„Das ist unser heiliger Gral von Manchester United“ 

Gedenken an die Opfer des Flugzeug-Crashs vom 6. Februar 1958

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Viel Prominenz und eine große Gruppe englischer Fans nahmen an der feierlichen Grundsteinlegung für die neue Museums-Vitrine am Gedenkort Manchesterplatz in Trudering teil. Emotionen waren wichtiger als der lange Streit um das Projekt.

Viele Menschen nahmen an der feierlichen Grundsteinlegung für die Museums-Vitrine am Manchesterplatz teil. Unter ihnen der ehemalige englische Fußballspieler Andy Cole sowie Vertreter des FC Bayern.

Trudering – Andy Cole hatte die Reise nach München auch mitgemacht. Acht Jahre lang hatte er für Manchester United gespielt und dabei 93 Tore geschossen. Er gewann die Premier League fünf Mal und die Champions League 1999 – im denkwürdigen Finale gegen Bayern München. Bis heute singen die Fans seinen Namen, wenn Andy Cole öffentlich auftritt. Eine große Karriere. Ein großes Leben. Genau das, was den acht jungen Spielern verwehrt blieb, die vor 62 Jahren beim Flugzeugabsturz in Riem ums Leben kamen. Jetzt wurde der Grundstein für die Vitrine gelegt, die am Manchesterplatz zusätzlich zum bereits existierenden Denkmal an die insgesamt 23 Opfer des 6. Februar 1958 erinnern soll. Einen Tag zuvor hatte Manchester United noch mit einem 3:3 bei Roter Stern Belgrad das Halbfinale im Europapokal erreicht. Doch direkt auf diesen Erfolg sollte einer der schwärzesten Tage der europäischen Fußballgeschichte folgen: Das Flugzeug mit dem Team an Bord legte in München einen Tank-Zwischenstopp ein. Zwei Mal hatte der Pilot bereits den Start abbrechen müssen. Es hatte zu schneien begonnen, die Startbahn war voller Schneematsch. Der dritte Versuch endet in einer Katastrophe. Die Maschine erreicht die erforderliche Geschwindigkeit nicht, das Flugzeug durchbricht einen Zaun und prallt gegen zwei Betonblöcke. Sofort fängt die Maschine Feuer. 23 von 43 Insassen sterben, darunter acht Spieler der legendären „Busby Babes“ von Manchester United.

„Fußball ist mehr als Tore schießen und Trophäen gewinnen. Wer den Fans heute in die Augen schaut, der kann genau sehen, wie wichtig ihnen die Erinnerungen sind. Das hier ist ein besonderer Ort für alle Fans von Manchester United“, sagte Andy Cole. Tatsächlich waren rund 150 britische Fans nach München gekommen, um am 62. Jahrestag des Unglücks gemeinsam zu gedenken. Immer wieder nutzen englische Besucher in München die Chance, den Ort der Katastrophe zu besuchen. Viele von ihnen lassen etwas zurück: Schals, Bilder, Briefe. Genau das soll nun gesammelt und in einer Vitrine ausgestellt werden. Ein Mini-Museum neben dem eigentlichen Gedenkstein.

Um das Projekt hatte es einen langen Kampf gegeben. Initiator Mark Salzmann vom Bayern-Fanclub Red Docs München musste vor allem im Bezirks­ausschuss Trudering-Riem heftigen Gegenwind aushalten. Und tatsächlich ist die Frage bis heute unbeantwortet, warum es keinen offiziellen Gedenkort für die Opfer Unfalls an der Wasserburger Landstraße vor zwei Jahren geben darf – und nun gleich einen doppelten für die Absturzopfer von 1958. Doch wer die großen Emotionen sieht, die am Tag der Grundsteinlegung freigesetzt wurden, hat nicht mehr viele Argumente gegen den Bau der Vitrine.

Viele der mitgereisten Fans vergossen Tränen, als den Opfern in einer kurzen Trauerfeier nach der Grundsteinlegung gedacht wurden. Und alle wollten sich für die langjährige Unterstützung des FC Bayern und der Stadt München bedanken. „Das hier ist unser heiliger Gral von Manchester United. Jeder Fan unseres Klubs will mindestens einmal in seinem Leben an diesem Ort gewesen sein. Es ist unsere Reise nach Mekka“, erzählte Patrick Burns vom Manchester Munich Memorial Foundation, der sich bis heute um die Nachkommen der Verstorbenen kümmert. „Unser Verein war damals kurz vor dem Ende. Ohne die Hilfe von großen Klubs wie Bayern München und Real Madrid hätte es die Wiedergeburt von Manchester United nicht gegeben.“

Da verwundert es nicht, dass die erste Garde des FC Bayern an diesem Tag an Ort und Stelle war. Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Herbert Hainer halfen bei der Grundsteinlegung tatkräftig mit und gossen den flüssigen Beton ins Fundament. Beigelegt wurden unter anderem zwei Fan-Schals und das Stadionheft, das 1958 im Old Trafford zum ersten Spiel nach dem Absturz verkauft wurde.

„Bei aller Trauer, die dieses Unglück hervorgerufen hat, ehren wir am Jahrestag auch immer diejenigen, die sich für Menschlichkeit, selbstlose Nächstenliebe und Völkerverständigung einsetzen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge.

Es war die aufopferungsvolle Hilfe von Nachbarn direkt nach dem Flugzeugcrash und die große Arbeit von Ärzten und Pflegern, die nicht nur den Überlebenden in Erinnerung bleiben sollte. 1958 waren die Schrecken und Gräben des Zweiten Weltkriegs noch allgegenwärtig. Doch nun entstand eine Brücke aus Menschlichkeit und gemeinsamer Trauer, die stärker war als der Hass der Vergangenheit. Ein Stück Völkerverständigung. Auch dafür gibt es nun bald die neue Vitrine. Im Frühling soll sie am Manchesterplatz stehen.

Marco Heinrich

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