Gemeinsam die Magie der Geschichten erleben

Die Lesenächte für Kinder im 65° Ost in Riem

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„Thomas, was ist das für ein Buch? Wann fangen wir endlich an?“, fragt ein kleiner Junge im blauen Shirt, während er Hals über Kopf den Aufstieg an der Kletterwand wagt. Kinder drängen ungeduldig in den Raum, Hektik kommt auf. Thomas Rietschel, Projektleiter des Quax in München-Riem, wird neugierig von den 18 anwesenden Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren umringt. Jeden letzten Freitag des Monats findet im 65° Ost, einer Filiale des gemeinnützigen Vereins Echo, die Lesenacht für Kinder von sechs bis zwölf Jahren statt. Von 19.30 Uhr bis 22 Uhr heißt es laut Rietschel dann: „Zeit für Kinder – Eltern müssen draußen bleiben.“ In dem kunterbunten Raum mit farbbeklecksten Tischen, Bastelzeug und riesigen Bücherregalen an drei Wänden betrachten zwei Mädchen kritisch die neun ausgelegten Bücher – diesmal zum Thema Gruselgeschichten. Sie lümmeln sich auf die beiden blauen Sofas, direkt vor einer der Bücherwände an der Stirnseite des Zimmers.

Gemütlich ist es

Obwohl es draußen schon dunkel ist, sind die anwesenden Kinder alle putzmunter und klettern begeistert auf der großen Spielburg in der Ecke herum, die vom Fußboden bis zur Zimmerdecke reicht und mit bunten Klettergriffen bestückt ist. Über einen Eingang in der Außenwand führt eine hölzerne Leiter in die erste Etage der Spielburg. Oben angekommen, stecken die Kinder neugierig die Köpfe über den Rand des aufgemalten Waldes und betrachten das Geschehen um den aufgebauten Büchertisch. Der Eintritt zur Lesenacht ist frei und viele der Kleinen sind hier jeden Monat, kennen Thomas Rietschel schon länger und fühlen sich augenscheinlich pudelwohl in ihrer Umgebung. „Wer mag die Gespensterjäger?“, fragt er in die Runde. „Ich, ich, ich!“, kommt die Antwort prompt von allen Seiten. Die Bücher des Abends werden nach Themen und Alter der anwesenden Kinder ausgewählt – mitgebrachter Lesestoff ist aber auch herzlich willkommen! Wer nicht die ganze Zeit über zuhören möchte, kann sich in die mit Bäumen und Bergen bemalte Burg zurückziehen und selbst lesen.

Nach eineinhalb Stunden gibt es heißen Kakao und kleine Snacks von einem der zwei Betreuer der Lesenacht, bevor die Kinder sich wieder mit Kuscheltieren auf die Couch zurückziehen oder auf dem grasgrünen Teppich am Boden fläzen.

Vorlesen hilft

Aus einer Studie der Stiftung Lesen geht hervor, dass 80 Prozent der Kinder mit Vorleseerfahrung leichter selbst lesen lernen – und die anwesenden Kinder dürfen natürlich auch selbst vorlesen, wenn sie wollen. Dabei haben Mädchen generell ein höheres Interesse am Lesestoff als Jungen, was sich aber nicht bei der Lesenacht im 65° Ost widerspiegelt. Sowohl Jungen als auch Mädchen luren gespannt zu den Büchern und können gar nicht erwarten, dass es endlich losgeht. Der Trend beim Lesen im Vergleich zu früher hat sich nicht stark verändert, die äußere Form der Bücher dagegen schon. Besonders E-Reader als elektronischer Kompromiss zwischen Buch und Handy gewinnen aufgrund der leichten Handhabung immer mehr an Popularität, obwohl das gedruckte Buch genau wie im Lesezimmer des 65° Ost immer noch einen Großteil des Lesestoffs einnimmt.

„Kennt ihr die Geschichte von Jack O‘Lantern?“, fragt Thomas Rietschel in die Kinderrunde und ein kleiner Junge meldet sich begeistert. Fachlich erörtern sie gemeinsam den Ursprung des Halloween-Festes aus Irland, bevor es nun endlich losgehen kann. Leises Geflüster ist noch aus der Burg links hinten zu vernehmen, während Thomas Rietschel seine Brille zurecht rückt. Aber alles wird still, als er sich in der Mitte des Lesekreises auf einem kleinen hölzernen Tisch niederlässt, nach einem der Bücher greift und endlich zu lesen beginnt. 

Victoria Herz

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