Aufregung um Gewerbegebiet

Es darf gebaut werden

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Die vier neuen Gewerbebauten am Rappenweg sollen über die Gronsdorfer Herzogstandstraße erschlossen werden. Für Bürgermeisterin Gabriele Müller eine „unzumutbare Mehrbelastung der Haarer Bürgerschaft“.

Seit mehr als 30 Jahren verhindert eine einzige Grundstückbesitzerin, dass das ungenehmigte Gewerbegebiet am Rappenweg geordnet werden kann. Nun darf sie selbst dort vier gewerblich nutzbare Gebäude mit Stellplätzen errichten – offiziell genehmigt von der Landeshauptstadt. Sturm dagegen läuft vor allem die Gemeinde Haar, über deren Gebiet die Erschließung erfolgen soll und die ihre Ortsentwicklungspläne in Gefahr sieht.

Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs (VG) vom November 2013 sorgt derzeit für Aufruhr im Haarer Rathaus. Darin hatte der VG einer Grundstückeigentümerin am Rappenweg Recht gegeben und der Landeshauptstadt auferlegt, eine Baugenehmigung für vier Gewerbebauten zu erteilen – was nun passiert ist. Deshalb ist Oberbürgermeister Dieter Reiter jetzt auch Post aus dem Haarer Rathaus ins Haus geflattert. Denn die Baugenehmigung für die vier Gewerbebauten am Truderinger Rappenweg, direkt an der Grenze zum Haarer Ortsteil Gronsdorf, hat Bürgermeisterin Gabriele Müller auf den Plan gerufen. Sie befürchtet eine Beeinträchtigung der Anwohner an der Herzogstandstraße und eine Behinderung der weiteren Entwicklung der Gemeinde.

Müller sieht „dringenden Handlungsbedarf seitens der Landeshauptstadt München“. Die Umsetzung der Baugenehmigung würde die Errichtung einer durchgehenden Straßenverbindung durch eine Weiterführung des Rappenwegs nach Osten bis zur Schneiderhofstraße unmöglich machen. Damit werde auch eine Erschließung des der Stadt München gehörenden Grundstücks in Gronsdorf verhindert. Nicht hinnehmbar für die Gemeinde Haar: „Ich bitte um Verständnis, dass die Gemeinde Haar diese Baugenehmigung nicht reaktionslos zur Kenntnis nehmen kann und den Gerichtsweg dagegen einschlagen muss. Zu einschneidend sind die Auswirkungen auf unsere interkommunal angestimmten Planungsabsichten“, schreibt Müller dem Münchner Oberbürgermeister.

Weiter fordert die Haarer Bürgermeisterin ihren Parteifreund Reiter auf, die seit Jahrzehnten erfolglos geführten Grunderwerbsverhandlungen mit der streitbaren Grundstückseigentümerin endlich zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Gemeinsames Handeln sei erforderlich. „Auch wenn der Gerichtsentscheid unsere Verhandlungsbasis geschwächt hat, wissen wir jetzt, wie wir dran sind. Ich bin überzeugt, dass wir im Schulterschluss den Durchbruch schaffen“, erklärt Müller.

Einen Versuch, Bewegung in die jahrzehntelang erfolglosen Bemühungen um eine Lösung des Problems Gewerbegebiet Rappenweg zu bringen, hatte es zuletzt 2013 gegeben. Damals hatte der Bezirksausschuss Trudering-Riem die Idee ins Spiel gebracht, am Rappenweg statt der Gewerbebauten Wohnungen zu errichten. Ein Vorstoß, der allerdings schon nach kurzer Zeit scheiterte: Das Planungsreferat der Landeshauptstadt stellte fest, dass die dort befindliche ehemalige, verfüllte Kiesgrube bin in eine Tiefe von 19 Metern zum Teil erheblich mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Schwermetallen und Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) verunreinigt ist. Außerdem wurden in der Bodenluft leichtflüchtige aromatische (BTX) und leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW) festgestellt. Auch eine explosive Entdeckung machte die Stadt damals. An manchen Stellen wurde in der Bodenluft ein Methangehalt über der Explosionsgrenze nachgewiesen. Das Gemisch wurde damals als zu „fett“ um zu explodieren eingestuft, was sich bei entsprechender Verdünnung mit Luft aber ändern könne. Eine Sanierung des Geländes sei, so die Stadt damals, zu aufwändig und teuer.

Aktuell ist der Rappenweg auch Thema einer Stadtratsanfrage der Fraktion Bürgerliche Mitte Freie Wähler/Bayernpartei. Die Fraktion fordert Informationen zum aktuellen Sachstand über die Verhandlungen der Landeshauptstadt mit privaten Grundstückseigentümern, zu Anzahl von Betrieben und Bauten auf dem Gelände und zu einem möglichen Bestandsschutz. Außerdem will Initiator Stadtrat Johann Altmann wissen, wie die langfristigen Pläne der Landeshauptstadt für eine Bebauung des Grundstücks an der Schneiderhofstraße aussehen, und ob die Chance genutzt wird, dort dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.

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