Umfahrung lässt noch Jahre auf sich warten

Laut Zählung stagnierender Verkehr in Kirchtrudering

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In keiner deutschen Stadt stehen die Bewohner mehr im Stau als in München.

Eine Verkehrszählung an den neuralgischen Kreuzungen in Kirchtrudering kommt zum Schluss, dass die Zahl der Fahrzeuge stagniert oder rückläufig ist. Der Truderinger Bezirksausschuss (BA) hatte die Ergebnisse der Zählung angefordert und nachgefragt, wie es mit der Realisierung der beschlossenen „Umfahrung Kirchtrudering“ steht.

Theorie und Wahrnehmung passen nicht zusammen, wenn man den Ergebnissen einer Verkehrszählung vom 4. Juli 2017 glaubt, welche die Maßnahmenträger München-Riem GmbH (MRG) im Auftrag der Stadt durchgeführt hat. Dort heißt es: „Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die Verkehrsbelastungen in den letzten fünf bis zehn Jahren eher stagnieren oder rückläufig sind.“ Drei Knotenpunkte standen im Visier der Zählung: Die Einmündung der Joseph-Wild-Straße in die Straße Am Mitterfeld, der Knotenpunkt Kirchtruderinger Straße/Mitterfeld/Schmuckerweg und die Kreuzung zur Schwablhofstraße/Friedenspromenade. An letzterer ist laut Erhebung zwischen 2012 und 2017 die Belastung um etwa 2000 Autofahrten am Tag zurück gegangen Während demnach die Werte an der Friedenspromenade mit 13.000 Fahrten pro Tag konstant blieben, stieg die Frequenz an der Schwablhofstraße um 2000 Fahrten in 24 Stunden. Für die Einmündung der Joseph-Wild-Straße ins Mitterfeld konstatierten die Zähler eine gleichbleibende Belastung seit 2012. Lediglich am Knotenpunkt Kirchtruderinger Straße/Mitterfeld/Schmuckerweg wurden laut Planungsreferat geringfügige Steigerungen festgestellt. Die liegen laut Zählung zwischen 2009 und 2017 bei weniger als 1000 Fahrten pro Tag und fallen somit „in den Bereich der üblichen Schwankungen, wie sie auch bei Zählungen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auftreten können“.

Im Truderinger Bezirksausschuss sah man die städtischen Ausführungen mit gemischten Gefühlen. Während Herbert Danner (Grüne) erklärte: „Nach diesen Zahlen sehe ich die Notwendigkeit der Umfahrung nicht!“, berichtete Sebastian Schall (CSU) aus eigener Erfahrung, dass die Situation seit fünf Jahren immer chaotischer werde. „Ich bin dort sehr oft unterwegs und die Kreuzung Kirchtruderinger Straße/Mitterfeld ist definitiv überlastet!“ Gleiches bestätigte eine Bürgerin. „Die Autoschlange steht von der Kreuzung weg bis zur Kirche und man wartet mehrere Grünphasen, bis man endlich passieren kann“, klagte sie. Herbert Danner zeigte kein Verständnis für das Problem. „Ich stehe da nie im Stau mit dem Rad! Ich komme immer bei der ersten Grünphase durch, man braucht nur das richtige Verkehrsmittel!“ so der Grüne. Was die Umfahrung Kirchtrudering betrifft, die laut Stadtratsbeschluss von 2014 eher eine Erschließungsstraße der Arrondierung Kirchtrudering – des fünften Bauabschnitts Messestadt — werden soll, wird die Realisierung noch dauern. Der Großteil des Areals gehört der Stadt, die rund 20 anderen Grundbesitzer haben Mitwirkungsbereitschaft bei der Aufstellung des Bebauungsplans signalisiert und teils Verkaufsverhandlungen mit Bauträgern aufgenommen. Als nächsten möglichen Schritt im Verfahren stellt die Stadt für 2018 eine Machbarkeitsstudie in Aussicht. Weitere Jahre werden fürs Bebauungsplan-Verfahren ins Land gehen, sodass die Bagger vor 2021 nicht anrollen werden.

Gabriele Mühlthaler

Verkehrte Welt in München 

Warum eine Zwangshaft für Minister keine schlechte Idee wäre

In der Stadt des FC Bayern gehört Titelsammeln ja irgendwie zur Kernkompetenz. So blieb das große Echo aus, als München kürzlich zur staureichsten Stadt Deutschlands gewählt wurde – und zur Stadt mit der schlechtesten Luft gleich obendrauf. Unfreiwillig komisch wurde es, als kurzzeitig im Raum stand, dass Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) in Zwangshaft genommen wird, nachdem sich der Freistaat standhaft weigert, Schritte in Sachen Dieselverbot in die Wege zu leiten – obwohl es dazu rechtskräftige Urteile gibt.

Vielleicht sind Verhaftungen ohne anschließendes Besuchsrecht für Lobbyisten tatsächlich die einzige Möglichkeit, die im wahrsten Sinne des Wortes verfahrene Situation um die Münchner Luft zu lösen. Einsame Stunden in einer Zelle könnten jedenfalls größere Wirkungen entfalten als die von der Industrie favorisierten Software-Updates. Und vielleicht kommt ja so mancher Politiker erleuchtet zurück ins Licht der Freiheit. Mit neuen Ideen. Es muss ja nicht gleich ein komplett kostenfrei zu nutzender Öffentlicher Personen-Nahverkehr sein.

Marco Heinrich

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