Ruhiger und gewaltloser Rückzugsort

Lourdes-Grotte im Truderinger Wald wird Denkmal

Die Truderinger Mariengrotte soll bayerisches Baudenkmal werden.
+
Die Truderinger Mariengrotte soll bayerisches Baudenkmal werden.

Die Lourdes-Grotte im Truderinger Wald nahe der Fauststraße wird in die Denkmalliste eingetragen. Sie ist laut Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege ein Rest des ehemaligen „Kardinal-Faulhaber-Walderholungsplatzes“ und stammt aus dem Jahr 1933.

„Lourdes-Grotte mit Marienfigur im Strahlenkranz, parabolisch geöffnete Konche aus Natursteinen, 1933“; Rest des ehem. Kardinal-Faulhaber-Walderholungsplatzes, FlstNr. 593 (Gemarkung Trudering)“ wird es künftig etwas umständlich in der Liste der Baudenkmäler Münchens heißen. Dort wird das Landesamt für Denkmalpflege nämlich die Grotte eintragen, die seit 1933 im Truderinger Wald nahe der Fauststraße steht.

Laut Landesamt hat diese volkstümliche Statue eine geschichtliche Bedeutung, denn sie ist Rest eines christlich inspirierten Erholungsbereichs. Derartige Einrichtungen gab es während der Weimarer Republik häufig, betrieben wurden sie oftmals von politischer Seite, sowohl von rechten als auch von linken Parteien. Manchmal nahm man in solchen Anlagen auch paramilitärische Ausbildungen vor.

Welche Aktivitäten sich am Kardinal-Faulhaber-Walderholungsplatz abspielten, ist nicht überliefert. Anzunehmen ist jedoch wegen der christlichen Prägung des Bereichs, dass Familien dort friedfertig die Natur genossen. Der Walderholungs- und -spielplatz ist von Handwerksleuten und einer Gruppe der Caritas auf Veranlassung der Katholischen Elternvereinigung Münchens angelegt worden. Das acht Tagwerke große Gelände war umzäunt, eine Baracke mit Wasseranschluss stand darauf. Am 26. Juni 1932 weihte Kardinal Faulhaber die Anlage ein, diese erhielt seinen Namen. Die Muttergottesfigur war damals schon auf dem Areal aufgestellt, die fünf Meter hohe Grotte aus Natursteinen und grobem Beton wurde 1933 errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Walderholungsplatz zerstört, was übrig blieb geplündert. Nur für die Grotte mit Marienfigur hatte wohl niemand Verwendung.

„Die Lourdes-Grotte als Rest dieser Gesamtanlage ist somit ein Zeugnis für das Bemühen der kirchlichen Institutionen am Ende der Weimarer Republik, einen ruhigen, gewaltlosen Rückzugsort zu bieten“, so das Landesamt für Denkmalpflege. Es weist der Truderinger Lourdes-Grotte auch eine volkskundliche Bedeutung zu. „Sie gehört zu einer Reihe von Lourdes-Grotten, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in Bezug auf die ursprüngliche Lourdes-Grotte an vielen Orten geschaffen wurden“, erklären die Denkmalschützer. Aufgrund der geschichtlichen und volkskundlichen Bedeutung des Objekts erfülle es die Kriterien der Denkmalwürdigkeit, sein Erhalt sei im öffentlichen Interesse.

Die Untere Denkmalbehörde der Landeshauptstadt München hatte das Landesamt gebeten, die Grotte auf ihre Denkmaleigenschaften zu prüfen. Wenn bis Ende des Monats niemand fachlich begründete Einwände erhebt, wird das Objekt in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. 

Gabriele Mühlthaler

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare