„Irgendwann stellt sich da die Sinnfrage"

Das Faschingstreiben – eine Truderinger Insitution steckt in der Krise

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Osnabrücker Karnevalsumzug "Ossensamstag"

Der Fasching in Trudering war früher ein echtes Highlight im Kalender. Heute haben die Veranstalter vom Truderinger Buam Festring so ihre Probleme damit, die Tradition fortzusetzen. Wenn das Publikum weiter ausbleibt, droht das Ende des Faschingstreiben.

Trudering – Ausgelassenheit, Zusammenhalt und ein kleiner Urlaub von der eigenen Identität – dafür steht der Fasching. Längst nicht nur in Trudering, aber gerade hier steht hinter dem Karneval eine große Tradition. Besonders beliebt war und ist das Truderinger Faschingstreiben am Faschingsdienstag, das früher auf der Truderinger Straße und seit einigen Jahren auf dem Festplatz veranstaltet wird. Doch passt die Veranstaltung noch in die heutige Zeit?

„Die Zeiten haben sich definitiv verändert. Und das alte Faschingstreiben auf der Truderinger Straße wird von vielen noch verklärt“, sagt Karl Ibscher, eine Hälfte des zweiköpfigen Vorstands im Truderinger Buam Festring. Bis zu 10.000 Leute waren damals im Truderinger Fasching auf der Straße dabei. Allerdings unter vollkommen anderen Voraussetzungen als heute. „Damals wurden die Geschäfte noch von Truderingern betrieben – und alle machten um 14 Uhr zu, damit die Mitarbeiter feiern gehen konnten. Heute müssen alle arbeiten, nicht nur am Dienstag, auch am Mittwoch danach“, erklärt Franz Risch, die zweite Hälfte der Doppelspitze. Sein Fazit: „Die alten Zeiten sind unwiederbringlich!“

Was nicht bedeutet, dass es kein Angebot mehr gibt. Das traditionelle Faschingstreiben am Faschingsdienstag gibt es auch dieses Jahr wieder. Ab 14 Uhr kommen vor allem Familien auf dem Festplatz und im Festring-Stadl auf ihre Kosten. Mit Franzi‘s Mobiler Disco und dem Auftritt der Feringa-Faschingsgarde. Den Kehraus im beheizten Stadl gibt es dann von 19 bis 24 Uhr mit den „Cagey Strings“. Doch es ist an der Zeit, dass wieder mehr Leute diese Chance für ein paar ausgelassene Stunden nutzen

„Die Besucherzahlen gehen laufend zurück. Der Kuchen teilt sich halt auf, es gibt in der Umgebung viele Veranstaltungen. Und ohne Besucher ist dann Feierabend. Irgendwann stellt sich da die Sinnfrage“, gibt Ibscher zu bedenken: „Wir müssen momentan in die eigene Tasche greifen, damit der Fasching sein Gesicht wahrt.“

Besonders dramatisch war es im vergangenen Jahr, als Sturm und Regen die Party verdarb. Am Ende kamen dadurch nur 600 bis 700 Menschen am Nachmittag und 350 am Abend. Um schwarze Zahlen zu schreiben, müssten es am Tag 1500 sein und am Abend 500 bis 600.

Wie das Wetter wird, kann auch dieses Jahr niemand beeinflussen. Aber alleine die Tatsache, dass der FC Bayern am selben Abend beim FC Chelsea in der Champions League antritt, ist für alle Veranstaltungen eine große Konkurrenz. Fußball vor dem Fernseher statt Party im Festzelt.

Vielleicht entspricht Fasching auch nicht mehr ganz dem Zeitgeist. „Die Leute gehen heute lieber in Tracht aus als in Kostüm. Alles, wo ‚Wiesn‘ draufsteht, läuft immer besser. Und unsere Truderinger Festwoche zum Beispiel ist bei Jugendlichen wieder in“, erzählt Franz Risch. Zum Fasching dagegen sei auch am Viktualienmarkt immer weniger los. Es wäre also für den Verein kein Problem, wenn der Fokus in Zukunft auf anderen Veranstaltungen liegen würde. Aber schade wäre es schon, wenn eine Truderinger Tradition einfach so verschwinden würde.

Der Truderinger Buam Festring wurde am 18. Oktober 1976 gegründet. Ausschlaggebend war unter anderem die Festwoche zur legendären 1200-Jahr-Feier 1972, bei der bereits viele spätere Festringmitglieder aktiv mitgewirkt hatten. Vorher war es seit 1969 ein Kreis von Truderinger Bürgern, welche den Gedanken hegten, in Trudering das Brauchtum wieder mehr aufleben zu lassen. Der dörfliche Charakter Truderings sollte solange wie möglich erhalten bleiben. Dieser Kreis hatte schon diverse Veranstaltungen wie den Faschingsdienstag und den lange vergessenen Keferloher Montag wieder ins Leben gerufen, den Truderinger Dorfchristbaum und 1976 erstmals die Truderinger Festwoche ausgerichtet.

Mit Ibscher und Risch haben längst die Söhne der Gründungsmitglieder die Arbeit im Verein übernommen. Und die nächste Generation steht in beiden Familien schon bereit. Zumindest um diese Truderinger Tradition muss sich also niemand Sorgen machen.

Marco Heinrich

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