Glosse: HALLO-Redakteurin Verena Rudolf und ihre Erfahrungen im Homeoffice

Der Nachwuchs, Corona und die Nudeln

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Durch die Hamsterkäufe sind die Regale in Supermärkten derzeit leergeräumt. 

Nachdem eine Mutter den ersten Schreck, dass die Schulen in Bayern nun bis zum 20. April geschlossen haben, verdaut hatte, gestand sie der anderen: „Weißt du, was das Schlimmste ist? Ich muss jetzt fünf Wochen lang kochen!“

Manche mögen sich denken, da müssen Eltern nun mal durch. Wer ein Kind in die Welt setzt, trägt auch Sorge dafür, dieses mit Essen zu versorgen und ihm täglich mindestens eine warme Mahlzeit anzubieten. Doch wer ein Kind hat, das sehr heikel ist, der war bislang froh, dass Sohn oder Tochter im Kindergarten, im Hort oder in einer Mittagsbetreuung das eine oder andere Grün auf dem Mittagsteller akzeptierte.

„Ich will aber nicht diese Nudeln!“, verkündet der Nachwuchs schon beim ersten Mittagstisch im neuen Corona-Alltag daheim. Nun geht es darum, ruhig und besonnen zu erklären, dass es die gewohnte Nudelsorte nicht mehr gab. Dass das Regal komplett leergeräumt war. Man will die Kinder ja nicht beunruhigen. „Gut, wenn es keine Nudeln mehr gibt, dann will ich Spätzle!“ Es gab gestern im Supermarkt aber auch kein Mehl mehr.“ Warum eigentlich? Beginnen nun alle daheim zu backen? Wenn die Eltern Homeoffice machen und die Schüler Homeschooling, gibt es dann nachmittags einen selbstgebackenen Kuchen? Man soll ja ohnehin möglichst viel daheim bleiben. Kuchen-Essen wäre da eine gute Möglichkeit, die Zeit zusammen gut rum zu bringen.

Familien stehen in den kommenden Wochen vor großen Herausforderungen. Zusammen durch gute und schlechte Zeiten, heißt es. Vielleicht ist es ja auch mal eine wertvolle Erfahrung für die Generation unserer Kinder, dass es nicht alles im Überfluss und immer genau diese eine Lieblingssorte zu essen gibt? Dass Improvisation gefragt ist. Dass man einfach mal Kartoffeln anstatt Nudeln probiert, sie könnten ja wider Erwarten schmecken. Aber wie will man dem Nachwuchs pädagogisch wertvoll erklären, dass man beim Hamstern (das Wort Einkaufen wurde im neuen Corona-Sprachwortschatz durch diesen Begriff ersetzt) sämtliche Supermärkte in der Umgebung abklappert, bis endlich noch eine Seife ergattert werden kann. Für Seife nämlich gibt es leider keine Alternative. Und Ausreden, warum sich ein Kind gerade ganz schlecht die Hände waschen kann, gelten im Moment überhaupt nicht.

Verena Rudolf

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