Kleidung weitergeben statt wegwerfen — so kann Shopping auch funktionieren

Was für ein guter Tausch!

Richtigen Party-Charakter sollen die Kleidertauschpartys haben, die der Verein Green City in der Münchner Innenstadt veranstaltet.
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Richtigen Party-Charakter sollen die Kleidertauschpartys haben, die der Verein Green City in der Münchner Innenstadt veranstaltet.

„Wir denken viel zu oft gleich ans Geld“, sagt Sabine De Farfalla aus Trudering. Es geht auch ohne: Zum Beispiel bei der Kleider-Tauschbörse im Truderinger Nachbarschaftstreff, die De Farfalla am Samstag, 21. Januar, zum vierten Mal veranstaltet. An Kleidungsstücke kommen Besucher, indem sie Mitgebrachtes gegen Neues tauschen.

Das bringt keiner übers Herz: Die Lieblingsjacke einfach in eine Tüte zu stopfen und in einen Altkleider-Container zu werfen. Doch es hilft nichts, so oft man das Lieblingsstück auch anprobiert, die Jacke passt nicht mehr. Sie jedoch für die nächsten Jahre im Schrank hängen zu lassen, dafür ist kein Platz. Die Truderingerin Sabine De Farfalla weiß Rat: Sie veranstaltet eine Kleider-Tauschbörse im Nachbarschaftstreff Trudering. Am Samstag, 21. Januar, von 14 bis 17 Uhr heißt es: „Es darf wieder nach Herzenslust getauscht werden!“ So funktioniert das: Wer Kleidungsstücke hat, die nicht mehr passen oder einem persönlich nicht mehr gefallen, bringt diese zur Tauschbörse mit. Die Veranstalterin, Sabine De Farfalla, baut Tische und Ständer auf, die sie je nach Kategorie beschriftet: Damenoberbekleidung wird in der einen Ecke angeboten, Jacken können an einem Ständer aufgehängt werden, Schuhe gibt‘s ebenso im Angebot. „Getauscht werden kann nicht nur Damenbekleidung“, sagt De Farfalla. „Auch Anziehsachen von Männern und Kindern, aber auch Accessoires wie Hüte, Schals, Gürtel und natürlich auch Spielzeug und Bücher sind gern gesehen!“ Seit 2016 veranstaltet De Farfalla im Nachbarschaftstreff Trudering an der Bajuwarenstraße die Kleider-Tauschbörse. Vergangenes Jahr sogar drei Mal. „Es gab Ende 2015 ein Ideencafé in Trudering, bei dem ich vorgeschlagen hatte, so eine Kleidertausch-Veranstaltung in Trudering zu organisieren“, erzählt De Farfalla. Und sie stieß mit ihrer Idee auf offene Ohren. „Probieren wir es aus“, lautete die Reaktion. Und es klappte! Zum vierten Mal findet an diesem Wochenende die Kleidertausch-Börse nun statt. Doch, das räumt die Organisatorin ein, jedes Mal wieder erkläre sie die Regeln. „Viele müssen erst mal lernen, dass man etwas nehmen kann, ohne etwas zu geben. Und anders rum: dass man geben kann, ohne zu nehmen“, so De Farfalla. Will heißen: „Zwar heißt unsere Veranstaltung Tauschbörse“, erklärt die Veranstalterin, „das aber heißt nicht, dass man verpflichtet ist, Wert gegen Wert zu tauschen. Vielleicht ist da der Begriff ,Tauschbörse‘ auch irreführend.“ Wer also nur seine Lieblingsjacke mitbringt und zum Tausch anbietet, der kann nicht nur mit einer neuen Lieblingsjacke, sondern überdies mit mehreren Paar Schuhen wieder nach Hause gehen. „Das ist völlig in Ordnung“, beruhigt De Farfalla immer wieder verunsicherte Besucher. Willkommen sei sogar auch der Besucher, der nichts mitbringt. Für viele sei dies eine neue Erfahrung: Etwas nehmen zu können, ohne einen Gegenwert zu hinterlassen.

