150 Jahre Max und Moritz

Als Wilhelm Busch nach Trudering kam...

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Ob er sich in Trudering für seine Lausbubengeschichten hat inspirieren lassen? Fest steht, dass der Erfinder von Max und Moritz, Wilhelm Busch, 1859 in dem Ort Station machte. Der eigentlich aus Hannover stammende Künstler übernachtete im heutigen Gasthof Obermeier.

Wie fies ist das denn? Zwei kleine Jungs tyrannisieren ihre Umwelt. Sie sägen die Brücke vor dem Haus des Schneiders an, klauen einer Witwe die Hühnchen vom Ofen, sie füllen Schießpulver in die Pfeife des Lehrers und schneiden Löcher in Säcke des Müllers. Irgendwann ist Schluss mit lustig und den beiden geht’s an den Kragen.

Zum Glück sind die gemeinen Streiche nur eine Geschichte. Sie heißt „Max und Moritz“. Der Zeichner und Schriftsteller Wilhelm Busch hat sie sich vor genau 150 Jahren ausgedacht und gezeichnet. Sein Buch erschien Ende Oktober 1865 zum ersten Mal.

Wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!“

Ein paar Jahre vorher war Wilhelm Busch in Trudering, das damals noch ein eigener Ort war. Im Jahr 1859 zur Kirchweih hat er nachweislich im heutigen Gasthof Obermaier im Ortskern übernachtet. Wahrscheinlich war Wilhelm Busch, der am 15. April 1832 in Nähe von Hannover geboren wurde, da auf dem Weg nach München. Dort hat er ab 1854 Kunst studiert. Sein Vater träumte eigentlich von einem seriösen Beruf für seinen Sohn. Aber das Maschinenbau-Studium hat Busch nach ein paar Jahren geschmissen. Maler ist er dann aber auch nicht geworden. Denn vor lauter Ehrfurcht vor den großen Meistern wagte er sich nicht an die Leinwand. Stattdessen unterhielt er sein Publikum mit schnellen, witzigen Karikaturen auf Bierdeckeln. Das entdeckte ein Münchner Verleger. Er gab ihm Aufträge für seine beiden humoristischen Zeitschriften „Fliegende Blätter“ und „Münchener Bilderbogen“. Dafür hat Wilhelm Busch dann Geschichten gedichtet und gezeichnet. Diese Verbindung von Bild und Text hatte es bis dahin nicht gegeben. Weshalb Wilhelm Busch quasi als einer der Großväter der Comics gilt. Der Verleger hat dann später auch „Max und Moritz“ veröffentlicht – nachdem der Chef eines anderen Verlags die bösartigen Streiche abgelehnt hatte. Pech gehabt, denn aus „Max und Moritz“ ist eines der bekanntesten deutschen Bücher geworden.

„Dieses war der erste Streich, und der zweite folgt sogleich“

Bis heute wurde es in rund 300 Sprachen und Dialekte übersetzt. Dabei hat man Texte und Namen entsprechend angepasst. Aus den deutschen „Äpfel, Birnen und Zwetschgen“ wurden auf Neuguinea „Büchsenfleisch und Bananen“. Und statt „Max und Moritz“ heißen die Jungs in Portugal „Juca e Chico“. Außerdem gehören einige Reime inzwischen ganz normal zu unserem Wortschatz. In Perlach gibt es übrigens auch eine Wilhelm-Busch-Realschule. Getreu dem Motto aus „Max und Moritz“: „Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“

Carmen Ick-Dietl

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