Politiker, die ihren Job machen, sind langweilig

Zum 20. Jubiläum des Truderinger Ventils

Winfried Frey ist seit zehn Jahren künstlerischer Leiter des Truderinger Ventils.
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Winfried Frey ist seit zehn Jahren künstlerischer Leiter des Truderinger Ventils.

Das Truderinger Ventil feiert am Sonntag, 1. März, gleich mehrere Jubiläen. 20 Jahre Truderinger Starkbier­anstich, 15-jähriges Bestehen des Kulturzentrums Trudering und seit zehn Jahren ist Schauspieler Winfried Frey der künstlerische Leiter des Truderinger Ventils. Er schreibt die Texte, führt Regie und steht selbst als Schauspieler und Fastenprediger auf der Bühne. HALLO hat vorab mit ihm gesprochen.

HALLO: Herr Frey, Sie verraten nicht gerne vorab, was Sie beim Truderinger Ventil für ein Programm präsentieren, aber ein bisschen Futter müssen Sie mir schon geben.

Frey (lacht): Das Motto wird „Auf der grünen Wiese“ sein.

Da kann man sich auf jeden Fall viel darunter vorstellen.

Das kam mir tatsächlich relativ flott in Sinn, als ich das Programm geschrieben habe. Es passt ja gerade perfekt in unsere Zeit. Und es soll natürlich wieder ein lustiger Abend werden — auch für etwas weniger politisch Informierte. Das ist immer eine Gratwanderung, die ich versuche, hinzubekommen.

Werden im Singspiel auch wieder Politiker aus dem Jenseits auferstehen — wie es vergangenes Jahr der Fall war?

Nein, diesmal tatsächlich nicht, aber auf jeden Fall werden die drei OB-Kandidaten gedoubelt. Das ist so kurz vor der Wahl klar.

Kommen die auch persönlich?

Ja, OB Dieter Reiter, CSU-Kandidatin Kristina Frank und Grünen-Kandidatin Katrin Habenschaden werden kommen. Überhaupt ist das Politikeraufkommen in diesem Jahr besonders hoch. Ich wage mal zu behaupten, es sind so viele Politiker anwesend wie noch nie. Alle, die eingeladen wurden, haben zugesagt. Auch der neue Kulturreferent Anton Biebl wird heuer zum ersten Mal dabei sein. 

Erhöht das den Druck?

Es ist eher ein Ansporn. Ich versuche, möglichst alle einzubauen. Wenn sie schon kommen, um sich die verschiedensten Sachen an den Kopf werfen zu lassen, müssen sie auch dafür belohnt werden. Es ist allerdings schwer, wirklich jeden einzelnen dran zu nehmen. Was soll ich über einen Politiker sagen, der das ganze Jahr über einfach nur seinen Job gemacht hat?

Langweilig!

Eben. Jemanden zu schimpfen, der gut arbeitet, finde ich verkehrt. So kommen auch nur die vor, über die es auch wirklich etwas zu sagen gibt.

Und das wären?

Als Partei ist das auf jeden Fall die SPD. Die hat in den vergangenen Jahren so viel Stoff für Kabarettisten und Satiriker geliefert wie kaum eine andere. Es ist schon kurios, wenn eine Partei über 38 Parteichefs verschleißt. Wenn man das mit den anderen vergleicht, ist das doch etwas viel.

Vergangenes Jahr haben Sie moniert, dass es in der Politik zu wenig Ecken und Kanten gibt. Das mache es schwer, gutes Kabarett zu schreiben. War es dieses Jahr besser?

CSU-Generalsekretär Markus Blume hat mir das ein oder andere Zitat geliefert. Das liegt aber einfach an seiner Position. Da muss er sich manchmal auch aus dem Fenster lehnen. SPD-Chefin Claudia Tausend wird auch aufs Korn genommen. Da gab es im vergangenen Jahr einen Vorfall, der ja direkt mit dem Truderinger Ventil zusammenhängt. Zündstoff liefert auch die Fehde mit Bürgermeisterin Gabriele Müller aus Haar, was die Sperrung der Bahnstraße für den LKW-Verkehr angeht.

Ansonsten hat sich bei den Lokalpolitikern nicht so viel verändert. Das wird es aber wohl in Zukunft. Ein Teil der Politiker tritt heuer nicht mehr an. Da gehen Urgesteine, die in den vergangenen Jahren wichtig für die Veranstaltung waren. Wie es mit den Nachfolgern wird, wird sich zeigen. Vielleicht haben wir Glück, dass der ein oder andere aufgrund seiner Unerfahrenheit mal in ein Fettnäpfchen tritt.

Wollen Sie sonst noch etwas verraten?

Ja, zur Besetzung: Wir haben dieses Jahr eine Gastgruppe dabei, die „Housemusi“. Am Namen kann man schon erkennen, was da für ein Sound zu erwarten ist. Die werden für einen fetzigen Auftakt sorgen. Ansonsten freue ich mich, dass meine Ehefrau Petra Auer-Frey wieder mitmacht sowie eine liebe Kollegin aus dem Chiemgau, Michaela Heigenhauser. Sie wird eine Landtagspolitikerin geben. Auch Christin Sikder, die Ehefrau von Bezirks­ausschuss-Mitglied Stephen ­Sikder, wird mit uns auf der Bühne stehen.

Interview: Lydia Wünsch

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