Trudering und seine gute Frau Uta

HALLO begab sich auf die Spuren der Legende

Die Stelle an der Wasserburger Landstraße, an der sich die als Utahöhle bekannte Bodensenke befand. Nicht weit davon entfernt steht der 1905 erbaute Utabrunnen.
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Die Stelle an der Wasserburger Landstraße, an der sich die als Utahöhle bekannte Bodensenke befand. Nicht weit davon entfernt steht der 1905 erbaute Utabrunnen.

Vor 30 Jahren wurde der neugestaltete Brunnenplatz an der Waldtruderinger Straße 60 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zentraler Bestandteil des Platzes ist der sogenannte Utabrunnen. Doch: Wer war eigentlich diese Uta? HALLO hat nachgefragt!

Gerade im Sommer nutzen viele Truderinger den kleinen Brunnen an der Waldtruderinger Straße 60, um sich ein wenig mit kaltem Wasser zu benetzen oder kurz die Hände zu waschen. Einige der Passanten dürften vielleicht noch den Namen des Brunnens kennen, die allerwenigsten aber wissen, was es mit der Namensgeberin des Bauwerks von 1905 auf sich hatte. HALLO hat sich deshalb auf die Spuren der „guten Uta“ von Trudering begeben.

Von der Geschichte der guten Frau Uta gibt es etwa acht verschiedene Versionen. Beschäftigt haben sich mit Uta der Lokalhistoriker Peter Wagner, Mitglied im Arbeitskreis Stadtteilgeschichte Trudering-Riem, und der Herausgeber des Buches „Trudering, Waldtrudering, Riem – Münchens ferner Osten“, Willibald Karl. Die Grundlagenarbeit hatte im Jahr 1972 der mittlerweile verstorbene Josef Brückl mit der Festchronik für das 1200. Jubiläum von Trudering geleistet.

Wahr ist auf jeden Fall, darin sind sich alle Historiker einig, dass die Truderinger Bauern das Glück hatten, dass eine Frau Uta der örtlichen Kirche eine große Fläche, etwa 550 Tagwerk, an Ackerland gestiftet hatte. Diese Flächen wurden jährlich unter den Bauern neu verlost, welche das Ackerland für eine sehr geringe Pacht dann bewirtschaften durften. So konnten die Bauern, mit etwas Glück bei der Verlosung, mehr Erträge erzielen, als es ihnen nur mit ihren eigenen Flächen möglich gewesen wäre. Deshalb wurde Uta, als Bedingung für die Stiftung, noch bis 1932 in den sonntäglichen Messen gedacht. Um die Dankbarkeit gegenüber der Stifterin weiter zu erhöhen, war es noch bis zum 30-Jährigen Krieg üblich, dass am Jahrestag der Stiftung Brot an die Gläubigen verteilt wurde.

Eine Schenkung, acht mögliche Utas 

Das Problem ist herauszufinden, welche Uta in der Vergangenheit die Schenkung gemacht hatte. Denn die Urkunde, in der auch Trudering zum ersten Mal historisch belegt wird, existiert nur noch als Drittschrift von 1688, bei der versäumt wurde, das Datum der Schenkung mit abzuschreiben. Das Original und die zweite Abschrift sind im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen. Zwar haben Experten nach vielen Analysen und Vergleichen den Zeitraum auf 1080 bis 1090 festgelegt, doch sicher sein kann man nicht. Und so bleiben nur Spekulationen, welche der acht möglichen Utas den Truderingern das Land überlassen hat. Die drei bekanntesten Geschichten lauten so:

Die Uta, die dem Zeitpunkt der Stiftung am nächsten ist, war mit dem bayerischen Pfalzgrafen Kuno I. verheiratet. Dieser Kuno von Rott gründete zusammen mit seinem Sohn das Kloster Rott. Doch leider mangelt es hier an Nachweisen, ob diese Uta Besitz in Trudering hatte.

Die zweite Variante handelt von der Tochter des bayerischen Herzogs Theodo I. im siebten Jahrhundert. Diese Uta wurde von ihrem Liebhaber schwanger und vertraute sich dem Wanderbischof und späteren Heiligen Emmeram an. Um das Paar zu schützen, sollte Uta behaupten, dass Kind sei von Emmeram. Der Bischof brach zu einer Reise nach Rom auf, um den Papst über den vermeintlichen Fehltritt aufzuklären. Doch der Sohn des Herzogs, Lantpert, fing den Bischof bei Kleinhelfendorf ab und folterte ihn zu Tode. Wenn auch der Zeitraum nicht stimmt, so ist es doch sehr wahrscheinlich, dass diese Uta zur Vergebung ihrer Sünden die Ländereien an die Kirche spendete. Ein starker Hinweis darauf ist, dass man noch für Jahrhunderte für ihr Seelenheil beten sollte.

Historisch nicht so ernst zu nehmen, dafür aber um so schöner, ist die lokale Uta-Legende. Für Lokalhistoriker Peter Wagner steht die Legende gleichberechtigt neben den historischen Fakten: „Da man nicht weiß, welche der vielen Geschichten wahr, kann man doch auch gleich die Schönste erzählen.“

Danach war Uta die Frau eines bösen Ritters namens Kuno, der nichts Besseres zu tun hatte, als die Bevölkerung auszupressen und zu schinden. Seine Gemahlin versuchte den Untertanen zu helfen, indem sie Lebensmittel verteilte. Als sie eines Tages nach Hause kam, sah sie, wie das ganze Schloss mit Mann und Maus im Boden versank. Die zurückbleibende Senke wurde fortan Utahöhle genannt. Die Stelle, an der das Schloss angeblich stand, war eine größere Bodenvertiefung an der Ecke Wasserburger Land- und Mauerseglerstraße, an der heutzutage Autohäuser stehen.

Trudering-Autor Willibald Karl hat ebenso seine Meinung zu den Utas. Ihm zufolge könnte die gute Frau auch Vogtin Udalschalk II. von Freising († 1040) oder auch die namentlich unbekannte Frau von Vogt Otto II./I. von Freising († um 1070) sein. Doch wie er selbst sagt: „Nichts genaues weiß man nicht!“ 

Wolfgang Rescher

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