HALLO-Interview mit Winfried Frey zum diesjährigen Politiker-Derblecken beim „Truderinger Ventil“

„Einmal im Jahr müssen die das aushalten“

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Derblecken bezeichnet im Bairischen laut Duden „das kritische Spiegel-Vorhalten gegenüber Personen des öffentlichen Lebens“. Schauspieler und Kabarettist Winfried Frey hat es in dieser Disziplin bereits zu einiger Meisterschaft gebracht – was er beim „Truderinger Ventil“ am 19. März im Kulturzentrum auch wieder unter Beweis stellen wird.

Bereits zum 17. Mal lassen die Truderinger bei Starkbier, Brotzeit und deftigem Politiker-Derblecken durch ihr „Ventil“ Luft ab. „Es war einmal“ lautet dieses Jahr das Motto. Künstlerischer Leiter Winfried Frey dröselt wieder aktuelle und vergangene Geschehnisse aus der Politik und dem bajuwarischen Leben zeitkritisch auf. Los geht‘s am Sonntag, 19. März, um 16 Uhr. HALLO hat mit Frey über die schwierige Aufgabe gesprochen, Politiker zu derblecken, ohne sie dauerhaft zu vergraulen.

HALLO: Das Motto lautet ja „Es war einmal…“: Welches Märchen werden Sie den Besuchern denn erzählen?

Winfried Frey: Im Zeitalter der Fake-News gibt’s ja eigentlich keine Märchen mehr. Alles ist wahr. Jeder kann öffentlich über die neuen Medien verbreiten, wozu er lustig ist. Und wenn es gut dargestellt ist, wird einem auch geglaubt. Donald Trump ist das beste Beispiel. Der lügt mittlerweile so übertrieben hartnäckig, dass er das, was er da alles verzapft, tatsächlich selber glaubt. Ist das dann schon die Wahrheit, weil er sich selbst glaubt? Aber wenn man nostalgisch wird und in die Vergangenheit schaut, war neben den Gebrüdern Grimm nicht nur Franz-Josef Strauß ein großer Geschichtenerzähler...

Im Rückblick: War es heuer besonders einfach oder besonders schwierig, die Predigt zu schreiben?

Eine Fastenpredigt zu schreiben ist nie einfach. Die Stimme des kleinen Mannes soll gegenüber den Obrigkeiten erhoben werden, also darf sie nicht zu lasch sein. Die eingeladenen Politiker sollen ja aber im Folgejahr auch wieder kommen, um ihr Fett abzukriegen, deshalb muss man auch anständig mit den Anwesenden umgehen. Eine Gratwanderung. Ob sie heuer gelingt, kann letztlich nur der Zuschauer beurteilen.

Müssen sich bestimmte Politiker in diesem Jahr besonders warm anziehen oder verteilen Sie Ihre Bosheiten gerecht? 

So viel kann ich schon jetzt sagen, dass die anwesenden Politiker natürlich nicht unter der Gürtellinie beleidigt werden. Aber die Rede hat es heuer in sich! Das wird nicht jeder oder jedem schmecken. Aber einmal im Jahr müssen unsere Mandatsträger das aushalten. Ihre Diäten beinhalten ein Stück weit auch „Schmerzensgeld“ dafür, dass sie sich den Unmut der Wähler anhören. Gerechte Verteilung ist natürlich eine Ansichtssache. Die- oder derjenige, welche/r eine dünne Haut hat und sich „zu Unrecht“ angegriffen fühlt, wird natürlich immer empfinden, sie/ihn/die Partei hätte es besonders dick erwischt.

Was ist heuer neu oder anders? Worauf freuen Sie sich besonders? 

Besonders freut mich, dass mein lieber Kollege Erich Seyfried zu Gunsten des 17. Ventils seinen mittlerweile über zehnjährigen Ruhestand verlassen hat und sich mit seinen langjährigen Kollegen aus Peter-Steiners-Theaterstadl-Zeiten – wie meiner Gattin Petra Auer und meiner Wenigkeit – auf die Bühne des Kulturzentrums stellt. Außerdem freut es mich, dem Publikum zwei klassische nostalgische Revuekabarettnummern wie „Die bayerischen Tenöre“ und „De Truderinger Madln“ zu präsentieren.

Derbleckt wird ja mittlerweile überall, sogar in den kleinsten Dörfern finden Starkbieran- stiche statt. Was macht das „Truderinger Ventil“ so besonders? 

Der Beiname „die kleine Schwester des Nockherbergs“ kommt glaube ich nicht von ungefähr. Kaum ein anderer Starkbieranstich, neben dem großen Nockherberg-Derblecken, kann so viele renommierte Politiker bei einer Live-Veranstaltung ohne TV-Beteiligung verbuchen. Über 20 Bundes-, Landes- und Stadt- beziehungsweise Regional-Politiker sind eingeladen und werden kommen. Das zeigt echtes Vertrauen von deren Seite aus in unsere Veranstaltung. Schön, dass wir – wie seit Jahren – bereits wenige Tage nach Kartenverkauf-Eröffnung ausverkauft sind. Vielen Dank an dieser Stelle an unser Stammpublikum und die neuen interessierten Zuschauer. Freut und ehrt mich sehr, danke!

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