„Clowns ohne Grenzen“ unterwegs in Münchner Flüchtlingsunterkünften

Kindern das Lachen zurückgeben

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Die Münchner Gruppe des in ganz Deutschland aktiven Vereins „Clowns ohne Grenzen“ besuchte in der vergangenen Woche die Münchner Flüchtlingsunterkünfte, um den dort lebenden Kindern eine fröhliche Stunde zu bereiten. Bild: die Clowns bei ihrem Auftritt in Trudering.

Eine Woche haben sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins „Clowns ohne Grenzen“ freigenommen, um in den Münchner Flüchtlingsheimen für etwas Abwechslung zu sorgen. HALLO traf sie auf ihrer Station in Trudering.

„Lass los! Laaass los!“, rufen Kinderstimmen aufgeregt, als sie sehen, wie ein Clown einem anderen einen Luftballon in die Hand drückt und am anderen Ende zu ziehen beginnt. Die Kinder raufen sich die Haare und prusten aufgeregt durch die Backen. Mit weit aufgerissenen Augen sehen sie zu, wie die vier Clowns – mit den Namen Rot, Grün, Blau und Gelb – in der Flüchtlingsunterkunft Am Moosfeld in Trudering von einem Schlamassel in das Nächste geraten. Die Kinder staunen, fiebern mit, sind verblüfft. Erleichtert lachen sie auf, wenn den Clowns endlich einmal etwas gelingt.

Die Vorstellung wirkt wie eine typische Zirkusveranstaltung und ist dennoch etwas ganz anderes. Denn die „Clowns ohne Grenzen“ treten nur dort auf, wo lachende Kinder leider keine Selbstverständlichkeit sind. Das sind Krisengebiete wie zum Beispiel Nepal, Iran und Israel oder gar Kriegsgebiete wie Syrien. Seit 2014 sind die „Clowns ohne Grenzen“ auch in Flüchtlingsheimen in Deutschland unterwegs.

Vor zwei Jahren haben sich Mia Rohrbach (Rot), Friederike Martin (Blau), Sabine Scherner (Grün) und Peter Kisters (Gelb) auf der Clownsschule kennengelernt und bilden seitdem das Team München. 2015 und 2016 waren sie in 30 verschiedenen Unterkünften unterwegs. Gerade nahmen sie sich eine Woche Urlaub genommen und waren fünf Tage lang in insgesamt 13 Münchner Einrichtungen unterwegs – alles ehrenamtlich. „Das Lachen der Kinder – aber auch der Erwachsenen – ist unsere Bezahlung“, sagt Sabine Scherner über ihre unentgeltliche Tätigkeit.

Das Truderinger Flüchtlingsheim Am Moosfeld ist ihre vorletzte Station. „Jeder Auftritt ist anders und besonders“, sagt Mia Rohrbach. „Jedes Mal passieren neue und unvorhersehbare Dinge.“ So erzählt Peter Kisters zum Beispiel: „Vor ein paar Wochen hat mich ein Kind getröstet, als ich auf der Bühne geweint habe. Dieses Mädchen hatte selbst sehr viel mitgemacht und jetzt tröstet sie jemand anderen. Das zu erleben, war unglaublich!“ Viele dieser Kinder haben Schlimmes erlebt in den Kriegsgebieten, aus denen sie kommen. Doch für diese eine Stunde mit den „Clowns ohne Grenzen“ ist alles Vergangene in weite Ferne gerückt. Denn dann gilt es herauszufinden, wie Rot es schafft, einen ganzen Luftballon zu verschlucken oder was Grün unter seinem Anzug versteckt. Die Räume der Fabrik sind erhellt von fröhlichen Gesängen und lauten Kinderrufen. Sogar die Sicherheitsbeamtin der Einrichtung kann sich das Lachen nicht verbeißen, als ein Taschentuch aus ihrem Kragen gezaubert wird.

Am Ende der Show sind die Kinder traurig: „Wann kommt ihr denn wieder“, fragen die Kinder die vier Clowns. „Um öfter zu kommen, gibt es leider zu viele Einrichtungen“, erklärt Mia Rohrbach. Aber, so erklärt sie gegenüber HALLO, es komme durchaus vor, dass sie und ihre Kollegen von einer Einrichtung ein zweites Mal gebucht würden. Meistens seien es allerdings nur Momentaufnahmen, die sie den Menschen in den Flüchtlingsheimen bieten könnten, aber diese seien sehr wertvoll. Denn: „Sie bringen den Kindern das Lachen zurück, lassen sie eine Stunde lang das Erlebte vergessen und bauen Barrieren ab!“

Doch auch die Clowns profitieren von den Auftritten, findet Rohrbach: „Es ist schön zu sehen, wie wir unsere Willkommenskultur zurückbekommen, indem auch wir in den Wohnheimen willkommen sind.“ Lydia Wünsch

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