Die Weiterverwendung schont die Umwelt

Mit ihrer Idee, Kleidung oder auch andere Gegenstände, mit Mitbürgern zu tauschen anstatt diese wegzuwerfen, liegt die Truderingerin im Trend. Alle zwei Monate veranstaltet der Münchner Verein Green City mittlerweile „Kleidertauschpartys“. Der Ablauf ist ähnlich wie in Trudering. Umweltbewusste Münchner können gut erhaltene Kleidung ausmisten und sich etwas Neues aussuchen. „Jeder zahlt 3 Euro Eintritt und kann dann so viel mitbringen, wie er will, und so viel mitnehmen, wie er möchte“, erklärt Julia Dade von Green City. Etwa 300 Besucher kämen pro Veranstaltung. Dade absolviert ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr bei Green City und ihre Aufgabe ist es, die Kleidertauschpartys zu organisieren. „Es sollen richtige Partys sein“, so Dade. „Bei uns gibt es Getränke und Musik. Wer eine Pause braucht, kann es sich auch gemütlich machen.“ So unterscheiden sich die Kleidertauschpartys auch von gewöhnlichen Flohmärkten. Es gehe nicht nur darum, etwas zu schnell zu ergattern und überdies zu einem besonders günstigen Preis. „Bei Tausch-Veranstaltungen steht die Freude am Geben und Nehmen im Vordergrund“, sagt auch De Farfalla aus Trudering. „Bei uns geht‘s gemütlich zu, Besucher haben Zeit, einen Kaffee zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen.“ Die Kleidertauschpartys von Green City finden neuerdings nicht mehr an abwechselnden Orten, sondern nur noch in der Orange Bar an der Zirkus-Krone-Straße 10 statt. Das nächste Mal übrigens am Dienstag, 7. Februar, von 18 bis 21 Uhr. „Da ja Faschingszeit ist, kann jeder gleich im Kostüm kommen und dieses auch gerne tauschen. Und es gibt eine Rubrik mit ungeliebten Weihnachtsgeschenken“, so Dade. Warum sollten Geschenke, mit denen man nichts anfangen kann, daheim verstauben, wenn sie einem Anderen eventuell gefallen könnten?

Durch Tauschen den Abfall verringern

Weiterverwendung statt wegwerfen, das ist auch das Motto des Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM). Neben anderen Angeboten gibt es im Internet unter www.awm-muenchen.de das AWM-Verschenk- und Tauschportal. Gut erhaltene Gegenstände können kostenlos getauscht und verschenkt werden. Denn das schone Ressourcen und verringere die Abfallmenge. Wer beispielsweise einen Schrank nicht mehr braucht, der kann ein Inserat anlegen. Ein anderer freut sich über den gebrauchten Neuerwerb und holt den Schrank sogar noch beim alten Besitzer zuhause ab! Der Abfallwirtschaftsbetrieb setzt sich übrigens auch für das Verleihen von Gegenständen ein, ob das Werkzeug, ein Beamer, Abendgarderobe, Fahrräder, Zelte oder Schneeketten sind. So manches benötigt man nur selten, da lohnt es sich nicht, diese Dinge zu kaufen. „Sie zu mieten, schont den Geldbeutel, spart Platz und ist gut für die Umwelt, da weniger Ressourcen bei der Produktion verbraucht werden“, ermuntert der AWM die Münchner. Teilen und Leihen, für viele ist das mittlerweile selbstverständlich. Viele verzichten ganz bewusst auf Statussymbole. Nicht, weil sie es sich nicht leisten können, sondern weil es ihnen nicht mehr wichtig ist, dass eigene Auto vor der Haustüre zu parken. Sabine De Farfalla geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie ist Mitglied bei „Talentetausch München“, einer Plattform, auf der sich Münchner gegenseitig Hilfe anbieten (www.talentetausch-muenchen.de). „Ich koche und backe zum Beispiel gerne“, erzählt die Truderingerin. „Mit Marmelade, die ich für andere mit herstelle, sammele ich sogenannte Talente, die mir gutgeschrieben werden.“ Diese Talente wiederum könne sie gegen etwas anderes eintauschen. „So bin ich an meinen Dampfgarer gekommen, über den ich mich total gefreut habe“, sagt De Farfalla. Ein Tausch, ganz ohne Geld. Ebenso handhabe sie das mit ihrem Tiefgaragen-Stellplatz, den sie nicht brauche, da sie kein Auto besitze. „Meine Nachbarin darf ihn nutzen, dafür macht sie mir nun die Haare“, freut sich De Farfalla. Und erlebt so: „Auch in der Stadt sind Nachbarn füreinander da!“ Verena Rudolf

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