„Ohne Angst oder Anspannung“

Neue Ankerzentrum-Dependance Am Moosfeld

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Polizei gegen Flüchtlinge – in Regensburg eskalierte die Situation.

Nach einer Verschiebung sollen jetzt ab dem 1. Juni Flüchtlinge in die neue Ankerzentrum-Dependance in Trudering einziehen. Dirk Wimmer vom Helferkreis St. Peter und Paul bereitet das keine Sorgen.

Die negativen Assoziationen lauern an vielen Orten. Da ist die Funkkaserne, aus denen die Flüchtlinge ausziehen müssen, weil die hygienischen Zustände (verschimmelte Bäder) untragbar wurden. Da ist Regensburg, wo es nach dem Tod einer 31-jährigen Asylbewerberin zu tumultartigen Szenen, Ausschreitungen und einem Großeinsatz der Polizei kam. Und nicht zuletzt die eigene Vergangenheit, als es in der Truderinger Straße „Am Moosfeld“ immer wieder zu Lärmbelästigungen kam. Ab dem 1. Juni kommen wieder Flüchtlinge in das hergerichtete Bürogebäude. Und Dirk Wimmer, der die von der Flucht oft traumatisierten mit dem Helferkreis St. Peter und Paul betreut, macht sich keine Sorgen deswegen: „Ich gehe ohne Angst oder Anspannung an die neuen Aufgaben heran, die auf uns zukommen werden. Keiner kann genau sagen, was uns erwartet. Aber ich bin mir sicher, dass wir es schaffen werden“, spricht aus ihm die reine Zuversicht.

Was nicht heißt, dass Wimmer die Entscheidung unkritisch betrachtet, das Gebäude in Trudering noch einmal für Flüchtlinge zu öffnen. „Die Räumlichkeiten wie sie jetzt sind – das ist gut, aber verbesserungswürdig. Insgesamt ist das Gelände aber ungeeignet, weil es einfach zu wenig Freiflächen darauf gibt“, sagt Wimmer.

Bis zu 350 Flüchtlinge könnten in dem Gebäude leben, bis darüber entschieden wird, ob sie in Deutschland bleiben dürfen. Geht es nach der bayerischen Staatsregierung sollen bis zu 300 Flüchtlinge tatsächlich hier einziehen. Für Wimmer sind eher 150 bis 200 akzeptabel. „Wer dort lebt, wird drei Mal am Tag mit Essen versorgt. Aus Erfahrungen wissen wir, dass so etwas ab 200 Personen turbulent wird. Mehr geben die Räumlichkeiten nicht her“, sagt Wimmer.

Die größte Herausforderung für Flüchtlinge und Helfer wird sein, so etwas wie einen strukturierten Alltag zu etablieren. Deutschkurse sollen Angeboten werden, Ausflüge werden organisiert, der Kontakt zu Sportvereinen aus der Umgebung wird gesucht. Und Kinder müssen spätestens drei Monate nach der Ankunft im Ankerzentrum in eine reguläre Schule gehen. „All das hilft. Man darf nie vergessen, dass die meisten Menschen wirklich Schlimmes erlebt haben. Aber wir vom Helferkreis haben oft genug gesehen, dass die Arbeit am Ende vom Erfolg gekrönt ist. Die echte Integration fängt erst an, wenn die Menschen aus dem Ankerzentrum herauskommen, weil sie in Deutschland bleiben dürfen“, sagt Wimmer.

In der Zwischenzeit stehen das Konzept der Ankerzentren weiter in der Kritik. Grüne, SPD und Linke forderten im Münchner Stadtrat bereits das Ende der Ankerzentren. Auch der Kreisjugendring München-Stadt spricht sich für derem Schließung aus. 

mh

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