von „Tanzkind“, in ihrem Perlacher Atelier erstmals am Sonntag, 5. Februar, Familien zu drei „MukL“-Konzerten. „Musik für kleine Leute“ erklingt in dem etwa 75 Quadratmeter großen Raum, auf dessen beheiztem Boden sich Eltern ebenfalls auf Decken mit ihrem Nachwuchs ausbreiten dürfen. Schütze bietet in ihrem Atelier nicht nur Tanzkurse, sondern auch viele Musikangebote wie musikalische Frühförderung bereits für Babys an. „In diesen Musikkursen habe ich festgestellt, wie gerne Kinder auch ein Instrument wie einen Kontrabass begutachten, am liebsten berühren und einen Musiker hautnah auf ihm spielen hören“, so Schütze. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin, einer Oboistin, sowie einer befreundeten Geigerin und der Kinderchor-Leiterin der gegenüberliegenden evangelischen Kirche, die Klavier spielt, reifte dann die Idee, Kinderkonzerte anzubieten. „Mit Musik pur, bei den Konzerten gibt es anders als in den Kursen kein Mitmach-Programm“, erklärt die Musik- und Kindertanz-Expertin. „Im Raum verteilt sitzen die Musiker, die nicht immer gleichzeitig, sondern auch mal abwechselnd auf ihren Instrumenten spielen und auch singen.“ Die Kinder sehen die Instrumente aus nächster Nähe. „Bei uns gibt es keine Trennung zwischen Bühne und Publikum, die Kinder spüren die Musik durch und durch“, so Schütze. Und wenn Musik von Johann Sebastian Bach oder Antonio Vivaldi erklingt, dürften die kleinen Zuhörer, wenn ihnen danach ist, klatschen, singen, tanzen oder brabbeln. Ein Konzert-Erlebnis, das sich auf kürze Stücke konzentriert, da nach gut einer halben Stunde die Aufmerksamkeit des Publikums eben nachlasse, weiß Schütze: „Fast wie ein Hausmusik-Abend, nur eben kindgerecht.“ Verena Rudolf

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