„Neuer Start“

Selbstbewusst zurück ins Berufsleben

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Inga Fischer aus Trudering nahm am Kurs „Neuer Start“ teil und ist seit 2009 dort Dozentin.

Berufsrückkehrerinnen haben es oft nicht leicht. Inga Fischer aus Trudering kann ein Lied davon singen. Sie absolvierte daher vor Jahren den Kurs „Neuer Start“ des Vereins für Fraueninteressen und gibt dort mittlerweile sogar Seminare. HALLO sprach mit ihr über den Verein und ihre Arbeit.

„Der erste Schritt ist ganz wichtig“, bringt es Inga Fischer aus Trudering, ehemals Europasekretärin und Personalreferentin eines großen amerikanischen Halbleiterkonzerns, mittlerweile Mutter zweier Kinder und „Neuer Start“-Dozentin auf den Punkt. Ihr erster Versuch zurück ins Berufsleben war es, eine Teilzeitstelle in dem Unternehmen zu finden, in dem sie jahrelang erfolgreich und engagiert gearbeitet hatte. „Das war schwierig.“ Sie hätte sich dort einklagen müssen. „Und das wollte ich nicht.“

Ihr erster wichtiger Schritt war dann die Kontaktaufnahme mit dem Verein für Fraueninteressen e.V. (seit 1894 in München). Dieser Kontakt und vor allem die Teilnahme an dem Kurs „Neuer Start“, der heuer im 35. Jahr angeboten wird, hatte weitreichende Folgen, denn heute setzt sie sich zusammen mit den anderen rund 140 Frauen des Vereins dafür ein, dass Frauen wieder den Weg zurück ins Berufsleben finden.

Neue berufliche Perspektiven

„Wer sich bei uns meldet und seine Computerkenntnisse verbessern will, ist nicht vollkommen falsch“, so Inga Fischer. Denn der Kurs vermittelt zwar keine solchen Kenntnisse, sondern vielmehr erarbeiten zwölf bis 20 Frauen gemeinsam eine neue berufliche Perspektive. Die Teilnehmerinnen kommen aus München und dem Landkreis, sind zwischen 30 und 55 Jahre alt, alleinstehend oder Mutter von sechs Kindern. Sie sind als Erstes bereit, sich elf Wochen und vier Vormittage pro Woche in den Räumlichkeiten des Vereins an der Thierschstraße 17 in München zu treffen. Die Teilnehmerinnen erarbeiten zusammen mit den Kursleiterinnen ihren jeweiligen Ist-Stand und beantworten dabei Fragen wie: „Wo sind meine Stärken, meine besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse? Will ich in meinen alten Beruf zurück oder welche neuen Perspektiven gibt es? Was muss ich bedenken und tun, damit mein beruflicher Wiedereinstieg gelingt?“ In diesem intensiven Prozess geht es am Rande auch um Fachkenntnisse, die „frau“ braucht. Doch wichtiger sind so scheinbar simple Überlegungen, wie man künftig Beruf und Familie vereinbaren kann. Vielen Frauen machen sich darüber keine Gedanken, in welchen vielfältigen Rollen sie tätig sind. „Kein Wunder, dass viele Berufseinsteigerinnen nach einem halben Jahr wieder das Handtuch werfen wollen.“ Das müsse jedoch nicht so sein, wenn man sich zuvor gemeinsam einen Lösungsweg überlege. Letztlich muss zum Beispiel in einer Familie dann auch der Lebenspartner ran, der ein paar Aufgaben übernimmt. Nur so könne der weitere Prozess gelingen. „Wenn ich weiß, wo ich stehe und wo ich hin will, kann ich loslegen“, so die Dozentin.

Als ehemaligen Personalreferentin weiß sie nur zu gut, welche Fehler beim Lebenslauf gemacht werden. „Eigentlich ist ein guter Lebenslauf gar nicht so schwer zu verfassen.“ Schwerer sei da schon das Anschreiben. Denn es komme darauf an, authentisch zu sein. Gerne plaudert sie auch ihrer eigenen Berufserfahrung, wenn sie den Berufsrückkehrerinnen die Angst vor allzu hochtrabenden Stellenangeboten nimmt. „Die Firma bastelt sich da oft einen Wunschkandidaten.“ Es gebe keinen Bewerber, der alle Kriterien erfüllen könne.

Realistisches Bild von sich selbst

Im Rahmen des Kurses „Neuer Start“ wird den Frauen nicht nur Mut gemacht, sondern vor allem werden sie dazu eingeladen, ein realistisches Bild von sich selber zu zeichnen. In diesem Zusammenhang hat sich die Arbeit in der Kursgruppe mehr als bewährt. „Wie schätze ich mich ein? Was muss ich tun, um mein Ziel zu erreichen?“ Authentizität ist das Schlüsselwort. Bei Inga Fischer und vielen anderen Teilnehmerinnen hat das erfolgreich zur Berufsrückkehr geführt. In den letzten zwei Wochen durchlaufen sie ein Praktikum in einem ihrer möglichen Wunschunternehmen. Das hat in manchen Fällen auch zu einem festen Job geführt. In diesem Sinne, so Fischer, ist der erste Schritt der wichtigste und so gelingt es, „locker die erste Hürde zu nehmen“.

Bodo-Klaus Eidmann

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