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Das Gymnasium in Riem wird nicht rechtzeitig zum Schuljahresbeginn fertig

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Von: Thomas Fischer

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Baustelle des geplanten Gymnasiums in Riem aus der Vogelperspektive.
Schaurige Nachricht für Eltern und Schulkinder: Das Gymnasium Riem wird nicht rechtzeitig fertig. © MRG

„Wir können Ihnen aus vielen Chatnachrichten unter dem Strich mitteilen: Die Elternschaft schäumt vor Wut.“ So steht es in einem Brief, den betroffene Eltern an Oberbürgermeister Dieter Reiter, Bürgermeisterin Verena Dietl, Stadtschulrat Florian Krauss, den Stadtrat, Kultusminister Michael Piazolo und Ministerpräsident Markus Söder geschrieben haben. Hintergrund: Das Gymnasium in Riem wird nicht zum Schuljahresbeginn fertig, die Schüler müssen auf die Schwanthaler Höhe ausweichen. Ein Unding, finden auch die Lokalpolitiker.

Viele Kinder der sogenannten Vorläuferklassen seien seit drei Jahren an verschiedenen Einrichtungen unterrichtet worden, ohne wirklich anzukommen und ohne ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln zu können. „Uns hat man bis vor einem Monat noch glaubhaft versichert, dass dieser Zustand mit dem 13. September 2022 ein Ende haben würde. Viele von uns haben sich wegen dieses versprochenen Zeitrahmens überhaupt für das GyMRiem und nicht für eine andere Schule entschieden“, heißt es in dem Schreiben.

Nun sei man zweieinhalb Wochen vor Schulbeginn vom Referat für Bildung und Sport (RBS) darüber informiert worden, dass man den Kindern eine weitere Hängepartie und einen langen Schulweg von mehreren Stunden pro Tag im Berufsverkehr oder der U-Bahn und vorbei an Baustellen und betrunkenen Wiesnbesuchern an das andere Ende der Stadt zumuten wolle. Und das mit einer lapidaren Erklärung „Aufgrund aktueller Entwicklungen verschiebt sich die Fertigstellung des Bildungscampus, so dass der Schulstart am Übergangsstandort im Schulgebäude an der Schwanthalerstraße 87/89 erfolgt“, wird den Eltern mitgeteilt.

Auch Gründe führt die Stadt an. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass der gesamte Bildungscampus mit allen Gebäudeteilen und den zugehörigen Freisportanlagen zum Schuljahr 2022/23 fertiggestellt werde und in Betrieb gehen könne. „Unerwartete äußere Ereignisse – die Corona-Pandemie mit zwei Lockdowns, Reiseverbote von am Bau Tätigen, nachhaltig gestörte Lieferketten und der damit verbundene Baustoffmangel – haben die MRG im Jahr 2021 dazu veranlasst, die Gesamtfertigstellung des Bauprojekts zu verschieben“, heißt es in dem Schreiben des RBS.

In Abstimmung mit dem Referat für Bildung und Sport sei daraufhin ein Teilinbetriebnahmekonzept erarbeitet worden, das vorgesehen habe, dass das Staatliche Gymnasium München Riem seinen Schulbetrieb mit 15 Klassen zum Schuljahresbeginn 2022/23 aufnehmen kann. Alle am Bauprojekt Beteiligten hätten in den vergangenen Monaten alles erdenklich Mögliche unternommen, um die gesteckten Ziele der Teilfertigstellung zu realisieren und einen Schulbetrieb für das Gymnasium München Riem am neuen Bildungscampus zu ermöglichen.

Zusätzlich zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie habe sich die Situation in den vergangenen Monaten durch weitere Material- und Lieferengpässe, die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurden, verschärft. „Nach Beginn der Sommerferien war der Bau daher nicht so weit fortgeschritten, dass ein sicherer und störungsfreier Schulbetrieb zum Start des neuen Schuljahres 2022/23 realisierbar sein wird“, so das Referat.

Die Eltern wollen den Verweis auf Corona oder die Ukraine-Krise nicht gelten lassen. „Die Lieferung von Material für solche Großprojekte stellt man zeitig im Voraus sicher, wenn einem das Projekt wirklich wichtig ist“, schreiben sie. Warum die Eltern von den Verzögerungen erst zweieinhalb Wochen vor Ferienende informiert wurden, wird nicht erklärt. Lediglich die Entscheidung, warum die Truderinger und Riemer Schüler auf die Schwanthaler Höhe umziehen müssen, wird begründet: „Das Gymnasium München Riem wird übergangsweise gut ausgestattete Räumlichkeiten an der Schwanthalerstraße 87/89 beziehen und den Schulbetrieb im September 2022 zunächst dort aufnehmen. Selbstverständlich wurde auch geprüft, ob ein näheres und geeignetes Ausweichquartier zur Verfügung steht. Dies ist jedoch nicht der Fall. Die Schwanthalerstraße verfügt über die besten zur Verfügung stehenden Rahmenbedingungen.“

