„Eine neue Verkehrsführung muss sich durchsetzen“

Letzte Detailfragen zur Ortskernsanierung in Trudering

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Die Fußwege im neuen Truderinger Ortskern sollen breiter, die Straßen schmaler werden. Diese Aussichten sorgen beim Gewerbeverband für Unruhe.

Der Münchner Stadtrat hat die Umgestaltung des Truderinger Ortskerns beschlossen. Damit können die Baumaßnahmen Mitte des Jahres 2020 beginnen. Detailfragen müssen allerdings noch geklärt werden, denn der Eigentümerverband sorgt sich um die Verkehrssituation, die nach der Sanierung vorherrschen soll.

Trudering – Es gibt viele Gründe, warum die Dinge rund um die Eisinsel nicht einfach so bleiben sollten wie sie sind. „Die Straße ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, erklärte Selma März vor einem halben Jahr. Seit 2013 treibt sie das Projekt Ortskernumgestaltung Trudering zusammen mit Stadtteilmanager Christoph Heidenhain voran. Der Grund: „Es gibt sehr wenig Grün, keinen Radweg, keine Sitzgelegenheiten. Außerdem heizt sich die Umgebung im Sommer sehr auf und wir haben eine hohe Feinstaubbelastung.“ All das soll der neue Truderinger Ortskern ändern. Und mit dem Beschluss des Stadtrats vergangene Woche wird das von vielen langersehnte Projekt nun endlich Wirklichkeit. Bereits Mitte des Jahres 2020 soll mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Doch nicht alle sind glücklich darüber. Es gibt Anwohner, die den Umbaumaßnahmen mit Besorgnis entgegensehen. Allen voran die Vorsitzende des Gewerbe- und Eigentümerverbands (GETV), Brigitte Fieger.

Denn ein zentraler Punkt des neuen Ortskerns soll auch die Verkehrsberuhigung sein. „Nicht jedes Auto ist ein potenzieller Kunde. Tatsächlich handelt es sich bei 50 Prozent um reinen Durchgangsverkehr“, sagte Heidenhain. Am Zu Beginn der Überlegungen wurde sogar über eine reine Fußgängerzone nachgedacht, aber Verkehrsberechnungen zeigten schnell, dass das umliegende Straßennetz das nicht auffangen könnte. So muss also eine Reduzierung von zwei auf eine Spur genügen. Eine Halbierung des Verkehrs soll das bringen. Und der dabei frei werdende Platz soll für Fußgänger genutzt werden.

Die Mitglieder des GETVs sind allerdings besorgt darüber, dass die Kreuzung für den Autoverkehr dann zu schmal wird. Sie haben Bedenken, dass es auf der Schmuckerwegbrücke zu noch mehr Rückstau kommt als bisher schon. „Im Durchschnitt kommen jetzt nur drei bis vier Rechtsabbieger über die Kreuzung, wenn die Ampel grün ist, da zur gleichen zeit auch die Fußgänger Grün haben. An dieser Stelle stehen die Autos sowie der Bus also eh schon lange“, sagt die Vorsitzende des GETV, Brigitte Fieger. Ihr Vorschlag ist es, die rechte Abbiegespur, die eigentlich wegfallen soll, zumindest für Fahrräder bestehen zu lassen. „So hätte man noch eine weitere Spur, falls ein Rettungswagen oder die Polizei mal durch muss“, sagt sie. „Wenn wir merken, dass es auch ohne die Spur funktioniert, schadet sie nicht, und falls es doch zu großem Rückstau kommt, wäre ein Rückbau schnell und kostengünstig durchgeführt“, glaubt sie.

Als Vertreterin des GETV fordert sie, die städtischen Verkehrsbetrachtungen komplett offenzulegen sowie von einem unabhängigen Gutachter überprüfen zu lassen. Damit würde sich die Umgestaltung allerdings noch weiter hinauszögern. „Außerdem geht es hierbei letztlich nur noch um Detailfragen“, erklärt Stadtrat Herbert Danner (Foto), der sich seit 2008 für die Umgestaltung des Ortskerns einsetzt. Diese Detailfragen sollen nun im Zuge der weiteren Maßnahmen geklärt und das Vorhaben, wenn erforderlich, dahingehend angepasst werden. So könne man auf dem verbreiteten rechten Freiraum durchaus immer noch eine Fahrradspur markieren.

Grundsätzlich kann Danner die Bedenken des GETV zwar verstehen, er sagt aber auch: „Durch die neue Lösung werden wir das Problem mit den Rückstaus nicht auflösen können, letztlich muss sich eine neue Verkehrsführung durchsetzen.“ Autofahrer sollten künftig von der Messestadt in südlicher Richtung nicht immer nur das Mitterfeld nehmen, sondern sich auch über den Hüllgraben und den Schatzbogen ihre Wege suchen. „Das übergeordnete Ziel war schon immer, deutlich weniger Kfz-Verkehr im Ortskern zu haben. Sonst funktioniert die Ortskernumgestaltung nicht“, betont Danner. „Die Autofahrer müssen sich in den ein bis zwei Jahren, in denen die Baustelle besteht, sowieso umorientieren und neue Wege finden“, erklärt er. Diese sollten sie dann nach Möglichkeit auch beibehalten, wenn der neue Ortskern fertig ist. Klar sei jedenfalls: „Wenn wir keine Veränderung im Mobilitätsverhalten erreichen, scheitert auch das Konzept Ortskernsanierung.“ 

Lydia Wünsch

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