Der Rappenweg, ein echter Kommunalkrimi

Einigung nach jahrelangem Ringen um das Gewerbegebiet in Riem in Sicht

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Am Rappenweg in Trudering-Riem wird endlich aufgeräumt.

Es kommt Bewegung in das illegale Gewerbegebiet am Rappenweg in Riem. Wie die Bild-Zeitung berichtet, wurde den Gewerbetreibenden dort gekündigt. Bis Ende 2020 müssen sie weg sein. Investoren könnten sich auf dem Gelände eine Mischung aus Wohnbebauung und mittelständischem Gewerbe vorstellen.

Jahrzehntelang glich das Gebiet am Rappenweg einem Ort im Wilden Westen. Die ehemalige Kiesgrube wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit teilweise schadstoffreichem Müll aufgefüllt und versiegelt, anschließend siedelte sich auf dem 225.000 Quadratmeter großen Gebiet immer mehr Kleingewerbe an — Lackierer, Autowerkstätten oder etwa ein Anhängerverleih. Ein Baurecht für dieses Gebiet gab es aber nie. Die Gewerbe waren von der Stadt nur geduldet. Bis jetzt. Denn vor einigen Wochen wurde den Gewerbetreibenden plötzlich gekündigt. Das stieß nicht nur auf viel Unmut bei den Kleinunternehmern, es wirft auch Fragen auf.

Jahrzehntelang hat die Stadt vergeblich versucht, Ordnung in das wilde Gebiet zu bringen und einen Bebauungsplan aufzustellen. Schon vor Jahren hat auch der Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem einen Vorschlag zur Wohnbebauung auf dem Gebiet gemacht. Die Pläne scheiterten bisher regelmäßig. Was hat sich nun geändert?

„Das ist schon fast ein Kommunalkrimi“, sagt Georg Krona- witter (CSU) vom BA: „Viele Akteure, die noch viel mehr darüber berichten könnten, sind leider nicht mehr am Leben.“ Kronawitter selbst versuchte in seiner Zeit im Stadtrat, Ordnung in das Gebiet bringen, scheiterte aber immer an dem Argument, dass der Untergrund aufgrund seiner Schadstoffhaltigkeit nicht bebaut werden könne.

Die ehemalige Kiesgrube geht bis zu 19 Meter in die Tiefe. Das Loch wurde unter anderem mit Sand, Kies, humosen Böden, Asche, Schlacke, Hausmüll und Bauschutt aufgefüllt, zum Teil ist der Untergrund erheblich mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Schwermetallen und Mineralölkohlenwasserstoffen verunreinigt. Auch der Flickenteppich an Eigentümern auf diesem Gebiet machte es nicht einfacher, hier eine Einigung zu erzielen.

Nun nehmen die Bebauungs-Pläne allerdings dennoch Fahrt auf. Wie Mathias Weber von der Bayerischen Hausbau berichtet, könnten sich die Investoren auf dem Rappenweg eine Wohnbebauung vorstellen. Der Bayrischen Hausbau gehören etwa ein Drittel der Flächen. Weitere Eigentümer sind unter anderem die Projektentwickler Ten Brinke, die Büschl Unternehmensgruppe und die KM-Wohnbau oder die Caritas. Dieses bunte Potpourri an Eigentümern will nun zusammen mit dem Planungsreferat endlich einen Bebauungsplan erstellen, so dass dort zukünftig Rechtssicherheit herrscht.

Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass man den Verunreinigungen des Bodens entgegenwirken könnte, indem der Boden teilweise abgetragen wird und ein Trennvlies aufgebracht werde, auf das dann saubere Erde geschüttet wird. Auch was das Grundwasser angeht, gebe es Untersuchungen zufolge Entwarnung. Zumindest für den Moment.

Bis wann der Bebauungsplan steht und wie die Details aussehen werden, kann Weber derzeit noch nicht sagen. Vorstellbar sei eine Mischnutzung aus Wohnungsbau und mittelständischem Gewerbe.

Lydia Wünsch

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