Kuriose Wendung im Streit um Truderinger Unnützwiese

Grüne fordern Bebauung des Ostparks

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Die Anwohner der Unnützwiese wehren sich heftig dagegen, dass auf einem Streifen der Grünfläche Wohnungen gebaut werden.

Die Stadtrats-Grünen fordern einen drei- bis viergeschossigen Wohnriegel auf dem Gelände der Gemeinschaftsunterkunft an der Heinrich-Wieland-Straße. Dort könnten dann auch die rund 50 geplanten Wohneinheiten der Unnützwiese unproblematisch unterkommen, glauben sie. Allerdings: Das Areal gehört zum Ostpark und gilt offiziell als Grünfläche.

Mehrfach hatten die Wortführer der Bürgerinitiative gegen die geplante Bebauung der Unnützwiese vorgeschlagen, doch einfach die Perlacher Flüchtlingsunterkunft an der Heinrich-Wieland-Straße aufzustocken und das städtische Wohnungsbau-Sofortprogramm „Wohnen für alle“ von Trudering dorthin zu verschieben. Jetzt greift ein aktueller Antrag der Stadtrats-Grünen diese Idee auf – auch wenn der Truderinger Stadtrat Herbert Danner beteuert, diesen Einfall schon wesentlich länger im Kopf gehabt zu haben. „Zu einem Zeitpunkt, in dem solche Flächenkonkurrenzen herrschen, muss man ganz grundsätzlich über solche Ideen nachdenken und sich kreativer bewegen.“

Passend zu diesem Antrag traf fast zeitgleich die Information ein, dass die Regierung von Oberbayern die Unterkunftsanlage an der Heinrich-Wieland-Straße um etwa 100 Plätze erweitern will. Diese Pläne hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben, sie waren jedoch gestoppt worden, als der Flüchtlingsstrom nachließ. Nun sollen sie offenbar reaktiviert werden. Die Grünen regen daher eine Kooperation des Projekts „Wohnen für alle“ mit der Gemeinschaftsunterkunft (GU) an. Beides soll zusammen in einem drei- bis viergeschossigen Festbau an der Heinrich-Wieland-Straße untergebracht werden.

Danner hat dafür nicht nur das Gelände der Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Oberbayern, in der aktuell rund 130 Flüchtlinge untergebracht sind, sondern auch das angrenzende Areal mit der Lagerfläche des Gartenbaureferats und der Baracke des Skiclubs Hochvogel im Visier. Insgesamt ein Grundstück mit einer Größe von 300 mal 80 Metern. Für die derzeitigen und künftigen Bewohner könnte dort eine „gute Wohnsituation“ geschaffen werden, findet der Stadtrat. Abgeschirmt vom Lärm der Heinrich-Wieland-Straße, sich öffnend Richtung Ostpark, hätte man einen deutlich höheren Wohnwert als in der derzeitigen Flüchtlingsunterkunft in einfacher Pavillonbauweise und bei den Häusern auf der Unnützwiese. „Für die, die dort einziehen, ist das der bessere Standort!“ Zudem sei dort die Nachbarschaft „viel unproblematischer“, so der Truderinger Stadtrat.

Da es sich um städtische Flächen handle, hätte man laut Danner eine „zügig verfügbare Fläche“, wenn es mit der Bebauung der Unnützwiese nicht klappe – wovon er ausgeht. Denn: Entweder ergebe das von den Grünen geforderte Rechtsgutachten, dass dort nicht gebaut werden dürfe oder es greife die angekündigte Klage der Bürgerinitiative oder gar das Bürgerbegehren zum Schutz der Grünflächen. „Dann brauchen wir im Umgriff eine Alternative!“

Mit der Bebauung könnte man auch „stückweise ganz im Osten anfangen“, findet Danner, sprich mit Lagerfläche und Skiclub-Baracke. Für den Sportverein finde man auf dem großen Grundstück oder nebenan sicher noch andere Möglichkeiten.

Doch eine schnelle Bebauung, wie sie Danner propagiert, kann es an der Heinrich-Wieland-Straße nicht geben. Das Grundstück liegt im offiziellen Bebauungsplan für den Ostpark und ist als öffentliche Grünanlage plus Stellplätze gewidmet. Tatsächlich steht die GU auf dem ehemaligen Parkplatz der benachbarten Bezirkssportanlage – mit Ausnahmegenehmigung und Befristung. 2010 ersetzten Holzbauten die durchgerosteten Blechcontainer, die Jahre zuvor aufgestellt worden waren, um vietnamesische Boat-People-Flüchtlinge unterzubringen. Die Perlacher hatten dafür damals auf den Parkplatz verzichtet, der jeden Sommer auch als Festplatz genutzt worden war. Aber der offizielle Bebauungsplan wurde dafür nie geändert. Das heißt: Die Grünen fordern eine mehrgeschossige Bebauung für die Grünanlage Ostpark, für die die Stadt entweder eine Befreiung erteilen oder der Bebauungsplan im förmlichen und langwierigen Verfahren geändert werden müsste.

Zudem gibt es am Plan der Grünen einen weiteren, fast schon komischen Haken: Wenn – wie Danner fest glaubt – das Bürgerbegehren zum Schutz der Münchner Grünanlagen Erfolg hat, dann würde es nicht nur die Unnützwiese, sondern auch den Ostpark und somit das Areal an der Heinrich-Wieland-Straße schützen. Carmen Ick-Dietl

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