„So wird der Radverkehr nicht gefördert“

Neuer Radweg in Trudering ist umstritten

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Ungewöhnliche Streckenführung – aber bislang ist hier noch kein Unfall passiert.

Ein rot gekennzeichneter Streifen an der Kreillerstraße, Ecke Bajuwarenstraße, führt Radfahrer seit dem 1. Mai auf einen neuen Radweg — und mitten auf die Straße. Angeblich sollen Radfahrer so vor Rechtsabbiegern sowie vor den Tankstellenausfahrern geschützt werden. Andreas Groh vom ADFC hingegen vermutet: „Die Sicherheit der Radfahrer hatte bei den Planungen der Stadt keine Priorität.“

Rechtsabbiegende Autos sind immer eine Gefahr für Radfahrer. Vergisst der Autofahrer den Schulterblick, ist schnell ein Unfall passiert. Um die Sicherheit für Radfahrer an der Kreillerstraße, Ecke Bajuwarenstraße, zu erhöhen, werden Radfahrer seit dem 1. Mai auf einem Radweg zwischen zwei Fahrspuren geleitet. Diese Lösung gefällt dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club allerdings überhaupt nicht.

Andreas Groh, Vorsitzender des ADFC München, erklärt: „Der Plan war, eine reine Abbiegespur zu schaffen, damit der Verkehr ungehindert fließen kann. Darum wurde der alte Radweg weggebaggert.“ Die Lösung, den Radweg nun zwischen zwei Autospuren zu legen, findet Andreas Groh allerdings nicht durchdacht. „Der Radweg taucht für die Autofahrer sehr plötzlich nach den Bäumen auf. Er geht vom Radweg auf die Straße — und zwar in dem Moment, in dem auch die Autos einen Spurwechsel durchführen, um auf die Abbiegespur zur kommen. Autofahrer, die die Strecke nicht kennen, rechnen nicht damit, dass plötzlich Radfahrer auf die Fahrbahn gelotst werden. Zudem müssen Autofahrer den Radweg überqueren, um auf die Rechtsabbiegespur zu kommen. Wie so Unfälle vermieden werden sollen, ist fraglich.“ 

Die Radfahrer wiederum müssen sich auf die Rechtsabbiegespur für Autofahrer einfädeln, wenn sie auch abbiegen wollen. „Den Extra-Radweg dafür hat die Stadt sich auch gespart“, so Groh. Er ist sich sicher: „Sicherheit für Radfahrer war bei dieser Planung nicht das oberste Ziel der Stadt, selbst wenn sie das angibt.“ Vielmehr vermutet Groh einen anderen Hintergrund. So wollte die Stadt im Ortskern um den Truderinger Bahnhof eine Verkehrsberuhigung erreichen und die Autofahrer über die Bajuwarenstraße auf die Kreillerstraße locken. Eine reine Rechtsabbiegespur mache das Fahren für Autofahrer effizienter, da so Staus vermieden werden. Als Radlhauptstadt hingegen disqualifiziere sich die Landeshauptstadt damit, glaubt der Sprecher des ADFC: „Wer Radverkehr fördern möchte, darf so etwas nicht machen“, sagt er. Um die Radfahrer wirklich zu schützen, wären getrennte Ampelphasen oder ein enger Kurvenradius seiner Meinung nach ein geeigneteres Mittel. Mit letzterem zwinge man die Autofahrer, langsam und bedächtig um die Kurve zu fahren.

Bei einer Befragung vor Ort äußerten Autofahrer wie Radfahrer eine sehr unterschiedliche Sicht auf den Radweg. Ein Autofahrer fand die Stelle übersichtlich genug und vor allem mit Blick auf die Tankstellenausfahrt sicherer für Radfahrer. „Einfach die Augen aufhalten, dann passt das schon“, meinte er. Eine andere Autofahrerin hingegen sagte das genaue Gegenteil: „Dass plötzlich hinter den Bäumen, ohne jegliche Beschilderung Radfahrer auf die Straße fahren, ist sehr gefährlich.“ Ein Radfahrer wiederum meinte, man werde nun sogar besser von den Autos gesehen.

Auch die Polizei gab auf Anfrage von HALLO an, dass es seit der Einführung des neuen Radwegs weder zu Unfällen mit Radfahrern kam, noch habe es sonstige Auffälligkeiten an der Stelle gegeben.

Lydia Wünsch

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