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Zum 50. Geburtstag des Musikers Jörg Göller aus Trudering

Dem Leben mit Musik eine gewisse Note geben

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Immer in Aktion: Der Truderinger Musiklehrer und Chorleiter Jörg Göller bei dem Projekt „Carmina Burana“ im Truderinger Kulturzentrum.

Der Truderinger Musiklehrer und Chorleiter Jörg Göller hält es wie der 2004 verstorbene Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller Peter Ustinov: Wer mit vielen Projekten jongliere, verschaffe sich mit dem einen Erholung von dem anderen. Und so befindet sich Jörg Göller gerade wieder in einer solchen Erholungsphase: Mit seinem Chor „Chormäleon“ probt er für ein Benefizkonzert im Mai anlässlich seines diesjährigen 50. Geburtstages.

Was schenkt man einem Menschen, dessen Leben die Musik ist? Klar, Musik! Der Truderinger Musiklehrer und Chor- leiter Jörg Göller ist Anfang Februar 50 Jahre geworden. Das Konzert, das am Freitag, 17. Mai, im Kulturzentrum Trudering stattfinden soll, ist allerdings keine Geburtstags-Überraschung für ihn, von der er nichts ahnt. Wer so begeistert wie Jörg Göller Musikprojekte auf die Beine stellt, den schließt man natürlich nicht aus, wenn es darum geht, ein Konzert zu organisieren. „Wir bereiten derzeit ein Benefiz-Konzert für den Verein ,Musik schenkt Lächeln‘ vor“, sagt Jörg Göller. Eine Sänger- Kollegin habe an den Verein gedacht, der Kindern, die sich in schweren Lebenslagen befinden, mit musikalischen Einlagen einen Moment der Freude beschert. Nicht nur Göllers Truderinger Chor „Chormäleon“, sondern auch ehemalige Musikschüler werden im Mai im Kulturzentrum bei dem Konzert auftreten. „Das freut mich natürlich besonders, wenn musikalische Freunde, die mir sehr am Herzen liegen, mit von der Partie sind.“ Als eine Beweihräucherung seiner eigenen Person möchte er das Konzert aber auf keinen Fall verstanden wissen. Das würde auch nicht zu dem engagierten Musiker aus Trudering passen. Es wird zwar hin und wieder bei dem Konzert einige Verweise auf seine Biografie geben. Aber hauptsächlich geht es an dem Abend um eine Botschaft, die Göller am Herzen liegt: „Musik ist der perfekte Begleiter, um gut durchs Leben zu kommen.“

In Eigenregie zur Musik gekommen

Der Truderinger Musiklehrer beim „Kreativ Musikforum“ ist ein Autodidakt. Göller hatte weder als Kind Instrumentalunterricht noch besuchte er eine Musik-Hochschule. Seine Liebe zum Musizieren hat er somit selbst entdeckt und sich sein Können in Eigenregie beigebracht. Seinen Eltern macht er allerdings keinen Vorwurf, ihn damals nicht in eine Richtung gedrängt zu haben. „Ich sehe es sogar als Vorteil, dass es bei mir keine vorgezeichnete Linie gab. So war und bin ich offen für alles.“ Heute sind es die Tasten- Instrumente, das Klavier und das Keyboard, die ihm persönlich Glücks-Momente bescheren. Als Kind entlockte er zunächst einer Mundharmonika, die ihm sein Vater geschenkt hatte, Töne und versank so in seine musikalische Welt. „Und genau das ist meine Intuition beim Unterrichten: Es geht bei mir in keinster Weise um den Leistungsgedanken. Egal wie gut, egal mit welchem Instrument und egal warum sollen Kinder Musik machen“, betont Göller. „Ich möchte ihnen als Lehrer das Gefühl geben, dass sie mit Musik im besten Fall Glück erleben, aber auch in schlechten Zeiten einen Begleiter haben.“

Ausprobieren und experimentieren

Eine entscheidende Rolle würden bei der musikalischen Entfaltung auch die Eltern spielen. „Sie müssen vieles zulassen, damit sich ihre Kinder auf die Musik einlassen können.“ Was Göller damit meint, ist, dass man den Nachwuchs in keine Richtung stoßen sollte, in die er (noch) gar nicht gehen will. Zudem sollten Kinder unbedingt die Chance haben, vieles auszuprobieren, auch wenn es in den Ohren der Eltern zunächst nicht nach Musik klinge. „Wenn ein Kind zum Beispiel am Klavier sitzt und vor sich hin klimpert, dann ist es ganz wichtig, dass man es einfach lässt und nicht fragt, wann dieses Geklimper denn endlich wieder vorbei ist“, so Göller. Ein Glücksgefühl will er aber nicht nur den Kindern vermitteln. „Ebenso können Senioren so richtig aufleben, wenn sie singen“, erklärt Göller. Seit 2008 leitet er den Männergesangverein Liederkranz Trudering. „Das ist ein Geben und Nehmen, ich spüre das Glück der Sänger und das überträgt sich dann auch auf mich.“ Und so leitet der 50-Jährige noch einen zweiten Chor in Trudering, „Chormäleon“. Das Singen querbeet durch alle Musikrichtungen zeichnet diese Gruppe an Sängern aus, die wie ihr Chorleiter immer offen für alle möglichen Experimente ist. Dass Musikmachen aber am meisten Spaß macht, je mehr Menschen man dafür begeistern kann, zeigen die großen Projekte in Trudering, bei denen Göller mitwirkte. Mehr als 200 Sänger standen bei seiner „Carmina Burana“ 2012 auf der Bühne. Kindern zeigte er die Faszination, die das Musikmachen ausüben kann, gemeinsam mit Regisseurin Nicole Böcher und Trommellehrer Youssou Ndiaye vor zwei Jahren bei dem Projekt „Magic Drum“. Rund 100 Truderinger Kinder, auch aus Flüchtlingsfamilien, machten bei dem Kindermusical mit. Ob es aber um ein einziges Kind oder einen Erwachsenen-Chor geht, für Göller zählt, dass man vieles wagt. So wie er es selbst gemacht hat. Wie man Klavier spielt, hat Göller als junger Erwachsener den Pianisten im Fernsehen abgeschaut. „Mein fünfjähriger Sohn ist mir da ähnlich. Ich beobachte gerade, wie er alles schaffen will, indem er es einfach anderen nachmacht — ohne Anleitung von uns“, erzählt Göller, dessen Ehefrau Ayuko Göller-Taguchi, eine Sängerin, auch Musiklehrerin ist. Natürlich würden beide hoffen, dass ihr Sohn die Musik für sich entdeckt. Denn so könne man dem Leben eben eine gewisse Not geben. Verena Rudolf

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