Über den frommen Wunsch, abends die Ruhe zu genießen

Immer wieder Ärger über nächtliche Ruhestörungen am S-Bahnhof Trudering

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Ein Bild, das die Situation treffend beschreibt: Der Schriftzug „Enjoy the Silence“ vor der zerstörten Parkbank.

„Enjoy the Silence“ steht in großen Buchstaben an einem Zaun nahe des S-Bahnhofs Trudering. Walter Gerner hat den Schriftzug dort anbringen lassen. Nicht als Reminiszenz an den großen Hit von Depeche Mode aus dem Jahr 1990, sondern als Stoßgebet. Oder als stumme Anklage. Denn Ruhe haben Anwohner wie Walter Gerner in der Umgebung des Grünstreifens zwischen dem Bahnhof und der Kreillerstraße schon lange nicht mehr.

„Die Situation ist teilweise unzumutbar. Von abends bis spät in die Nacht gibt es hier in der Umgebung immer wieder Lärm. Und anscheinend will oder kann die Polizei nichts dagegen tun“, beschwert sich Walter Gerner stellvertretend für knapp 20 Anwohner, die das Problem bei der jüngsten Bürgerversammlung und auch im Bezirksausschuss auf die Tagesordnung setzten. Die Betroffenen schwanken dabei zwischen Wut und Hilflosigkeit, denn neu sind die Zustände nicht.

„Ich wohne hier seit zehn Jahren. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Problem mehr und mehr gesteigert“, erzählt Gerner. Was den Fall am S-Bahnhof Trudering besonders kompliziert macht: Die Anwohner haben es nicht nur mit einer Sorte von Lärmmachern zu tun. Die kleine Parkanlage samt Kinderspielplatz wird abends und nachts oft von Jugendlichen in Beschlag genommen, die ihre Partynacht starten oder verlängern wollen. Genauso oft sind es aber auch ältere Menschen mit offensichtlichen Alkoholproblemen, die sich an dieser Stelle treffen. Nicht selten eskaliert das Gelage dann zu lautstarken Streitigkeiten.

Zustände, die längst bekannt sind. Schon vor ein paar Jahren wurden die städtischen Konfliktlöser von AKIM zu Rate gerufen. „Ihre Antwort sah dann so aus, dass wir unsere Schlafzimmer nicht mehr zum Park, sondern zur Straße hin verlegen sollen“, erinnert sich Walter Gerner kopfschüttelnd. Ein paar der Anwohner taten das, eine von ihnen schläft jetzt sogar im Keller, wo sie schallsichere Fenster einbauen ließ. Ein anderer wählte eine noch drastischere Variante – und verkaufte sein Haus. Aber ist das wirklich die beste aller möglichen Lösungen? „Wir sind es doch, die unsere Gesellschaft mittragen! Warum müssen wir uns dieser Minderheit beugen, die sich nicht an die bestehenden Gesetze hält?“, fragt Gerner. Eine wohl berechtigte Frage. Ein anderer Anwohner berichtetet unterdessen davon, dass er die Polizei gar nicht mehr alarmieren würde. Denn wenn er die Beamten um 22.30 Uhr ruft, kämen sie erst gegen Mitternacht und würden ihn dann aus dem Bett klingeln. An der Situation dagegen ändern sie nichts (Interview mit der Polizei im Kasten rechts). Der Lärm ist dabei nur das größte Problem. Vandalismus kommt hinzu, neben den Parkbänken, die immer wieder zerstört werden, geraten auch Zäune der Anwohner wiederholt in Mitleidenschaft. Im Sand des Spielplatzes finden sich immer wieder Scherben. Und rund um den Spielplatz wird mit Drogen gehandelt. Kein Wunder, dass sich die Bürger fragen, was aus ihrer Nachbarschaft geworden ist. Jetzt wird geprüft, ob der Spielplatz umzäunt werden soll. Außerdem soll der Parkweg mit hüfthoher Beleuchtung ausgestattet werden. Und möglicherweise kann auch die Alkoholverkauf-Lizenz der anliegenden Tankstellen und Imbissbuden zeitlich eingeschränkt werden. Die Anwohner hoffen, dass die Entscheidungen schnell fallen. Denn wenn es im Frühling wieder wärmer wird, finden sie Ruhe nur auf dem Schriftzug am Zaun. 

Marco Heinrich

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