Offene Ohren und guter Rat in schweren Zeiten

Neues Beratungszentrum für Schwangere und junge Familien in Riem

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Die SKF ist telefonisch unter 94 38 01 420 zu erreichen. 

Ein Kind zu bekommen, ist für die meisten Menschen die Erfüllung eines Traums. Doch manchmal entwickelt sich die Situation gerade am Anfang zu einem wahren Alptraum. In solchen Fällen hilft der SKF.

Marina Macke muss nicht lange überlegen, um einen Fall zu schildern, den sie nach Dienstschluss nicht einfach so vergessen konnte. Schließlich hat sie es als stellvertretende Leiterin des Sozialdienst katholischer Frauen (SKF, Kasten unten) nicht mit Fällen zu tun, sondern mit menschlichen Schicksalen. „Erst letzte Woche war eine Familie mit einer Zwillings-Schwangerschaft hier, bei denen eines der Babys leider gestorben ist. Wie kann man solch ein Erlebnis auffangen? Darum geht es bei uns“, erklärt Marina Macke (Foto).

Beim SKF erhalten Frauen während der Schwangerschaft und in den ersten drei Jahren nach der Geburt des Kindes Hilfe. Egal, ob es um ganz normale Fragen geht – oder ob es richtig brennt, weil der Vater die Familie verlassen hat oder weil beide Eltern plötzlich ohne Job vor dem finanziellen Nichts stehen. „Bei vielen fehlt ein soziales Umfeld, das sie auffängt. Bei uns finden sie einen Raum, wo man ehrlich und offen sprechen kann, ohne dass jemand gleich unpassende Ratschläge erteilt“. erzählt Macke.

Gerade in einer Zeit, da jede Frage mit ein paar Clicks im Internet beantwortbar scheint, wächst die Verunsicherung über alle Fragen, die das eigene Kind betreffen. Wann ist welche Entwicklung normal? Wie kann ich die ersten Monate überstehen, wenn mein Baby ein Schreikind ist? Oder wie finde ich eine neue Ebene mit meinem Partner, wenn die Beziehung unter der neuen Familiensituation leidet? Zu all diesen Fragen gibt es im Internet vor allem Horrorszenarien, die für mehr Unruhe als Aufklärung sorgen. Ein gutes Gespräch mit Experten ist meist die bessere Alternative. Genau das will der SKF bieten. „Wir sind eine sehr aufgeschlossene Gesellschaft, trotzdem bestehen gerade in diesem Bereich große Wissenslücken“, erklärt Macke. Interessierten Frauen stehen Sozialpädagogen, Psychologen, Rechtsanwälte, Gy- näkologen und ein Seelsorger zur Verfügung.

Den Münchner Ortsverein des SKF gibt es bereits seit 1906. Die Dienste werden unabhängig von Konfession und Nationalität angeboten. Dementsprechend multikulturell geht es auch in der neuen Beratungsstelle in Riem zu, die am Donnerstag, 16. November, feierlich eröffnet wird (Werner-Eckert-Straße 11), aber schon seit einigen Monaten läuft. Rund drei Viertel der Frauen, die hier momentan Hilfe suchen, haben einen Migrationshintergrund. Zu den üblichen Problemen mit dem Nachwuchs kommen dann auch immer wieder Probleme wegen kultureller Unterschiede hinzu. Neben dem ursprünglichen Zweck der Einrichtung geht es in solchen Fällen auch um die Integration. 

mh

Daten und Fakten zum SKF

Der Sozialdienst katholischer Frauen ist ein Frauenfachverband in der katholischen Kirche. Er setzt sich für sozial benachteiligte Menschen ein, entwickelt gemeinsam mit ihnen Perspektiven und trägt damit dazu bei, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Frauen, die Rat suchen, werden in erster Linie durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützt. Schwerpunkte liegen in der Kinder- und Jugendhilfe, der Schwangerenberatung, den Mutter-Kind-Häusern, der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe. Im Jahr werden vom SKF über 3700 Klientinnen betreut und etwa 6500 Beratungsgespräche geführt.

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