...denn die Welt wird nicht von Zuschauern gerettet

Mutter und Tochter Pouvreau im Bezirksausschuss Trudering-Riem

Mutter und Tochter Pouvreau sind neu in den Bezirksausschuss Trudering-Riem gewählt worden.
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Mutter und Tochter Pouvreau sind neu in den Bezirksausschuss Trudering-Riem gewählt worden.

Trudering-Riem – Eigentlich hatte Elise Pouvreau an diesem Abend einfach nur nichts Besseres vor. Ihre Zeit als Au-Pair in Mailand war nicht wie erhofft verlaufen. Wieder zurück in München stand nichts auf der Tagesordnung. Also entschied sich die 18-Jährige an jenem Abend dazu, ihre Mutter zu begleiten. Die Grünen stellten ihre Liste für die anstehenden Kommunalwahlen zusammen. Dann dauerte es nicht lange, bis sich beide auf der Liste wiederfanden. Und nun sitzen sie – mehr oder weniger unerwartet – zu zweit im neuen Bezirks­ausschuss (BA) Trudering-Riem. Und über ihr großes Ziel muss zumindest Elise Pouvreau nicht lange nachdenken: „Es geht darum, die Welt zu retten.“

Sie sagt das mit einem Lachen im Gesicht, aber als Witz ist der Satz keineswegs gemeint: „Wenn ich nachts an die Klimaerwärmung denke, habe ich tatsächlich Probleme einzuschlafen.“ Elise Pouvreau wagt den Schritt, von einer engagierten Vertreterin der Fridays-for-Future-Bewegung in die Politik. Im Wissen, dass es hier vor allem kleinere und überschaubare Probleme sind, mit denen sich ein Gremium wie der Bezirksausschuss beschäftigt. Aber eben auch Themen, bei denen die Gewählten schnell einen echten Unterschied machen können. So wie es ihre Mutter Ruth Pouvreau bereits jahrelang vorgemacht hat. Vor dem Umzug, als die Familie noch in Giesing wohnte, war sie Mitglied im dortigen Bezirksausschuss.

Die ersten Wochen nach der Wahl in Trudering nun hätten für die Grünen spannender kaum sein können. Nachdem die SPD bei der Frage des BA-Vorsitzenden mit der CSU stimmte statt mit den Grünen eine neue Mehrheit zu demonstrieren, musste eine gemeinsame Reaktion gefunden werden. „Das hatte schon eine spannende Dynamik. Wir fanden die Lage insgesamt elend, aber sollten wir uns nun schmollend verweigern?“, erinnert sich Ruth Pouvreau, die im Beruf das ist, was ihre Tochter auch irgendwann werden will: Lehrerin. Eine Rolle, in der sie während der Corona-Krise mit ansehen muss, dass es nicht nur um die Gesundheit geht: „Die Schere innerhalb der Klassen geht auseinander. Viele können selbstbestimmt lernen und arbeiten. Aber manche können das eben nicht. Und die driften jetzt spürbar ab!“

Manchmal können Probleme des Bezirks eben doch einfacher gelöst werden. Schon während der konstituierenden Sitzung wurde deutlich, dass die Grünen ihren Frieden mit der Situation gemacht haben. Die Themen sollen wichtiger sein als strategische Machtspiele. Und das Mutter-Tochter-Gespann will gleich zu Beginn nicht nur zuschauen und lernen, sondern anpacken. Elise Pouvreau wollte nach der Absage des Oktoberfests ein Volksfest für die Jugend auf die Beine stellen – was allerdings in Zeiten von Abstandsregelungen noch auf die Wartebank geschoben wird. Neben den Belangen ihrer Generation ist vor allem der Ausbau des Fahrradwegnetzes für sie ein großes Thema. Ihrer Mutter ist unterdessen der Müll im Riemer Park ein Dorn im Auge. Ihr schwebt ein „permanentes Ramadama“ vor, bei dem Spaziergänger am Wegesrand Utensilien ausleihen können, um Müll dorthin zu tragen, wo er hingehört. Außerdem denkt sie an eine neue Sitzordnung im BA, um die Kommunikation zu verbessern.

An Ideen und Tatkraft mangelt es beiden also nicht. Aber wo bleibt der Generationenkonflikt, die Auseinandersetzung der Jugend mit den eigenen Eltern? Wäre es nicht ein Akt der Rebellion gewesen, selbst nicht auch bei den Grünen aktiv zu werden, sondern vielleicht... vielleicht bei der CSU? „Nein, das stand nie zur Debatte“, sagt Elise Pouvreau lachend. Auch so würde es genug Zündstoff in der Familie geben. Zum Beispiel aktuell bei der Frage, ob ein Führerschein zum Leben einer 18-jährigen Klimakämpferin passt. Auch dazu ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Marco Heinrich

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