Ist der Stillstand etwa der größte Fortschritt?

Diskussion zwischen Experten und Anwohnern um die Truderinger Unnützwiese

Der erste Plan des Baureferates für die Truderinger Unnützwiese.
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Der erste Plan des Baureferates für die Truderinger Unnützwiese.

Der Kampf um den Erhalt der Unnützwiese in Trudering ist gewonnen. Doch die Diskussionen um ihre Zukunft haben gerade erst begonnen. Der Auftakt war vielversprechend.

Trudering – "Hier sind ja nur Insider, alle haben Herrschaftswissen“, sagte Wolfgang Mesenich, nachdem er all die erhobenen Hände gesehen hatte. Die Frage war, wer von den Anwesenden denn direkt an der Unnützwiese oder in deren Umgebung wohnen würde. Und so gut wie alle der rund 60 anwesenden Bürger taten es. Es war der Auftakt eines überaus gelungenen Bürgerworkshops.

Zur Erinnerung: Vor rund drei Jahren verhinderte ein beherztes und durchdachtes Eingreifen von Bürgern die Pläne einer Bebauung der Unnützwiese. Ein Wohnen-für-alle-Projekt sollte dort entstehen. Doch der politische Druck wurde schnell so groß, dass Oberbürgermeister Dieter Reiter einknickte und die Planungen abbrach. Ein großer Erfolg für die Bürger, der nun vergoldet werden soll. Die Stadt will die Unnützwiese ökologisch aufwerten. Wie genau das aussehen soll, wird nun mit den Bürgern zusammen diskutiert. Eine durchaus heikle Angelegenheit, denn den meisten Applaus gab es im Kulturzentrum Trudering immer dann, wenn es darum ging, möglichst wenig bis gar nichts zu verändern. Ist Stillstand etwa der größte Fortschritt?

Die Bürgerinitiative „Rettet die Unnützwiese“ hatte bereits ein Konzept zur Aufwertung erstellt. Und auf den ersten Blick war erkenntlich, dass sich die nun präsentierten Pläne des Baureferats sehr eng an diesen Überlegungen orientierten. Der Grundcharakter der Wiese mit der großen, einsichtigen Fläche soll erhalten bleiben. Zwei Fußballfelder sollen zum Kicken einladen, der Spielplatz soll noch schöner werden, aber an der etablierten Stelle bleiben. 

Neu war dagegen der Plan, eine Multifunktionsfläche an der Ecke Bajuwarenstraße/Unnützstraße zu bauen und die beiden Trampelpfade auf der Wiese durch echte (nicht versiegelte) Wege zu ersetzen. Das gefiel nicht allen. Nachdem es lautere Unmutsäußerungen aus den Reihen der Bürger gab, ergriff Marcel Metzmeier von der Bürgerinitiative „Grünflächen-erhalten.de“ das Wort und erinnerte daran, dass das Miteinander vieler Beteiligter die Basis dafür war, dass die Unnützwiese überhaupt erhalten werden konnte. „Es geht nur mit den Referaten und nicht gegen sie“, sagte er – und ebnete damit den Weg für fruchtbare Diskussionen.

An drei Tischen wurde nach der Präsentation der Pläne diskutiert. Es ging um die Belange von Boule-Spielern, Hundebesitzern und Jugendlichen. Und auch um Vor- und Nachteile des Rodelhügels, den die Stadt auf der Wiese plant.

In kooperativer bis manchmal sogar freundschaftlicher Atmosphäre wurden Standpunkte ausgetauscht und viele Anregungen weitergegeben, die die Stadtverwaltung nun im nächsten Schritt in die Planungen integrieren will. Auch eine Schulklasse soll noch involviert werden.

Am Ende war allen klar, dass die Unnützwiese nicht übermäßig verändert werden soll. Und dass Bürgerbeteiligung im Rahmen eines Workshops tatsächlich funktionieren kann.

Marco Heinrich

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