In einer Truderinger Wohnanlage funktionierte tagelang die Heizung nicht

„Nicht zum Aushalten!“

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Aida T. (links) mit ihrer Tochter und einer Nachbarin. Die drei Truderingerinnen wurden vergangene Woche eiskalt erwischt. In ihrem Haus fiel die Heizung wegen technischer Probleme tagelang aus.

Wenn im Winter die Heizung ausfällt, ist klar: Der Vermieter muss sich schnellstmöglich kümmern, dass die Anlage repariert wird. In einer Truderinger Wohnanlage ist aber genau das nicht passiert, tagelang froren die Mieter in ihren eisigen Wohnungen. HALLO hat daher beim Münchner Mieterverein nachgefragt: Welche Rechte haben Mieter, wenn sich der Vermieter nicht um sie kümmert?

Eigentlich wohnt Aida T. mit ihrer Familie gern in der Wohnanlage an der Bajuwarenstraße. Mit den Nachbarn versteht sie sich gut, ein Lebensmittel- und ein Drogeriemarkt sind in der Nähe, eine Bushaltestelle quasi direkt vor der Tür. Wenn nur nicht der ewige Ärger mit der Heizung wäre!

Tatsächlich gab es in der noch nicht einmal zehn Jahre alten Wohnanlage von Beginn an Probleme. „Wenn im Sommer mal für einen Tag das warme Wasser ausfällt, war das zwar ärgerlich, aber nicht weiter schlimm“, sagt die Dreifach-Mama T. Wenn die Probleme mit der Heizung und dem Warmwasser allerdings im Winter auftraten, wurde es schon unangenehmer. Den Super-Gau aber erlebten die Mieter nun in der vergangenen, bitterkalten Woche: „Wir hatten fünf Tage keine Heizung und kein warmes Wasser“, schimpft T. „Können Sie sich vorstellen, was das bedeutet?“

Wer zuhause in seiner warmen Stube sitzt, kann es sich tatsächlich kaum vorstellen. Erst wenn man zu T.s in die Wohnung ging, ahnte man, was die Familie und deren Nachbarn durchmachen mussten. Es war kalt, es war feucht, es war klamm! Wer von den Hausbewohnern konnte, quartierte sich bei Freunden oder Verwandten ein. Familie T. ging zum Duschen zu den Großeltern, die Kinder machten bei Oma und Opa Hausaufgaben. Abends saß man mit Schal, mehreren Pullovern und Decken beim Abendessen zusammen. „Unsere Zähne haben geklappert“, berichtet Aida T.

Das einzige, was sie ansatzweise warm hielt, war die Wut auf die Hausverwaltung. Denn egal wie verzweifelt ihre Anrufe oder die Anrufe der Nachbarn waren, gab es stets die gleiche Antwort: „Wir sind dran, wir kümmern uns.“ Und während die Dame der Hausverwaltung angesichts der permanenten Anrufe der Hausbewohner immer genervter wurde, wuchs im Haus die Verzweiflung. „Wir Erwachsenen halten das ja aus“, sagt Aida T.‘s Nachbarin Annette S. „Doch im Haus wohnen ja auch Kinder!“

S. selbst hat zwei Kleinkinder, die zunehmend „knatschig“ wurden. Aida T.s Tochter fing sich eine Mittelohrentzündung ein – ob die Kälte zuhause oder der Ärger darüber die Ursache waren, kann Aida T. nicht sagen. Sie weiß nur so viel: „Wenn wir jetzt auch noch Schimmel in der Wohnung kriegen, dann ist es gar nicht mehr zum Aushalten!“

Warum sich bislang keiner der Mieter einen Anwalt genommen und gegen die Zustände gewehrt hat, erklärt Aida T. so: „Wir wollen eigentlich keinen Ärger mit unserem Vermieter. Wo findet man denn heute noch eine bezahlbare Wohnung für eine Familie?“ Deshalb fleht sie: „Es muss doch möglich sein, dass man die Probleme an der Heizung in den Griff bekommt!“

Dies findet auch Anja Franz vom Münchner Mieterverein. Leider, erklärt Franz, passiere es immer wieder, dass bei strengem Frost die Heizungen ausfielen. Das sei normal, dem Vermieter dürfe man dies nicht zum Vorwurf machen. Was aber gar nicht gehe: „Dass die nicht sofort alles in Bewegung setzen und den Leuten Heizstrahler in die Wohnung stellen, bis das Problem gelöst ist!“

Rein rechtlich sei die Sache klar: Der Vermieter müsse sicherstellen, dass die Mieter nicht frieren. Tut er dies nicht, so Franz, „muss man Druck machen“! Dieser Druck setze sich aus drei Komponenten zusammen: „Man muss den Vermieter informieren, man muss Fristen setzen und all das muss schriftlich erfolgen.“

Die Miete direkt einzubehalten, sei dagegen ein Fehler, das könne zur Kündigung führen: Vielmehr sollten Betroffene schriftlich ankündigen, dass sie die Miete nur noch „unter Vorbehalt“ zahlen würden. Üblich ist Franz zufolge außerdem, eine Frist von 24 Stunden zu setzen, innerhalb derer die Heizung repariert werden müsste; andernfalls – und auch das muss schriftlich angekündigt werden – würden sich die Betroffenen einen Elektroofen kaufen und die Kosten hierfür dem Vermieter in Rechnung stellen. Sei Gefahr im Verzug, etwa weil ein Kind krank ist, dürfe man auch drohen, selbst einen Fachmann zu engagieren – für den wiederum der Vermieter aufkommen muss.

Die Firma Techem Energy Services GmbH, die im Auftrag der Hausverwaltung für die Wärmeversorgung der Anlage zuständig ist, bestätigt gegenüber HALLO, dass es in der zentralen Heizungsanlage, die rund 150 Wohneinheiten in mehreren Gebäudekomplexen versorge, zu Ausfällen gekommen sei. „Dafür möchten wir die Mieter um Entschuldigung bitten“, so Techem-Sprecherin Beate Reins. Techem arbeite nun intensiv „im Schulterschluss mit dem Hausbesitzer und der Hausverwaltung an einer nachhaltigen Lösung für eine störungsfreie Versorgung“. Die Ursachenforschung werde voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen, „da es sich vorliegend um ein komplexes Wärme- und Verteilsystem handelt“. Für die nächsten Tage seien jedoch „mehrere Ortstermine aller Beteiligten anberaumt“.

Aida T. drückt den Technikern die Daumen. Noch einen Heizungsausfall will sie nämlich nicht mehr mitmachen: „Dann ziehen wir lieber aus!“ zip

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