Infoveranstaltung zur Bebauung der Unnützwiese in Trudering

Verhindern, was wohl nicht zu verhindern ist

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Im Truderinger Kulturzentrum konnten sich die Besucher über das geplante Bauvorhaben an der Unnützwiese informieren. Laut Gewofag soll die Anlage Ende 2018 fertig sein.

Im Rahmen einer Infoveranstaltung im Kulturzentrum hat die Gewofag erste Pläne für das Sozialwohnbauprojekt „Wohnen für Alle“ auf der Unnützwiese vorgestellt. Auf Wunsch des Truderinger Bezirksausschusses sollten die Truderinger dabei auch die Chance bekommen, die Anlage mitzugestalten. Doch der Plan ging nicht auf.

Man kann der Gewofag nicht vorwerfen, dass sie es nicht versucht hätte. Die städtische Wohnbaugesellschaft, vom Stadtrat mit der Bebauung der Truderinger Unnützwiese beauftragt, bot den Besuchern der Infoveranstaltung im Kulturzentrum neben Speisen und Getränken, ausgehängten Plänen und einem Dutzend hochrangiger Mitarbeiter der Stadtverwaltung auch die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Die Truderinger sollten – was nicht üblich ist bei derartigen Bauvorhaben – mitreden dürfen: über die Gestaltung der Freiflächen, die Fassaden der Baukörper oder generell die Gestaltung der künftigen Nachbarschaft. Doch der überwiegende Teil der rund 150 Besucher nahm dieses Angebot nicht an. Angeführt von den Vertretern der Bürgerinitiative „Rettet die Unnützwiese“ ging es erneut um Grundsätzliches. Ist es überhaupt legal, auf der Wiese zu bauen? Sind die geplanten 50 Wohnungen erst der Anfang, wird der Rest der Wiese Stück für Stück weiter zerstört? Werden die Parkplätze ausreichen?

Gewofag-Chef Klaus-Michael Dengler sowie von der Stadtverwaltung die leitende Baudirektorin Ulrike Klar, der Gartenbau-Abteilungsleiter Ulrich Rauh sowie die für sozialen Wohnungsbau zuständige Monika Betzenbichler versuchten dabei ebenso die Gemüter zu beruhigen wie die anwesenden Stadträte, allen voran der Grüne Herbert Danner.

So wurde noch einmal betont: Die Wiese gehört der Stadt München – ohne Einschränkungen. Gerüchte, wonach die Übereignung der Fläche an Bedingungen geknüpft gewesen sei, stimmten nicht, so Ulrike Klar. Zudem gelte dort, was für Grünflächen tatsächlich nicht üblich ist, Baurecht.

Ulrich Rauh, nach eigenen Worten schon von Berufswegen ein Beschützer von Grünflächen, bestätigte ebenfalls, dass die Wiese nie als Grünanlage geplant war: „Da wäre sie ganz anderes angelegt worden!“ Zudem sei die Versorgung mit Spielflächen in Trudering – im Vergleich zu anderen Vierteln – „sehr gut“.

Ein weiteres Gerücht, wonach die Bewohner der neuen Wohnanlage bewacht würden, wies Gewofag-Chef Dengler entschieden zurück: „Wir müssen unsere Mieter nicht bewachen!“ Allerdings werde es einen Sozialarbeiter geben, der sich vor allem um den – übrigens von der ganzen Nachbarschaft – nutzbaren Gemeinschaftsraum kümmern soll.

Dass eine Tiefgarage mit nur zirka 15 Parkplätzen geplant ist, hält Dengler für ausreichend: Die Gewofag als Münchens größtes Mietwohnungsbauunternehmen befrage regelmäßig ihre Mieter. Und diese Umfragen ergeben eindeutig, „dass wir keinesfalls die Situation haben, dass jeder unserer Mieter ein Auto hat“. Dass die Stadt die Wohnungen irgendwann verkaufen und die Mieten damit drastisch steigen würden, schlossen der Truderinger Stadtrat Herbert Danner wie auch Gewofag-Chef Dengler aus. Ebenfalls ausgeschlossen sei, dass sich die neuen Bewohner über die auf der Wiese spielenden Kinder ärgern und klagen könnten. Dengler zufolge würden die Mietverträge so gestaltet, dass „einklagbare Mietminderungen wegen Lärms“ nicht erhoben werden könnten.

Am Ende der rund zweistündigen Versammlung gab es viele enttäuschte Gesichter. Die Mitglieder der Bürgerinitiative fühlten sich mit ihren Argumenten nicht gehört und kündigten an, „bis zum höchsten Gericht zu gehen“! Andere akzeptierten zwar die Notwendigkeit, in München bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, kritisierten jedoch die Informationspolitik der Stadt: „Warum haben Sie erst so spät informiert? Da tun wir uns schwer, dass wir das jetzt so glauben!“ Einige wenige schließlich verschlossen sich der Realität komplett. Als Baudirektorin Ulrike Klar eher rhetorisch fragte: „Ja hätten wir sagen sollen: ‚Wir lassen niemanden mehr nach München ziehen, wir machen die Tore zu‘“, gab es Bravo-Rufe und Applaus.

Die Planung

Die Gewofag will auf der Unnützwiese in Trudering rund 50 Sozialwohnungen, aufgeteilt auf vier zweieinhalbgeschossige Häuser, bauen; 60 Prozent davon sollen Ein-Zimmer-, 20 Prozent Zwei-Zimmer- und 20 Prozent Drei-Zimmer-Wohnungen werden. Das Bauprojekt wird rund 22 Prozent der 10.750 Quadratmeter großen Wiese belegen. Einziehen werden berechtigte Haushalte von der Vormerkliste der Gewofag sowie anerkannte Flüchtlinge. Die Fertigstellung ist für Ende 2018 vorgesehen. Aktuell stehen über 12.000 Münchner auf der Warteliste für sozialen Wohnungsbau der Gewofag.

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