Leinenzwang im Park abgelehnt

Hunde dürfen in Riem weiter frei laufen

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Freie Fahrt für die Hunde – aber kein Freifahrtschein für die Hundehalter.

„Der eigene Hund macht keinen Lärm, er bellt nur“, erkannte schon Kurt Tucholsky treffend. Was die einen freut, ist für die anderen ein Ärgernis. Und so sind Konflikte zwischen Mensch und Tier ein Dauerbrenner in deutschen Großstädten. Auch in München, wo jetzt ein Plan der SPD im Bezirksausschuss Trudering-Riem scheiterte, Hunde in bestimmten Teilen des Riemer Parks künftig nur noch an der Leine laufen zu lassen.

„Im Riemer Park führen viele Hundehalter aus dem Stadtbezirk und der Umgebung ihre Hunde aus. Nicht alle lassen dabei die notwendige Sorgfaltspflicht für ihre Tiere walten, weshalb es auf den von Spaziergängern, Fahrradfahrern und Freizeitsportlern stark frequentierten Wegen immer wieder zu Konfliktsituationen zwischen frei laufenden Hunden und Parkbesuchern kommt“, erklärte SPD-Fraktionssprecherin Maren Salzmann-Brünjes (Foto) in ihrem Antrag: „Eine Leinenpflicht in diesem Bereich ist deshalb sinnvoll. Auch in den stark frequentierten städtischen und staatlichen Grünanlagen wie dem Westpark und dem Englischen Garten hat sich eine Leinenpflicht für Hunde bewährt.“ Doch die Stadtverwaltung sieht den Fall anders, wie die Antwort des Baureferats beweist. „Ein allgemeiner Leinenzwang für Hunde ist in der Grünanlagensatzung nicht vorgesehen und nach unseren Erfahrungen im Riemer Park bislang auch nicht erforderlich“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Weniger als ein Prozent der in München angemeldeten Hunde verursacht Schadensfälle auf öffentlichem Grund.“ Künftig soll es allerdings vor allem im nördlichen Teil des Riemer Parks Sonderkontrollen der Grünanlagenaufsicht geben, die Hundehalter bei Bedarf zu erhöhter Rücksichtsnahme auffordern sollen.

SPD-Fraktionssprecherin Maren Salzmann-Brünjes war für die Leinenpflicht für Hunde im Riemer Park. 

Insgesamt werden Hunde in München immer beliebter. Derzeit werden in der Stadt 36.370 Hunde steuerlich erfasst. Zum Vergleich: 2007 waren es noch 28.439. Parallel zu den steigenden Zahlen nahmen auch die Fälle von Hundeattacken deutlich zu. 2017 Stand wurden 419 Vorfälle mit Hunden gemeldet. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei der Zahl nicht nur um reine Beißvorfälle (sprich Hund beißt Hund oder Hund beißt Mensch) handelt, sondern auch um aggressives Verhalten (Hund springt Menschen an ohne zu verletzen, Hund läuft auf Straße, Hund läuft vors Fahrrad). Vor zehn Jahren gab es nur 273 solcher Fälle in München. 90 Prozent dieser Fälle stammen übrigens aus Situationen, in denen der Hund dem Opfer bekannt war – vor allem Kinder sind betroffen, wenn sie den Hund zuvor geärgert oder erschreckt haben oder ihn beim Fressen störten. Vorfälle mit Hunden können über ein Online-Formular im Internet gemeldet werden, aber auch schriftlich, telefonisch oder über persönliche Vorsprache zu den Parteiverkehrszeiten des Kreisverwaltungsreferats.

Weitere Informationen dazu unter www.muenchen.de/hunde, dort findet sich auch der Link zu „Mitteilung zu einem Vorfall mit Beteiligung eines Hundes“. 

Marco Heinrich

Verantwortung für die Vierbeiner - Auch ohne Pflicht muss die Leine manchmal eingesetzt werden

Selbst Nicht-Tierfreunde, die noch nie in ihrem Leben einen Hund besessen haben, müssen zugeben, dass die Vierbeiner zu München gehören und das Leben vieler Menschen ungemein bereichern. Und zu einer artgerechten Haltung der Hunde gehört eben auch Bewegung und Auslauf. Es ist daher richtig, einen Leinenzwang in den Grünanlagen der Stadt nur in echten Ausnahmefällen durchzusetzen. Wie jetzt im Fall des Riemer Parks.

Aus der Verantwortung werden die Halter der Hunde durch die jüngste Entscheidung des Baureferats aber nicht entlassen. Denn auch ohne Zwang zur Benutzung einer Leine ist sie in vielen Situationen angebracht. Der gerne und häufig verwendete Satz „Der will nur spielen“ reicht jedenfalls nicht als Entschuldigung, wenn ein übermütiger Vierbeiner Passanten anspringt, die auf diese Art der Kontaktaufnahme gerne verzichtet hätten. 

Kommentar von Marco Heinrich 

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