„Das Glück liegt jenseits der Komfortzone“

Naturfotograf Markus Mauthe über Strapazen für das perfekte Bild

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Markus Mauthe bereist die Welt, um die Schönheit unseres Planeten einzufangen.

Naturfotograf und Umweltschützer Markus Mauthe hat die Welt bereist. Für sein Projekt „Naturwunder Erde“ hängte er sich 14 Mal die Fotoausrüstung um und hat die Schönheit der Erde eingefangen. Mit seinen Fotos, entstanden auf sechs Kontinenten, formuliert er eine Liebeserklärung an die Erde. Das Ergebnis zeigt er im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace innerhalb von drei Jahren rund 300 Mal in Deutschland. Auch am Dienstag, 5. Dezember, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Trudering, Wasserburger Landstraße 32. Der Eintritt ist frei.

Naturfotograf, ein Traumjob? 

Ich erfülle mir damit meine eigenen Sehnsüchte und Träume und bin jeden Tag dankbar dafür. Der Vorteil ist, dass ich die Welt sehe und viel auf Reisen bin – das ist gleichzeitig aber auch der Nachteil. Ich habe mich eben für ein unkonventionelles Leben entschieden.

Was nehmen Sie sich aus ihrem Job für ihr Leben mit? 

Ich brenne für das, was ich tue. Außerdem sehe ich alles, was ich erlebe – ob positiv oder negativ – als Erfahrung an. Sei es, eine Woche lang im Tarnzelt zu warten, um ein Foto von den scheuen Gazellen in der Mongolei zu machen oder mit 20 Kilo Gepäck innerhalb von zwei Wochen 5000 Meter einen Berg auf- und abzusteigen. Ich erinnere mich, wie ich mich mit offenen Wunden an Füßen und Beinen länger als zwei Wochen durch den Dschungel kämpfte. Rückblickend kann ich stolz sagen, dass ich ein gewisses Durchhaltevermögen und einen sehr starken Willen habe.

Was war für Sie das Härteste, das sie gemacht haben? 

Als ich über das Konzept zu „Naturwunder Erde“ nachgedacht habe, war mir von Anfang an klar, dass ich keine fotografische Hommage über unseren Planeten umsetzen kann, wenn ich das Element Wasser ausspare. Immerhin sind 70 Prozent unserer Welt mit Ozeanen überzogen, und diese sind die artenreichsten Ökosysteme überhaupt. Leider habe ich großen Respekt vor Wasser und war mir unsicher, ob ich in der Lage sein könnte, diese Wasserscheue zu überwinden. Dann habe ich aber allen Mut zusammengenommen und einen Tauchkurs gemacht. Bei acht Grad Wassertemperatur habe ich dann die Unterwasserwelt Palaus fotografiert und wunderschöne Fotos von einem Walhai, Quallen und einem Schwarm Barrakudas gemacht. Ich bin selbst davon beeindruckt, diese mit meiner persönlichen leicht angstbesetzten Vorgeschichte habe fotografieren zu können (lacht).

Wie geht das, wie verschieben Sie Ihre eigenen Grenzen? 

Ich glaube, dass das Glück jenseits der eigenen Komfortzone liegt. Man kann oft viel mehr machen als man denkt. Es ist aber immer wieder ein Austarieren, wie weit ich selbst gehe. Es geht auch darum, Grenzen zu respektieren. Ich vertraue da komplett meinem Bauchgefühl. Denn im Großen und Ganzen geht es auch darum, wieder gesund von einer Reise zurückzukehren.

Was bedeutet Ihnen Geld? 

Am Ende meines Lebens will ich nicht als reicher Mann sterben, ich möchte reich gelebt haben. Ich genieße jeden Tag, jedes Jahr. Ich bin sehr dankbar dafür. Ich glaube, der Hauptfehler von den Menschen ist es, dass sie sparen und knauserig sind. Wenn sie alt sind, sind sie jedoch verlebt, so dass sie gar nicht, was die damit anfangen können.

Was würden Sie anderen Menschen raten?

Lasst Eure Träume zu. Versucht, sie umzusetzen, und glaubt an Eure Ideen. Und wichtig ist auch, nicht zu schnell die Hoffnung zu verlieren. Denn es ist auch harte Arbeit und man muss an dieser einen Sache dran bleiben. Ich glaube leider, das ist der Knackpunkt bei vielen. Sie haben zu wenig Ausdauer. Wenn man was werden will, dann muss man da mit Leidenschaft rangehen, und man muss sagen: ich kann das, ich will das, ich mach das – Mittelmaß schadet da.

Es gibt aber auch Menschen, die nicht unbedingt den großen Traum haben. Was können Sie diesen Menschen raten? 

Es kann äußerst bereichernd sein, sich mit dem Wagnis und dem Risiko bedingt durch das Überschreiten der eigenen Komfortgrenze auseinanderzusetzen. Jeder Mensch hat seine eigene Grenze. Das muss nicht heißen, aus dem Flugzeug zu springen. Es geht darum, seine Bequemlichkeit abzulegen. Mut zu haben, etwas anders zu machen oder auch, sich seinen Ängsten zu stellen.

Welche Reise hat Sie am meisten berührt? 

Ich war beeindruckt von Patagonien. Hinter den beiden markanten Bergen, dem Fitz Roy und dem Cerro Torre, an der Grenze zwischen Argentinien und Chile liegt die größte Eisfläche außerhalb der Arktis und Antarktis. In diesem eisigen Weiß gibt es keine Spuren des Menschen, keine Lichter, keine Luftverschmutzung. Hier erlebt man die Erde noch pur. Wir waren genau bei Vollmond dort und das war eines der Highlights in meinem Leben: Dabei zu sein, wenn der Mond dort aufgeht und die Spitze der Berge bescheint. Gewaltig.

Leopard in the Savanna in Tanzania

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