Gegen so viele Krähen hilft auch keine Katze

Jeden Tag Lärm und Schmutz

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Nistende Krähen machen der Truderingerin Frieda Sattler das Leben schwer. Tun kann man gegen die unter Naturschutz stehenden Brutvögel nichts.

Für die Truderingerin Frieda Sattler und ihre Familie werden die Krähen um ihr Grundstück mehr und mehr zur körperlichen Belastung.

Frieda Sattler kennt ihre Salzmesserstraße. Seit Jahrzehnten ist sie hier zu Hause. Die Krähen gehörten immer schon dazu, aber seit ein paar Jahren sind sie eine echte Plage. „Früher, als die Kinder noch klein waren, haben wir im Spaß zu ihnen gesagt: Wenn du nicht aufisst oder nicht brav bist, holt dich der Gra“, erinnert sie sich. Jetzt ist Frieda Sattler der Spaß vergangen. Denn das Gra-Gra der Krähen ist eine tägliche Belastung.

„Letztes Jahr waren es 16 Nester in den Bäumen – und jetzt bauen sie schon wieder so viele“, sagt sie erschöpft und blickt nach oben in die Baumkronen der Bäume direkt vor ihrem Grundstück. Tatsächlich sind die Vögel die ganze Zeit über zu hören. Immer wieder gibt es zwischen den Nestern Streit, dann wird es noch lauter. „Los geht es um 5.30 Uhr morgens. Und dann geht es den ganzen Tag über. Mein Puls ist schon wieder auf 140“, erzählt sie und schüttelt den Kopf.

Die ganze Familie leidet. Einmal kam der Sohn zu Besuch, um im Garten ein wenig am Laptop zu arbeiten. „Nach ein paar Minuten hat er wieder eingepackt. Bei dem Lärm konnte er sich nicht konzentrieren. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll“, sagt sie verzweifelt. Und tatsächlich ist gegen die Krähen kein Kraut gewachsen.

„Saatkrähen brüten tatsächlich in Kolonien. Im Grunde kann man da gar nicht viel machen“, erklärt Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz: „Ein Eingriff in die Kolonie führt nur dazu, dass ein Teil der Vögel ein paar Meter weiterzieht. Letztlich verbreitert man das Problem also nur.“

Alle Brutvögel stehen unter Naturschutz. Saatkrähen standen sogar vor ein paar Jahren sogar auf der „roten Liste“, mittlerweile hat sich der Bestand etwas erholt. Informationen, die Frieda Sattler nicht helfen. „Es wurden einige Versuche gestartet, mit Greifvögeln gegen Krähen vorzugehen. Das hatte aber meist nur einen kurzfristigen Effekt. Und Katzen haben ohnehin keine guten Karten. Genau gegen solche Feinde organisieren sich die Saatkrähen ja in Kolonien“, weiß Sophia Engel. Auch die Ansprechpartner der Unteren Naturschutzbehörde können kaum etwas tun. „Die Saatkrähe ist im Rahmen des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützt, weshalb die Tötung und die Vergrämung von Saatkrähen oder die Entfernung Ihrer Nester grundsätzlich verboten ist. Daher können und dürfen wir in einem solchen Fall nicht einschreiten“, sagt Sprecher Ingo Trömer. Sofern aus Sicht der Anwohner ein Einschreiten unumgänglich ist, benötigen sie eine Ausnahmegenehmigung durch die Höhere Naturschutzbehörde. Die gibt es aber nur sehr selten.

Marco Heinrich  

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