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Dokumentarfilm „A Mindful Choice“ in der Kultur-Etage Messestadt

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Ishaya-Mönch Chandan steht beim Filmabend in der Kultur-Etage Messestadt für Fragen zur Verfügung.
Ishaya-Mönch Chandan steht beim Filmabend in der Kultur-Etage Messestadt für Fragen zur Verfügung. © oh

Innerer Frieden hängt nicht von äußeren Umständen ab. Er ist eine Entscheidung, die jeder treffen kann, glaubt der Ishaya-Mönch Chandan. Gegenüber HALLO erklärt er, warum es dennoch so vielen Menschen schwer fällt, diese Entscheidung zu treffen.

Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses in Mexiko erlernen eine Meditationstechnik; seitdem gibt es keine Vorfälle von Gewalt mehr. Eine krebskranke Frau erlebt durch Meditation, dass sie mehr ist als ihr Körper. Und dass sie trotz der Krankheit Frieden finden kann. Beispiele aus dem Dokumentarfilm „A Mindful Choice“, der am Donnerstag, 19. Juli, um 19 Uhr in der Kultur-Etage-Messestadt, Erika-Cremer-Straße 8, gezeigt wird; der Eintritt ist frei. „Oft denken wir, wir können erst glücklich sein, wenn sich bestimmte Umstände ändern“, sagt Ishaya-Mönch Chandan. „Glücklicherweise ist das nicht wahr. Frieden ist eine Entscheidung.“

Chandan heißt eigentlich Christoph Hayn und lebt in Glonn. Zum Ishaya-Mönch wurde der 34-jährige Pflegeassistent vor einigen Jahren, nachdem er im Kroatien-Urlaub ein Buch über diese Meditation gelesen hatte. „Ich habe das Buch an einem Tag verschlugen, so fasziniert war ich davon. Damals habe ich mir geschworen, die Ishaya-Mönche zu finden und ihre Technik zu erlernen.“ Er fand sie und ließ sich von ihnen zum Lehrer der Meditation ausbilden. Mit ihm gibt es derzeit vier Ishaya-Mönche in München.

Der Begriff „Ishaya“ stammt aus einer alten indischen Sprache, dem Sanskrit, und bedeutet: von und für das höchste Bewusstsein. Hier liegt der Schlüssel zum selbst gewählten inneren Frieden. Aber warum fällt es so vielen Menschen so schwer, diese Entscheidung zu treffen? „Weil wir nie gelernt haben, wie das geht“, sagt Chandan. „Wir übernehmen so viele Glaubensmuster über das Leben, die Welt und was man zu tun hat. Was man nicht lernt, ist wie man zur Ruhe kommt. Stattdessen sind wir gefangen in einem Hamsterrad, immer mit der Karotte vor der Nase, die einem sagt: „Was du haben kannst, ist viel besser als das, was du jetzt hast.

Das Ruhen hat der Mensch verlernt

Es gelte, immer einen anderen Moment zu erreichen, in dem man glücklich wird. So hat der Mensch verlernt, im Moment zu ruhen. Stattdessen liefert er sich einen Wettlauf gegen die Zeit, den er nach Chandans Meinung nicht zu laufen bräuchte. Denn das Einzige, was der Mensch wirklich erlebt, ist immer nur der Moment. Nur im Jetzt könne man Frieden erleben. Dabei dennoch Ziele zu verfolgen, schließt sich für Chandan nicht aus. „Man kann auf ein Ziel hinarbeiten und dennoch im Moment glücklich sein. Von diesem Punkt aus kann man seine Ziele verfolgen, ohne getrieben zu sein.“ Dafür gibt es Meditationstechniken, die den Verstand zum Stillstand bringen. Ein Großteil von dem, was Menschen täglich denken, sei negativ und selbstbe-grenzend.

Aber lassen sich mit Meditation auch schlimme Schicksalsschläge besser ertragen? „Leben bleibt immer Leben“, sagt Chandan. Herausforderungen werden immer kommen, aber man bekommt eine andere Perspektive auf die Dinge, wenn man einen Ruhepool in sich trägt. „Man geht nicht mehr so verloren“, glaubt er. 

Oft müssen es allerdings gar nicht die großen Dinge sein, die einen umhauen. Auch Alltagsstress ist oft zermürbend. Doch Chandan ist anderer Meinung: „Das Einzige, was einen stresst, ist die Beziehung zum eigenen Verstand.“ Man kann sich jederzeit entscheiden, in das Hamsterrad zu gehen – oder nicht. „Der Urglaube, der all unseren Stress verursacht, ist der Glaube, dass irgendetwas mit meinem Leben nicht stimmt.“ Dadurch entsteht ein Widerstand gegen das Leben. Um diesen Widerstand zu durchbrechen, ist es wichtig, sich nicht über seine Gedanken zu definieren. „Von unserem Verstand hören wir: Du musst mehr machen! Du bist nicht richtig!“ Aber der Mensch sei nicht diese Stimme im Kopf. 

Gedanken und Gefühle kommen und gehen, was bleibt, sei das Bewusstsein. „Wenn wir uns über unsere Gedanken definieren, dann ist das, als würden wir einen Anzug anziehen, der viel zu klein ist.“ Gedanken sind begrenzt, glaubt Chandan. Stattdessen kann man lernen, sich selbst Dinge zu verzeihen oder mit einer schweren Vergangenheit fertigzuwerden und alte Glaubensmuster abzustreifen. Ob man dafür zum Ishaya-Mönch werden muss? Vielleicht. Vielleicht reicht es aber auch zu lernen, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist.

Lydia Wünsch

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