Der erste kleine Knick in der Krone

Kritik an Haars Bürgermeister nach umstrittener Werbung

Der Haarer Bürgermeister Andreas Bukowski.
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Der Haarer Bürgermeister Andreas Bukowski (l.) mit dem ehemaligen Landtagsabgeordneten Peter Paul Gantzer.

Andreas Bukowski wollte ein Zeichen für Umweltschutz und E-Mobilität setzen. Eine Aktion, die zu einem heftigen Streit im Haarer Gemeinderat führte.

Haar – Wenn im Gemeinderat plötzlich das „Du“ Einzug hält, dann ist das schon mehr als ein Zeichen. Haars Bürgermeister Andreas Bukowski musste in der jüngsten Gemeinderatssitzung allerdings feststellen, dass das keinesfalls bedeutet, künftig ausschließlich von Freunden umgeben zu sein.

Die Kritik entzündete sich an einer HALLO-Anzeige. Bukow­ski hatte sich privat ein E-Auto gekauft. Der Autohändler warb nun mit den Sätzen: „Haars Bürgermeister Dr. Andreas Bukowski setzt ein Zeichen für klimabewusste Mobilität. Mit seinem neuen BMW i3 ist er ab sofort elektrisch und damit absolut emissionsfrei unterwegs.“ Das gefiel vor allem der SPD im Gemeinderat nicht.

Während Fraktionssprecher Thomas Fäth vor allem Verwunderung darüber ausdrückte, dass Bukowski das Amt des Bürgermeisters für Werbezwecke nutzt, fuhr sein Parteikollege Peter Paul Gantzer schärfere Geschütze auf: „In der Gemeinde entsteht der Eindruck, sie hätten die Hand aufgehalten!“ Und diesen Eindruck unterfütterte Gantzer dann auch genüsslich. Er sprach von einem „gewiss guten Preis“, den Bukowski bestimmt bekommen habe, und stellte Vergleiche mit den jüngsten Skandalen auf Bundesebene um CDU-Politiker Philipp Amthor und Problem-Metzger Clemens Tönnies an. Juristisch korrekt und doch deutlich unter der Gürtellinie. Zumindest wenn es nach Dietrich Keymer ging, dem CSU-Fraktionssprecher im Haarer Gemeinderat.

„Das sind Unterstellungen ohne Beweise, die das Klima im Gemeinderat vergiften“, zürnte Keymer. Und es klang mehr wie eine Drohung als eine Situationsbeschreibung. Bukowski selbst war die Diskussion zusehends unangenehm. Immer wieder beteuerte er, keinen Cent an Vorteilen durch die Aktion bekommen zu haben. „Wenn es ein Verbrenner gewesen wäre, hätte ich kein Foto machen lassen. Ich wollte ein Zeichen für Klimaschutz und E-Mobilität setzen.“

Doch selbst nach der Sitzung des Gemeinderats war das Thema noch nicht beendet. Nach einem Zitat im Münchner Merkur, in dem Bukowski von einer Beschädigungskampagne sprach und von einem Versuch, den Rufmord aus Wahlkampfzeiten fortzusetzen, sagte Gantzer ein gemeinsames Schlichtungsgespräch ab. „Sie haben gegen elementare Grundsätze verstoßen und stellen sich jetzt als verfolgte Unschuld dar“, schrieb er Bukowski stattdessen in einem langen, offenen Brief. Es wird ein langer Weg, bis sich beide wieder duzen.

Kommentar: Geisterfahrer auf beiden Seiten – Haar ist eine bessere Gesprächskultur im Gemeinderat gewohnt

Ein Lieblingswort von Andreas Bukowski im Haarer Gemeinderat ist „umsetzen“. Dass er SPD-Altmeister Peter Paul Gantzer momentan gerne umsetzen würde (am liebsten irgendwo vor die Tür), ist nicht gemeint. Bukowski will Taten sprechen lassen statt schöner Worte. Aber wer nicht die richtigen Worte findet, wird auch nicht viel in die Tat umsetzen können – vor allem nicht ohne eigene Mehrheit.

Natürlich war es unterhaltsam, was da im Gemeinderat passierte. CSU gegen SPD, Alt gegen Jung – auch das ist Politik. Aber dem Anlass entsprechend war die Eskalation nicht. Bukowski hätte nicht mit dem Amt des Bürgermeisters Werbung machen sollen. Und wenn er das zugegeben hätte, wäre alles nicht mehr als eine kleine Randnotiz geblieben.

Dieser Fehler ist aber keine Rechtfertigung für Gantzers überspitzte Attacken. Die Politik hat es gerade nicht leicht. Korruption innerhalb der eigenen Reihen ohne stichhaltige Beweise auch nur anzudeuten, ist ein Spiel mit dem Feuer – bei hoher Waldbrandgefahr.

Marco Heinrich

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