Clemens Mulokozi aus Trudering will mit seinem Verein „Jambo Bukoba“ Kindern in Tansania helfen

Ein guter Mensch zu sein, reicht nicht

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Der Truderinger Clemens Mulokozi ist aus der Karriere-Tretmühle ausgestiegen – um sich um Kinder in Tansania zu kümmern.

Clemens Mulokozis Leben schien perfekt: tolle Familie, toller Job, tolle Marathon-Laufzeiten. Bis er vor zwei Jahren beschloss, das Karriere-Hamsterrad zu verlassen und sich seinem Herzensthema zu widmen: der Arbeit für und mit tansanischen Kindern.

In München, der Heimat seiner Mutter, war Clemens Mulokozi immer der Schwarze. In Tansania, der Heimat seines Vaters, war er der Weiße. Irgendwann wollte „ich einfach nicht mehr zwischen den Stühlen sitzen“, sagt der 51-Jährige. „Ich wollte Brücken bauen!“

Brücken bauen, kommunizieren, Menschen überzeugen, Netzwerke nutzen ist tatsächlich etwas, was nur wenige so gut können dürften wie Clemens Mulokozi. Nach dem Abi am Werner-von-Siemens-Gymnasium in Neuperlach studierte er zunächst Musik, wechselte nach einer kurzen Karriere als Jazztrompeter in eine große Werbeagentur und stieg schließlich bei der Hypo-Vereinsbank in die Marketing-Chefetage auf. Mit Frau und Kind zog er nach Trudering, neben seiner stressigen Arbeit trainierte er eisern an seinen Marathon-Laufzeiten. Das Thema seines Lebens, es als Enkel von einfachen tansanischen Bauern in Deutschland zu Ansehen und Wohlstand gebracht zu haben, schlummerte da noch „tief in mir drin“.

Erst als der Vater, der dank eines Stipendiums an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Chemie hatte studieren und dort auch seine Doktorarbeit hatte schreiben können, im Jahr 2006 verstarb, begann sich Clemens Mulokozi mit der Geschichte seiner Familie und deren Heimat auseinander zu setzen. Das Ergebnis nennt sich „Jambo Bukoba“, ein Verein, der mithilfe von Sport die Themen Bildung, Gleichberechtigung und Gesundheit in Tansania fördern will.

Denn die Probleme des ostafrikanischen Landes sind enorm: Überbevölkerung, Armut, Aids. „Eine Spirale“, nennt es Mulokozi. Für die Pflege der Kranken und die Arbeit auf dem Feld brauchen tansanische Familien nämlich Kinder; die wiederum können nicht zur Schule gehen, da sie ja in der Familie gebraucht werden; mangels Bildung haben die Kinder später auch keine Chance, in der Hauptstadt Daressalam oder den anderen größeren Städten des Landes eine Arbeit zu finden; und da das Thema Sexualität in Tansania tabu ist, wissen auch nur die wenigsten Kinder etwas über die Verbreitung des Aids-Virus und Verhütung. Besonders Mädchen trifft es hart: Sollten sie nämlich jemals eine Schule besucht haben, beenden sie die spätestens, wenn sie ihre Periode bekommen; an den Schulen gibt es schlicht keine Toiletten, an denen Frauenhygiene möglich wäre.

All das will Mulokozi mit seinem 2008 gegründeten Verein ändern. Klar, dass einer wie er das auch entsprechend aufzieht: „Professionell und transparent, von Anfang an“ wollte er arbeiten. Er entwarf Business-Pläne, sprach mit Verantwortlichen vor Ort und – vor allem – band er auch die Bevölkerung ein. „Wenn wir ein Schulhaus bauen, müssen die Eltern der Kinder mindestens 25 Prozent der Kosten selbst tragen: Sei es durch Material oder sonstige Eigenleistungen.“ Auch Geld werde erst ausbezahlt, wenn alles benötigte Material auf dem Schulhof liege. Welche Gemeinde überhaupt das neue Schulhaus bekomme, entscheiden Sportwettbewerbe, ähnlich den deutschen Bundesjugendspielen. Mit dem kleinen Unterschied: Bei den Wettbewerben geht es darum, dass Buben und Mädchen zusammenarbeiten und sich so respektieren lernen.

Die Spiele, sagt Mulokozi, seien in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelt worden. Auch für seinen Verein holte er sich sukzessive Experten, etwa Lehrer, Finanzmanager, Sportler, erfahrene Vereinsfunktionäre. Neben einem Büro in der Parkstadt Schwabing gibt es nun auch eine Niederlassung in Tansania. „Es reicht nicht, nur ein guter Mensch zu sein, du musst professionell arbeiten“, umschreibt Mulokozi seine Herangehensweise.

Und die hat Erfolg! Internationale Wohltätigkeitsorganisationen belegen, dass sich die Schulleistung der von „Jambo Bukoba“ geförderten Kinder verbessert hat, dass Mädchen Selbstbewusstsein entwickeln und dass sie Bescheid wissen über Aids. Anerkennung dafür erhält der Truderinger genug: Namhafte Firmen und Vereine, etwa die Allianz oder der FC Bayern, unterstützen ihn, Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte persönlich eine Auszeichnung.

Am Ende aber musste sich Clemens Mulokozi entscheiden zwischen „Jambo Bukoba“ und seiner Gesundheit: „Alles auf einmal wurde irgendwann zu viel.“ Im Jahr 2014 verließ er daher seinen Top-Job bei der Bank. Ob er diesen Schritt je bereut hat? „Nein, nie!“ Er habe die Chance bekommen, ein Projekt wie dieses umsetzen zu dürfen. Ob es langfristig erfolgreich sein wird, wisse man nicht. „Aber“, sagt der 51-Jährige überzeugt, „ich will es auf jeden Fall probiert haben“.

„Jambo Bukoba“

Der Verein „Jambo Bukoba“ hat seit seiner Gründung 2008 bereits rund 500.000 Kinder in Tansania gefördert. 367 Mitglieder zählt „Jambo Bukoba“ aktuell. Im Büro in der Parkstadt Schwabing arbeiten neben Clemens Mulokozi zahlreiche weitere Ehrenamtliche, darunter auch eine Studentin. Zuletzt startete der Verein, neben den Sport-Programmen, auch ein Toiletten-Programm namens „Wash“. Weitere Infos gibt es unter www.jambobukoba.com.

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