Eine Entscheidung, die die betroffenen Eltern nicht nachvollziehen können. Sie fragen sich, warum gerade die Schule an der Schwanthalerstraße leer steht und genutzt werden kann. „Gibt es hier Baumängel beziehungsweise ein Gesundheits- oder Sicherheitsrisiko“, fragen sie den Oberbürgermeister. Das Ausweichen an die Schwanthaler Höhe wirkt für sie stark improvisiert. Außerdem würden sie gerne wissen, welche Alternativen geprüft wurden. Denn sie sehen durchaus Möglichkeiten in der Umgebung des Campus Riem. So stünden beispielsweise im Gewerbegebiet Dornach einige Objekte zur Vermietung an. Und die Helen-Keller-Realschule stünde aktuell wegen Umbau inklusive der vorgelagerten Container leer – diese Räumlichkeiten seien schneller und näher zu erreichen.

Jetzt hoffen die Eltern auf OB Reiter. „Als wir uns für die Schule in Riem entschieden haben, wurde uns glaubhaft versichert, dass die Schule rechtzeitig fertig werden würde – nun bezahlen unsere Kinder den Preis für diese Lüge. Es geht hier nicht um ein Projekt – hier handelt es sich um schutzbedürftige Kinder. Wir hoffen, dass Ihre schnelle und konkrete Antwort wieder Vertrauen in das doch zwischenzeitlich stark belastete Verhältnis zur Verwaltung aufbauen kann“, schreiben sie dem Stadtoberhaupt.

Auch bei den Lokalpolitikern sorgte die Nachricht für Entsetzen. So brachte die CSU-Rathausfraktion einen Dringlichkeitsantrag für die Feriensitzung am 7. September ein. Demnach soll dem Stadtrat die aktuelle Situation dargestellt werden. Unter anderem wollen die Initiatoren Bea­trix Burkhardt und Sebastian Schall wissen, seit wann der MRG und dem RBS bekannt gewesen sei, dass die geplante Zeitschiene mehr als kritisch sei.

„Warum wurden die Eltern nicht rechtzeitig, aber spätestens zu Beginn der Sommerferien über die problematische Situation informiert, da jetzt viele Familien im Urlaub sind“, lautet eine weitere Frage. Zudem wollen Burkhardt und Schall Informationen, welche weiteren Unterbringungsalternativen geprüft wurden und wie viele Kinder betroffen seien und natürlich, wann die Kinder wieder an die ursprüngliche Schule zurückkehren können.

„Eine Information der Eltern über die rechtzeitige Schulöffnung mitten in den Ferien ist völlig untragbar. Hier geht es nicht nur um eine einfache Verlegung, sondern damit ist auch ein völlig anderer Schulweg mit entsprechenden Zeitplänen entstanden, der Eltern und Kindern erhebliche Probleme bereiten wird. Viele Eltern haben sich aufgrund ihrer beruflichen Situation einen Zeitplan zurecht gelegt und die Kinder auf ihren Schulweg vorbereitet. Ein Weg, quer durch die Stadt ist gerade für Kinder beim ersten Besuch einer neuen Schule mit einer gewissen Eingewöhnung verbunden, um so viele Gefahren wie möglich auszuschließen. Drei Wochen für diese neue Situation ist einfach absurd und unverantwortlich“, so Burkhardt und Schall in ihrem Antrag.

Von einem „unsäglichen“ Vorgang sprach etwa Stefan Blomberg, Vorsitzender der SPD Trudering-Riem. Auch sie hätten erst zum gleichen Zeitpunkt wie die Eltern von Nicht-Fertigstellung erfahren. Zweieinhalb Wochen vor der geplanten Eröffnung sei viel zu spät. Schulreferent Florian Kraus warf er in diesem Zusammenhang mangelnde Professionalität vor. Im Bezirksausschuss Trudering-Riem stellten die Sozialdemokraten umgehend einen Dringlichkeitsantrag zum Schulcampus, der von den übrigen Fraktionen allerdings nicht unterstützt wurde.

Das Gremium verständigte sich allerdings auf eine Fragenkatalog, der nun an das RSB geschickt wird und beschloss eine Sondersitzung des zuständigen Unterausschusses. An dieser sollen auch Vertreter des Referats für Bildung und Sport und der Münchner Raumentwicklungsgesellschaft mbG (MRG) vertreten sein – Betroffene Eltern können ebenfalls teilnehmen: Die Sitzung ist öffentlich.

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